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25.11.2016

Workshop am 25. November 2016 - Wie geht Crowd-Funding?

Foto: Bank für Gemeinwohl

Ein Workshop von respekt.net und der Projekt Bank für Gemeinwohl.

Crowdfunding ist ein erfolgreiches Finanzierungsmodell für gemeinnützige Projekte, Organisationen und Firmen.

In diesem Workshop erfahren Sie, wie Sie diese Finanzierungsform erfolgreich einsetzen können:

  • Welche Arten von Crowdfunding gibt es?
  • Wie funktioniert der Ablauf eines solchen Crowdfunding-Projekts?
  • Wie kommen Sie von Ihrer Projektidee zu einem Finanzierungskonzept?
  • Welche Materialien und Berichte müssen Sie wann produzieren und wie promoten und bewerben Sie Ihr Projekt?

All diese Fragen – und noch mehr – werden in diesem Workshop beantwortet. In praktischen Übungen schärfen Sie Ihre Projektidee und erstellen einen ersten Teasertext für Ihre Fundingseite. Ein Praxisvortrag von Mag. Clemens Ragl, einem erfolgreichen Crowdfunder, zum Thema Crowdfunding-Erfolgsfaktoren rundet das Programm ab.

Zielgruppe: Personen oder Vereine, die planen, im nächsten Jahr ein Projekt über Crowdfunding zu finanzieren.

Der Workshop von Lena Doppel, Präsidentin des Vereins Respekt.net geleitet.

Ablauf:

  • Beginn 10.00 Uhr
  • Begrüßung, Vorstellung Bank für Gemeinwohl und Respekt.net
  • Erwartungsrunde
  • Wie funktioniert Crowdfunding und welche Arten von Crowdfunding gibt es?
  • Projektphasen, Projektmaterialien und -dokumente im Prozess
  • Eigene Projektidee: Von der Idee zum Konzept, USP finden
  • Mittagspause 12:30-14.00 Uhr
  • Textübung: Teasertext für die Fundingseite
  • Dos and dont’s Marketing und Promotion
  • Beispielprojekt: Gastvortag von Mag. Clemens Ragl.,  Projektinitiator bei Respekt.net und  BfG-Genossenschafter
  • Abschlussrunde, Ausblick weitere Unterstützungsangebote
  • Ende 18.00 Uhr

Termin:

Freitag, 25. November 2016 - 10:00 – 18:00

Adresse: Bank für Gemeinwohl, Rechte Wienzeile 81, 1050 Wien       

Kosten:
Teilnahmegebühr € 120.-
Teilnahmegebühr für Aktive + Genossenschafter-innen € 90.-
Anmeldung bitte direkt bei der Bank für Gemeinwohl unter akademie@mitgründen.at   

Website: https://www.mitgruenden.at

Eine Nachricht von einem unserer engagierten ProjektinitiatorInnen:

Hr. Ernst Ranftl vom Projekt "Creaktiv braucht Platz" schreibt uns...

 

Betonmauer um Sozialviertel im nordrumänischen Baia Mare sorgt für Kontroverse!

 

Nachdem in Baia Mare am Donnerstag die Bauarbeiten für eine Mauer begonnen haben, die einen Bogen um mehrere Blocks mit Sozialwohnungen spannen soll, tobt in Rumänien eine Kontroverse - geht es, wie der Bürgermeister Catalin Chereches behauptet - um den Schutz der Kinder, die zu nahe an einer befahrenen Straße spielen, oder - wie mehrere NGOs, aber auch eine staatliche Behörde meinen - um den Bau einer Ghetto-Mauer für Roma, die in den Blocks wohnen? 

Laut Baugenehmigung ist die 1,80 m hohe und 89 m lange Mauer keine Umschließung, sondern verläuft entlang der Straße. Bürgermeister Chereches sagte, er wolle dort auch eine Videoüberwachungsanlage und eine Polizeistation einrichten, um Bewohner zu evakuieren, die Hygienemaßnahmen missachten. Mehrere NGOs, darunter Romani Criss, Gleiche Chancen und Amnesty International meinen in einem offenen Brief, dass der Bau der Mauer für die Roma "ghettoisierend und entwürdigend wirkt". Die staatliche Antidiskriminierungsbehörde CNCD ermittelt nun von Amts wegen. Behördenleiter Csaba Astalos erklärte, man werde einen Baustopp verlangen.

