Weil es in unserer Gesellschaft peinlich ist, Armut zuzugeben, werden Kinder oft krank gemeldet, wenn kostenpflichtige Aktivitäten anstehen
Reichen Leuten geht es gut, armen Leuten geht es schlecht. Das weiß jeder, und weil es so banal ist, dass es jeder weiß, haben wir uns abgewöhnt, darüber nachzudenken. So ist es eben. Aber muss es so sein?
Nein, sagt der deutsche Verfassungsgerichtshof, der dieser Tage in einem bahnbrechenden Urteil das "Grundrecht auf Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums" beschworen und damit primär für Kinder eine beträchtliche Erhöhung des so genannten Regelsatzes verlangt hat. Und nein sagt auch ein neues Buch der österreichischen Armutsexperten Martin Schenk und Michaela Moser ("Es reicht! Für alle!" *).
Wer als Kind arm ist, sagen alle internationalen Studien, bleibt auch als Erwachsener arm. Und um ein Kind einigermaßen vernünftig zu ernähren und zu erziehen, braucht man, so hat es der deutsche Wohlfahrtsverband ausgerechnet, je nach Alter zwischen 250 und 320 Euro im Monat. Das ist um gute 20 Prozent mehr als der geltende Hartz-IV-Satz in Deutschland und rund doppelt so viel wie vom österreichischen Mindestsicherungs-Plan vorgesehen. Derzeit leben in Österreich rund 250.000 Kinder in armutsgefährdeten Haushalten, 90.000 sind "manifest arm" .
Was das heißt? In der Wohnung ist es kalt, zu kalt zum Aufgabenmachen daheim. Arme Kinder sind bedeutend öfter krank als Normalverdiener-Kinder. Die Eltern können sich die nötigen Schulsachen nicht leisten, immerhin kostet eine bescheidene Schulstart-Ausrüstung an die 200 Euro. Noch viel weniger reicht das Geld für die vielen Extraausgaben für Ausflüge, Kopiergeld, Schulveranstaltungen. Weil es in unserer Gesellschaft peinlich ist, Armut zuzugeben, werden Kinder auch oft krank gemeldet, wenn kostenpflichtige Aktivitäten anstehen. Schnell sind sie im täglichen Schulbetrieb "out" .
Die Folge: Viel zu viele durchaus normalbegabte Jugendliche, vor allem Migrantenkinder, verlassen die Schule ohne Hauptschulabschluss und sind damit sichere Kandidaten für spätere Arbeitslosigkeit. Ein Teufelskreis schließt sich.
Armutsbekämpfung kostet Geld, das ist klar. Aber Geld ist nicht alles. Schenk und Moser weisen mit einem beeindruckenden Arsenal von Zahlen und Fakten nach, dass ein Mix von Maßnahmen nötig ist, um der Geißel Armut entgegenzuwirken. An der Spitze steht ein reformiertes Bildungssystem, das soziale Aufstiegschancen unabhängig von sozialer Herkunft ermöglicht, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Eltern, eine höhere Frauenerwerbsquote, existenzsichernde Löhne vor allem für Frauen, eine bessere Förderung für Zuwanderer.
Alles längst bekannt? Alles in zahllosen Studien dokumentiert und belegt, bis zum Überdruss von allen Experten gebetsmühlenartig wiederholt? Ja, ja, ja. Aber wieso bringen wir es trotzdem nicht fertig, wenigstens die vorzeitige Selektion der Zehnjährigen im Schulsystem abzustellen? Wir haben Geld für sinnlose Eurofighter, für einen weitgehend sinnlosen Grenzeinsatz des Bundesheeres, für eine überbordende Parteienförderung und sündteure Föderalismus-Exzesse. Aber den Skandal Armut zu bekämpfen - das schaffen wir nicht. (Barbara Coudenhove-Kalergi, DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2010)
schon mehr als 200.000 österreicherInnen arbeiten vollzeit und sind doch niedriglohnempfängerInnen, besonder betroffen frauen.
eine studie aus salzburg, für das bundesland salzburg, zeigt auf eindrückliche weise trends auf, die unbekämpft in eine strukturelle armut führen.
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das internet als ort der begegnung für veränderung und änderung von politischen entscheidungswegen bietet immer mehr möglichkeiten. diese werden auch immer stärker wahrgenommen und zeigen, dass unsere eigene initiative auf das richtige medium setzt. der schwarm birgt die kraft für intelligente lösungen für die probleme unserer zeit. es geht um lösungsorientiertes handeln abseits gängiger ideologischer denkmuster. wobei man deutlich sieht, dass begriffe wie gemeinschaft, miteinander, fairness, solidarität oder nachhaltigkeit die dominierenden antriebe sind.
anbei ein link zu einer interessanten plattform, die sich die verbesserung der welt zum ziel gesetzt hat, zudem ein artikel aus dem spiegel, der sich dieser plattform widmet.
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Fünf Milliarden in den Händen von zehn Leuten: Eine kleine Oberschicht besitzt den Löwenanteil an Unternehmen
Wien - Es ist ein winziger Kreis mit einem riesigen Vermögen: Zehn Personen besitzen in Österreich Unternehmensbeteiligungen in der Höhe von insgesamt fünf Milliarden Euro. Das ist ein Viertel des Werts aller Firmen, die als GmbH organisiert sind.
