Diese Bank wird eine Kuriosität. Sie wird so anders sein als alle anderen Banken, dass sich die Menschen aus Neugierde damit beschäftigen werden", sagt Christian Felber. Der Globalisierungskritiker, seine Kollegen von der Organisation Attac sowie Vertreter der Zivilgesellschaft arbeiten derzeit emsig an der Gründung einer "Demokratischen Bank", die 2012 in Betrieb gehen soll.
Sie soll eine "Good Bank" werden. "Sie erfüllt die Kernfunktionen einer Bank, spekuliert nicht, handelt nicht mit Wertpapieren und Derivaten und vertreibt keine Fonds. Sie wandelt die Einlagen der Sparer in möglichst günstige Kredite für die Wirtschaft", fasst Felber zusamm
Billige Kredite
Das Konzept: Die Bank soll nicht gewinn- sondern gemeinwohlorientiert arbeiten, lediglich die Erhaltungskosten der Bank müssen gedeckt werden. Das bedeute niedrige Zinsen - sowohl für Kreditnehmer als auch für Sparer. Ziel sei der gesamtwirtschaftliche Mehrwert: "Der Vorteil für die Sparer ist einerseits ein direkter: Fast jeder benötigt einmal im Leben einen Kredit; und andererseits ein indirekter: Je niedriger die Sparzinsen, desto niedriger die Kreditzinsen. Desto einfacher kommen Unternehmen an Kapital, desto mehr Arbeitsplätze schaffen sie, desto niedriger ist die Arbeitslosigkeit, desto höher sind die Einkommen und desto billiger sind die Produktpreise, weil ja in allen Preisen Zinsen drinnen stecken."
Die Kreditzinsen für Unternehmen sollen im Durchschnitt 3,5 Prozent nicht überschreiten. Kredite werden nach ökologischem und sozialem Mehrwert vergeben: je gemeinwohlförderlicher, desto günstiger.
Gesellschafter
Die Grundidee: Alle Sparer, Kreditnehmer und Gesellschafter sind Eigentümer der Bank und lenken ihre Geschicke auf demokratischem Weg. Als Gesellschafter kann man ab einer Einlage von 1000 Euro einsteigen. Die Bank soll ihren Betrieb in der zweiten Jahreshälfte 2012 aufnehmen, Felber geht von einem Startkapital von zehn Millionen Euro aus. "Wir erwarten die Konzession im ersten Halbjahr 2012, falls wir den Weg der Neugründung beschreiten", sagt Felber. Die Alternative sei der Ankauf einer bestehenden Bank und die Übernahme ihrer Lokale.
Felber ist überzeugt, dass die Sparer auch bei tiefen Zinsen nicht ausbleiben werden. "Es ist ein menschliches Grundbedürfnis, anderen Gutes zu tun und einander zu helfen." In jeder der rund 2300 österreichischen Gemeinden ist langfristig eine Zweigstelle geplant. Alle Kredite sollen öffentlich einsehbar sein. Ob die Inbetriebnahme 2012 eingehalten werden kann, "hängt damit zusammen, ob alternative Bankfachleute, für die der Aufbau zum Herzensanliegen wird, rasch zu uns finden." Derzeit umfasse das ehrenamtliche Arbeitsteam mehr als 50 Personen. Die Löhne der Angestellten sollen um 50 Prozent über dem Mindestlohn liegen, die maximalen Vorstandsgehälter bei etwa 5000 Euro. "Da wir weder Boni noch sechs- oder mehrstellige Gehälter zahlen, sind die Personalkosten bei uns geringer als bei den Global Players", sagt Felber.
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