 

Wenn Sie dazu etwas zu sagen haben...

Hier die Seite des verantwortlichen Bürgermeisters: www.catalinchereches.ro


und seine Facebookseite:
www.facebook.com/profile.php

 

LG

Computer für AsylwerberInnen in Vorarlberg

Teilhabe für AsylwerberInnen

Der Verein "Kultur 10 Vorne" stellt AsylwerberInnen, welche in Österreich keiner Arbeit nachgehen dürfen, Werkzeug und Räumlichkeiten zur Verfügung, damit sie ihre Zeit gestalten können. In den Vereinsräumlichkeiten werden 3 Computerplätze mit gratis Internetzugang und Sprachlernprogramm eingerichtet.

Mit dem Projekt wird eine Lücke der öffentlichen Betreuung in Vorarlberg geschlossen. Das Projekt Teilhabe für AsylwerberInnen braucht noch 1997 Euro.

Machen Sie mit beim Projekt-Endspurt und finanzieren wir gemeinsam diese drei Projekte bis zum 4. Juli 2011 Vielen Dank für Ihr Engagement!

Ausgleich zum Schulalltag am Bauernhof

Eine sozialpädagogische Schule am Bauernhof
Im Rahmen dieses Projektes erfahren SchülerInnen auf eine ganzheitliche Art und Weise den sorgsamen Umgang mit Tieren. Die Kinder werden aktiv in die verschiedensten auf dem Bauernhof anfallenden Arbeiten eingebunden und können diese Tätigkeiten - gemäß ihrem Alter - immer selbstständiger und eigenverantwortlicher ausführen.

Setzen Sie ein Zeichen in dem Sie dieses Projekt unterstützen: Es fehlen nur noch 1.900 Euro für die sozialpädagogische Schule am Bauernhof.

 

Machen Sie mit bei diesem Aufruf und finanzieren wir gemeinsam diese Projekte bis zum 25. April 2011. Vielen Dank für das tatkräftige Anpacken!

Transparenzdatenbank für die Politik

Meine Abgeordneten
Wofür stehen Österreichs Politikerinnen und Politiker eigentlich? Wofür - und für wen - engagieren sie sich, und vor allem: Warum? Die Internet-Plattform "meineabgeordneten.at" bietet aus öffentlichen Quellen eine Transparenzdatenbank für die österreichische Politik. Diese Transparenz beugt Korruption vor.

Setzen Sie ein Zeichen in dem Sie dieses Projekt unterstützen: Es wird damit eine Lücke der öffentlichen Information unseres Landes gefüllt. Meine Abgeordneten braucht die finanzielle Kraft vieler Userinnen und User, weil noch 13.384 Euro zur Umsetzung fehlen.

Machen Sie mit beim Projekt-Endspurt und finanzieren wir gemeinsam diese drei Projekte bis zum 23. Mai 2011 Vielen Dank für Ihr Engagement!

Die Themenvielfalt der Projekte auf Respekt.net ist breit, die Anzahl der Projekte wird immer größer. Uns interessiert nun, welche Projekte Ihr im Jahr 2011 auf Respekt.net sehen möchtet! Welche Themen sind Euch wichtig, welche Bereiche sollten die Politik im nächsten Jahr domninieren, wo ist dringender Handlungsbedarf?

Macht mit bei der aktuellen Facebook-Umfrage und diskutiert mit uns!

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Wo siehst Du 2011 den dringendsten Handlungsbedarf in der österreichischen Politik?

8.:Oder doch was Anderes?

 

Wer keinen Facebook Account hat, postet einfach hier sein "Lieblingsthema".