Diese Zahlen stammen aus einer brandneuen Studie der Österreichischen Nationalbank. Immer wieder nimmt das Institut die Vermögensverteilung unter die Lupe - und liefert damit Unterfutter für eine schwelende politische Debatte. Der Streit um höhere Steuern auf Vermögen dreht sich vor allem um die Frage, wer diese denn bezahlen müsste. Bluten werde die breite Masse, behaupten die Gegner. Kanzler Werner Faymann sagte unlängst im Standard-Interview: "Der Mittelschicht drohe ich nicht mit neuen Steuern."
Konzentriertes Vermögen
Die Daten der Nationalbank - sie stammen aus dem Jahr 2005 - stützen diese These nicht. Studien hatten sich bereits Aktien, Immobilien und Geldvermögen gewidmet, nun nahmen sich die Forscher Michael Andreasch, Pirmin Fessler und Martin Schürz Unternehmensbeteiligungen an GmbHs an. Kernergebnis der Untersuchung, bei der das Nominalkapital und - so vorhanden - die Rücklagen analysiert wurden:Das Beteiligungsvermögen ist noch viel stärker auf eine kleine Oberschicht konzentriert als in den anderen Bereichen.
Lediglich 64 Prozent aller Unternehmen in Österreich sind GmbHs, doch diese vereinen 90 Prozent des gesamten Eigenkapitals (Banken und andere Finanzinstitute ausgenommen). Beteiligungen daran halten nur drei Prozent der privaten Haushalte. Der Gesamtwert dieses Vermögens beträgt 18,6 Milliarden Euro.
Innerhalb dieser exklusiven Gruppe ist der Besitz noch einmal äußerst ungleich verteilt. Die obersten zehn Prozent nennen mit 17,1 Milliarden Euro 92 Prozent des Gesamtvermögens ihr Eigen. Das Top-Tausendstel kommt immer noch auf 39 Prozent, das reichste Zehntausendstel auf ein Viertel. Macht bei rund 100.000 Anteilseignern fünf Milliarden in den Händen von zehn Leuten.
Im Durchschnitt sind die Beteiligungen einer Person 176.000 Euro wert, doch 60 Prozent besitzen weniger als 10.000 Euro. Ein Fünftel verfügt hingegen über ein Eigentum von über 100.000 Euro, rund fünf Prozent halten Anteile mit einem Wert von mehr als einer halben Million. Zum Vergleich: Die Gewerkschaft der Privatangestellten, die ein ausgeklügeltes Modell für allgemeine Vermögenssteuern vorgestellt hat, würde den Fiskus erst ab einem Vermögen von 500.000 Euro zuschlagen lassen. Die radikaleren Grünen räumen eine Freigrenze von 100.000 Euro ein, die immer noch mehr als die Hälfte der Unternehmensbesitzer aus der Pflicht entließe - sofern sie keine sonstigen Werte haben.
Auch zum Vermögen der umstrittenen, weil steuerlich begünstigten Privatstiftungen liefert die Nationalbank Daten: Im Durchschnitt hält eine derartige Einrichtung GmbH-Anteile von 6,4 Millionen Euro, das Gesamtvolumen beträgt 9,2 Milliarden Euro. Rund 70 Prozent der Stiftungen kommen auf einen Wert von über 100.000 Euro, 40 Prozent auf über eine Million, 20 Prozent auf mehr als fünf Millionen Euro.
Viele Mehrfachbesitzer
Nicht nur die Privatstiftungen besitzen freilich in der Regel weiteres, anderwärtig angelegtes Vermögen, auch die an Unternehmen beteiligten Einzelpersonen sind oft Mehrfachbesitzer.
Indem sie ihre alten Erhebungen mit den neuen Daten verknüpften, belegen die Nationalbank-Experten das Naheliegende: Wer Firmenanteile sein Eigen nennt, verfügt auch über ein höheres Haushaltseinkommen, besitzt häufiger Wertpapiere und die eine oder andere Immobilie. (Gerald John, DER STANDARD, Printausgabe, 13.1.2010)
Wissen: Rund 420 Milliarden Euro beträgt das private Geldvermögen in Österreich laut gesamtwirtschaftlicher Finanzierungsrechnung. In einer früheren, aufwändig angelegten Umfrage hat die Nationalbank erhoben, wie diese riesige Summe - die auch die Unternehmensbeteiligungen inkludiert - insgesamt verteilt ist.
Das oberste Prozent hält demnach 27 Prozent des gesamten Geldvermögens, das Top-Zehntel verbucht über die Hälfte, das reichste Drittel vier Fünftel. Das schlägt sich auch in der Verbreitung von Wertpapieren, in denen das Geld mitunter angelegt ist, nieder: Je höher Einkommen und Vermögen, desto eher hält jemand Aktien.
Ein ähnliches Bild bietet sich bei den Immobilien: Die obersten zehn Prozent besitzen über 60 Prozent des in Wohnungen, Häusern und anderen Objekten angelegten Vermögens.


