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in den 70iger dessen kind ich bin, war ja schon einmal nachhaltig vom schwedischen modell die rede. die volksanwälte sind uns geblieben, der zeitgeist ging verloren.

am dringlichsten erscheint mir das für das bildungssystem zu gelten. wir sind mit deutschland die letzten beiden länder, die schon mit 10 jahren nach sogenannten "fähigkeiten" aussortieren. 
kein von vernunft geleiteter mensch kann einen wirklichen vorteil am österreichischen bildungssystem erkennen. damit wir uns richtig verstehen, natürlich werden jene schülerinnen und schüler, die das privileg besitzen in eine ahs zu gehen und anschließend studieren dürfen, gut ausgebildet, vor allem dann wenn es sich eltern leisten können, mögliche defizite mittels nachhilfe zu korregieren, doch das gilt ja nur für einen kleinen teil aller unserer kinder.

zu diesem thema ein lesenswerter kommentar von karl heinz gruber

 

Schwedische Lektionen

Weil es in unserer Gesellschaft peinlich ist, Armut zuzugeben, werden Kinder oft krank gemeldet, wenn kostenpflichtige Aktivitäten anstehen

Reichen Leuten geht es gut, armen Leuten geht es schlecht. Das weiß jeder, und weil es so banal ist, dass es jeder weiß, haben wir uns abgewöhnt, darüber nachzudenken. So ist es eben. Aber muss es so sein?

Nein, sagt der deutsche Verfassungsgerichtshof, der dieser Tage in einem bahnbrechenden Urteil das "Grundrecht auf Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums" beschworen und damit primär für Kinder eine beträchtliche Erhöhung des so genannten Regelsatzes verlangt hat. Und nein sagt auch ein neues Buch der österreichischen Armutsexperten Martin Schenk und Michaela Moser ("Es reicht! Für alle!" *).

Wer als Kind arm ist, sagen alle internationalen Studien, bleibt auch als Erwachsener arm. Und um ein Kind einigermaßen vernünftig zu ernähren und zu erziehen, braucht man, so hat es der deutsche Wohlfahrtsverband ausgerechnet, je nach Alter zwischen 250 und 320 Euro im Monat. Das ist um gute 20 Prozent mehr als der geltende Hartz-IV-Satz in Deutschland und rund doppelt so viel wie vom österreichischen Mindestsicherungs-Plan vorgesehen. Derzeit leben in Österreich rund 250.000 Kinder in armutsgefährdeten Haushalten, 90.000 sind "manifest arm" .

Was das heißt? In der Wohnung ist es kalt, zu kalt zum Aufgabenmachen daheim. Arme Kinder sind bedeutend öfter krank als Normalverdiener-Kinder. Die Eltern können sich die nötigen Schulsachen nicht leisten, immerhin kostet eine bescheidene Schulstart-Ausrüstung an die 200 Euro. Noch viel weniger reicht das Geld für die vielen Extraausgaben für Ausflüge, Kopiergeld, Schulveranstaltungen. Weil es in unserer Gesellschaft peinlich ist, Armut zuzugeben, werden Kinder auch oft krank gemeldet, wenn kostenpflichtige Aktivitäten anstehen. Schnell sind sie im täglichen Schulbetrieb "out" .

Die Folge: Viel zu viele durchaus normalbegabte Jugendliche, vor allem Migrantenkinder, verlassen die Schule ohne Hauptschulabschluss und sind damit sichere Kandidaten für spätere Arbeitslosigkeit. Ein Teufelskreis schließt sich.

Armutsbekämpfung kostet Geld, das ist klar. Aber Geld ist nicht alles. Schenk und Moser weisen mit einem beeindruckenden Arsenal von Zahlen und Fakten nach, dass ein Mix von Maßnahmen nötig ist, um der Geißel Armut entgegenzuwirken. An der Spitze steht ein reformiertes Bildungssystem, das soziale Aufstiegschancen unabhängig von sozialer Herkunft ermöglicht, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Eltern, eine höhere Frauenerwerbsquote, existenzsichernde Löhne vor allem für Frauen, eine bessere Förderung für Zuwanderer.

Alles längst bekannt? Alles in zahllosen Studien dokumentiert und belegt, bis zum Überdruss von allen Experten gebetsmühlenartig wiederholt? Ja, ja, ja. Aber wieso bringen wir es trotzdem nicht fertig, wenigstens die vorzeitige Selektion der Zehnjährigen im Schulsystem abzustellen? Wir haben Geld für sinnlose Eurofighter, für einen weitgehend sinnlosen Grenzeinsatz des Bundesheeres, für eine überbordende Parteienförderung und sündteure Föderalismus-Exzesse. Aber den Skandal Armut zu bekämpfen - das schaffen wir nicht.  (Barbara Coudenhove-Kalergi, DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2010)

der in wien ansässige verein educult hat ein tolles projekt initiert, auf das ich hier nur all zu gerne hinweisen möchte.

es nennt sich selbst flapsig "Sag´s multi".

die bildungsrefrom stockt, wichtige umsetzungspläne oder konkretes für ein modernes bildungssystem gibt es nicht zu vermelden. die hauptschulen werden in neue mittelschulen umbenannt, das dürfen jedoch auch nur maximal 10% aller schulen eines bundeslandes, die ganztagsbetreuung scheitert oft an schlechten räumlichen bedingungen, noch immer werden jahr für jahr millionen von euros in nachhilfe ausgegeben, wodurch die bildungschancen für kinder aus sozial schwachen familien sinken, doch das bildungsministerium startet eine breit angelegte und somit teure bildungskampagne, deren inhalt sich mir nicht erschließt. 
was wird hier abgefeiert? welche verbesserungen? welche reformen? welche zukünftigen koalitionen sollen hier geschmiedet werden? 
die sujets zeigen durchwegs glückliche kinder, als wäre alles eitel wonne. 
bleibt die nun gegenderte nationalhymne, ach sind wir froh.

"Heimat bist du großer Söhne und Töchter"

was berlin kann, sollte österreich auch können oder?

das österreichische schulsystem ist antiquiert und wird in dieser form auch nur noch in deutschland und der schweiz praktiziert. nur zyniker können behaupten, der rest der welt ist zu dumm, um zu erkennen, dass wir das bessere schulsystem hätten.

Nach 35 Jahren Siechtum wird in Berlin die Hauptschule abgeschafft– endlich!

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