BON VOYAGE“ - ein ungewöhnliches Quartett auf musikalischer Reise um die Welt

Sonntag, 21. November, 19.30, Konzerthaus, Schubertsaal

Musiker: Sebastian Gürtler (Geige), Michael Williams (Cello), Tommaso Huber (Akkordeon), Gerhard Muthspiel (Kontrabass)

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„Bon voyage“ gilt als Amarcord’s „Best Of“ und spiegelt die Entwicklung aus 10 Jahren erfolgreicher Zusammenarbeit der vier Musiker wider. Die äußeren Stationen der Reise: Brasilien, Venezuela, Argentinien, Russland, Bosnien, Frankreich. Unter den Komponisten Erik Satie, Modest Mussorgskij, Dimitri Schostakowitsch, Antonio Carlos Jobim, Astor Piazolla. Die inneren Stationen: Geschichten, Sehnsüchte und Träume, die es in all dieser Musik zu entdecken gilt. Lebenshaltungen aus verschiedenen Regionen dieser Welt, durch Musik zum Ausdruck gebracht.

Amarcord ist es ein Anliegen, Menschen, die in unserer Gesellschaft wenig Chancen und keine Stimme haben, Aufmerksamkeit zu schenken. Wir benötigen Ihre dringende Unterstützung für ein volles Haus und einen gelung-enen Abend für alle beteiligten Seiten und freuen uns, wenn Sie sich Zeit nehmen können. Gerne auch weiterleiten an Freunde, Bekannte, Kollegen!! 

Der Reinerlös der Veranstaltung geht an den Verein lobby.16, der minderjährige und junge erwachsene Flüchtlinge, die ohne Eltern in Österreich sind, bei Bildung, Ausbildung und Berufsbildung unterstützt.

 

Kartenverkauf über Internet: 

http://konzerthaus.at

bzw. direkt an den Konzerthauskassen

Infos zu Amarcord Wien:

www.amarcord.at

Infos zu lobby.16:

www.lobby16.org

 

Wir bedanken uns herzlich für Ihre Unterstützung!! 

Veronika Krainz, lobby.16

Die Vienna International School spendet den Erlös ihrer heute stattfindenden Fashiongala dem Projekt ALLTAG-RASSISMUS - einer interaktiven Wanderausstellung über Fremdenfeindlichkeit in Österreich.

Vienna International School, Straße der Menschenrechte 1, 1220 Wien. „Fashion Gala“ der VIS am Dienstag, 7.12. um 19:00 Uhr

Die Schüler_innen der Vienna International School wurden über die Plattform www.respekt.net auf das Jugendbildungsangebot ALLTAG-RASSISMUS aufmerksam und werden den Erlös ihrer Veranstaltung diesem Projekt zu Gute kommen lassen. Es wurde deshalb ausgewählt, weil 90% der Schüler_innen der VIS aus dem Ausland aus der ganzen Welt kommen und selbst schon oft Fremdenfeindlichkeit in Österreich erleben mussten.

Die Fotoausstellung ALLTAG-RASSISMUS wurde unter großer Beteiligung Jugendlicher erstellt.

Die Betrachter_innen werden mit Auswüchsen von Rassismus und Betätigungen in nationalsozialistischem Sinne konfrontiert und mit Hintergrundwissen ausgestattet. Der Besuch dieser Ausstellung soll für Ausgrenzung und Verhetzung sensibilisieren und fordert dazu auf, mündige, aufmerksame und kritische Menschen zu sein.

ALLTAG-RASSISMUS ist Einladung und Aufruf zu mehr Zivilcourage!

Das Projekt wird gemeinsam mit der Plattform Respekt.net im Rahmen der Fashon Gala vorgestellt. Alle Infos, die komplette interaktive Ausstellung und Möglichkeiten zur Beteiligung auf www.alltag-rassismus.at

Für mehr Infos kontaktieren Sie bitte Ralf Müller unter Tel.: 0699 1037 4901 oder Christoph Fischer unter 0650/270 6979.

 

 

eines meiner lieblingsthemen "wie führt man den bürger an die politik ran?" bzw. "wie schafft die politk wieder eine verbindung zur bevölkerung?"

neue medien, das internet im speziellen, bieten sich natürlich an, doch wie heißt es so schön? politk ist das bohren von harten brettern und das budget ist in zahlen gegossene politik.

in zeiten von sparpakten und damit einhergehend schrumpfenden budgets wäre also eine kombination aus bürgerbeteiligung und budgeterstellung eine interessante herausforderung.

im brandeins 11/2010 bin ich über den sogenannten bürgerhaushalt gestolpert (artikel im anschluss). ich war fasziniert. gehört hatte ich davor leider noch nie.
es scheint auch so zu sein, dass es in deutschland (http://www.buergerhaushalt.org/) schon an die 67 städte und gemeinden gibt, die das probieren, aber österreich ist nicht nur bei pisa eher klassenletzter.

ein neues interessantes projekt in österreich habe ich hier gefunden: http://politik-digital.de/Buergerbeteiligung-Verwaltung-E-Democracy
eigentlich schade, dass man eher durch zufall über solche projekte stolpert.


nun zum schon erwähnten artikel:

Zwischen dem Volk und seinen Vertretern gibt es einen großen Graben.

Eine Möglichkeit, ihn zu überwinden, ist der Bürgerhaushalt: Bürger und Politiker entscheiden gemeinsam übers Geld. Hier drei Kommunen, die vormachen, wie das geht.

- Diese Geschichte beginnt mit einem großen Gelächter. Und mit einem, der nicht mitlacht. Ein Saal voller Kommunalpolitiker und Verwaltungsmenschen. Vorn steht ein Professor, der ihnen Abenteuerliches erzählt: "Ich will mit Ihnen darüber reden, wie Sie Ihre Bürger am Haushalt beteiligen, bevor Sie ihn beschließen", sagt der wunderliche Mann. "Bürgerhaushalt" nennt er das. Da bricht das Gelächter aus. Der ist doch irre, sagen die Leute. Doch Christian Flöter hört dem Professor lieber zu und denkt nach. Dann fährt der Magistrat nach Hause in sein Renaissance-Rathaus im hessischen Groß-Umstadt. Er geht zum Bürgermeister und erzählt ihm von der Idee. Und weil der ein aufgeschlossener Mann ist, sagt er: Mach mal, vielleicht kommt dabei ja was raus.

Heute, zwölf Jahre später, gilt das Städtchen wegen seines Bürgerhaushalts als vorbildlich. Kommunalpolitiker und Verwaltungsleute lachen schon lange nicht mehr über das Konzept und laden Christian Flöter zu sich ein, damit er ihnen erklärt, wie sie das nur gemacht haben in Groß-Umstadt.

Denn was damals abwegig erschien, ist in wenigen Jahren ein Trend geworden: Überall in Deutschland gibt es mittlerweile Bürgerhaushalte; rund 160 Kommunen haben sie eingeführt oder diskutieren darüber. Die Grundidee: Die Bürger machen nicht nur bei der Kommunalwahl ihr Kreuzchen, sondern reden kontinuierlich mit - und zwar übers Geld. Es geht dabei nicht darum, den gewählten Volksvertretern ihre Entscheidungsgewalt wegzunehmen und in die Hände von Laien zu legen. Es geht um gute Ideen und um kleine Projekte.

Und vor allem geht es darum, miteinander zu sprechen: Wenn er richtig angegangen wird, bringt der Bürgerhaushalt die zusammen, die allzu oft fremdeln, obwohl sie doch so sehr aufeinander angewiesen sind - die Bürger und ihre Repräsentanten. Dann wagen sich Politiker aus der Deckung, und notorische Dauernörgler werden zu aktiven Mitmachbürgern. Eine Gemeinde wird eine Gemeinschaft und ein kompliziertes Zahlenwerk zu einem gemeinsamen Projekt.

Groß-Umstadt liegt auf der Grenze zwischen Odenwald und Frankfurter Speckgürtel. 20 000 Einwohner, Weinberge, schmucke Fachwerkhäuschen in engen Gassen. Jeder Vierte pendelt von hier aus zur Arbeit nach Frankfurt, Darmstadt, Aschaffenburg. Etat in den vergangenen Jahren: meist knapp über 30 Millionen Euro. Was der Bürgerhaushalt hier bewirkt hat, kann man an zwei Männern sehen. Auf der einen Seite der Kämmerer, der seinen Bürgern erklärt, wie der Haushalt funktioniert, auf der anderen ein Förster, der plötzlich Lokalpolitik macht. Es ist die Geschichte einer Annäherung.

Wilhelm Schäfer, den alle nur Willi nennen, ist für die ausgedehnten Wälder rund um die Stadt zuständig. Ein großer Mann mit wettergegerbtem Gesicht, Funktionskleidung und leiser Stimme. Auf den langen Waldwegen grüßt er jeden Spaziergänger persönlich; er ist hier seit 1983 Förster. Schäfer interessiert sich eigentlich nicht für Politik und Zahlen. Seine Welt ist der Wald. "Groß-Umstädter Toskana" nennt er die sanft geschwungenen Hügel liebevoll. Er will hier nicht nur Bäume fällen und pflanzen, sondern auch den Menschen den Wald nahebringen. Da kam es ihm gerade recht, dass mitten in seiner Toskana eine ungenutzte Waldarbeiterhütte stand.

Ein Waldklassenzimmer. Ein Ort, an dem der Mangel Konzept ist und Naturerfahrung das höchste Ziel. Schäfer schrieb zwei Seiten über seine Idee, dazu machte er ein paar Skizzen. Damit ging er im Februar 2008 zur "Tag des Bürgers" genannten jährlichen Hauptveranstaltung des Bürgerhaushalts. Im Plenum erzählte er von seiner Idee. Und weil den Groß-Umstädtern ihr Wald etwas bedeutet, waren sie angetan. Die Verwaltung prüfte das Konzept, und als gut drei Wochen später der Stadtrat seinen Haushalt verabschiedete, stand dort im Investitionsprogramm des Fachbereiches 5 Planen, Bauen Umwelt, Budget 14, Gebäudemanagement: "Ausbau Schutzhütte Rödelshäuschen: 20 000 Euro Investitionsmittel der Stadt." Die Idee des Försters war zu einer Zahl im Haushalt geworden. Im nächsten Frühjahr kamen die ersten Schulklassen und Besuchergruppen. Es ist das Verdienst des Bürgerhaushalts, das Engagement von Leuten wie Schäfer politisch wirksam zu machen.

Auf der anderen Seite ist da Herbert Schösser. Er ist seit 38 Jahren Kämmerer in Groß-Umstadt. Ein energischer Mann mit grauen Haaren, leger aufgeknöpftem Hemd und braun gebranntem Gesicht. Er ist derjenige, der ausbaden musste, was sich der Flöter damals in den Kopf gesetzt hatte. Als Flöter zu ihm kam und von seinen Bürgerhaushaltsplänen erzählte, dachte Schösser nur: Was soll das denn?

Man kann das verstehen, wenn man um die Einsamkeit eines Kämmerers weiß: Er muss in Zahlen übersetzen, was die Politik beschließt. Er muss den Haushalt ausgeglichen halten und ist im Zweifelsfall der Schuldige, wenn Geld für schöne Projekte fehlt. Was genau er da macht, versteht aber kaum jemand. "Auch die Ratsmitglieder nicht", sagt Schösser. Der Kämmerer ist mächtig, aber unverstanden.

Die Leute engagieren sich gern. Wenn man sie ernst nimmt

Als er sich - anfangs eher widerwillig - an den Bürgerhaushalts-Auftrag setzte, machte Schösser bald eine befreiende Erfahrung. Auf eine 17-seitige Broschüre hatte er den Haushalt destilliert, "Es geht um Ihr Geld!" stand groß vorne drauf, verteilt wurde sie an alle Einwohner. Dann trat der Kämmerer beim ersten "Tag des Bürgers" vor diejenigen, deren Geld er verwaltet. "Es war geradezu eine Erleichterung, das alles endlich mal erklären zu können", erinnert er sich. Seitdem ist er weniger allein mit seinen Zahlen -und ein Fan des Bürgerhaushalts.

Jedes Jahr erstellt er jetzt eine Broschüre zum Haushalt, und jedes Jahr lädt die Stadtspitze ihre Bürger ein. Immer an einem Samstag vor der Verabschiedung des Haushalts treffen sie sich, ein- bis zweihundert Leute kommen dann, und jedes Jahr gibt es mehrere Dutzend Vorschläge wie die des Försters, die dann, so sagen die Verantwortlichen, zu 80 Prozent auch tatsächlich umgesetzt werden. Mal geht es um Verkehrsinseln, mal um die Nutzung leer stehender Gebäude, mal um einen Recyclinghof.

Die Ideen der Groß-Umstädter sind, wie bei jedem Bürgerhaushalt, für die Stadtverordneten nicht bindend. Rein rechtlich darf allein der Stadtrat über den Etat entscheiden. Schließlich ist er, anders als die Gruppe der engagierten Bürger, demokratisch legitimiert. Die Politiker geben also, zumindest formal, gar keine Macht ab. Sie lassen sich von ihren Bürgern lediglich beraten und unterstützen. Das dient der Sache und dem Klima. Der Politikwissenschaftler Carsten Herzberg spricht daher auch von einem "Bürgerhaushalt der Kontaktpflege".

Denn auch wenn der "Tag des Bürgers" nur einmal im Jahr stattfindet, reden die Groß-Umstädter und ihre Parlamentarier ständig über Geld und Projekte. Seit Jahren gibt es Arbeitsgruppen, die über die Güte des Grundwassers und Verkehrsprobleme diskutieren und sich oft besser auskennen als die eigentlich zuständigen Fachleute. Die Ergebnisse ihrer Arbeit bringen sie in die Politik ein. "Das Wissen der Bürger nutzbar machen", nennt der Bürgermeister Joachim Ruppert das.

So haben Politik und Bürger in der hessischen Kommune wieder zusammengefunden. Schösser: "Keiner kann mehr sagen: Die machen ja eh, was sie wollen." Die Demokratisierung des Etats hilft auch den Profis. Die Stadtverordneten, so Schösser, hätten die Bürgerhaushalt-Broschüre "in der Hosentasche stecken". Und er hofft: "Dann verstehen die auch mal was davon".

In Zeiten, in denen sich Lokalpolitiker gegenseitig schon auf die Schulter klopfen, wenn sich jeder Dritte zur Kommunalwahl aufrafft und sich Volksvertreter und Volk immer mehr entfremden, ist der Bürgerhaushalt mehr als nur eine Modeerscheinung. Für viele Kommunen ist er eine Brücke, die anderswo längst eingestürzt ist. "Im Idealfall aktiviert die Politik viele Bürger, die sich vorher nicht eingebracht haben, und es kommt zu einer neuen Arbeitsteilung", sagt der Politikwissenschaftler Herzberg. Die Kommunalpolitiker kümmerten sich um die Richtungsentscheidungen, verschwendeten ihre Zeit aber nicht damit, "ob man am Horstweg einen neuen Fahrradständer braucht". Dass die beteiligten Laien gleichzeitig ein Gespür für Kosten und Politikabläufe bekommen, sei ein weiterer wichtiger Effekt.

Ein Selbstläufer ist diese Art der Bürgerbeteiligung deshalb noch lange nicht. Wer nicht das nötige Durchhaltevermögen und ein schlüssiges Konzept mitbringt, scheitert. Das kann die Spaltung von Politik und Bürgern sogar noch vertiefen. Zum Beispiel in Wiesbaden. Dort war das Verfahren so teuer und umständlich und die Beteiligung so gering, dass die Stadt am Ende mehr als 70 Euro für jede Meinungsäußerung bezahlt hatte. "Das können wir uns einfach sparen", sagte der örtliche CDU-Finanzexperte dazu nur. Eine Wiederauflage wird es wohl kaum geben. Auch im rheinischen Monheim hat man das Experiment schnell wieder beendet. Der personelle Aufwand stehe in keinem Verhältnis zum Ergebnis, heißt es aus der Verwaltung. Man sei froh gewesen, wenn mal 20 Leute zu den Veranstaltungen kamen.

Es gibt eine Menge Stolpersteine. Doch Fachleute sind sich einig, dass das Verfahren in jeder Kommune zum Erfolg werden kann, wenn drei Dinge beachtet werden: gute Information, dauerhafte Konsultation und verbindliche Rechenschaft. Nur wenn die Leute aus der Zeitung, durch Broschüren oder Mundpropaganda über das Verfahren aufgeklärt werden, kann der Funke überspringen, und zwar nicht nur auf diejenigen, die ohnehin in Vereinen oder Initiativen aktiv sind.

Mal geht's um Basisdemokratie, mal ums Sparen

Nur wenn ihr Rat dauerhaft gefragt ist und sie nach der nächsten Wahl nicht wieder ignoriert werden, bleiben sie bei der Stange. "Alles andere verstärkt die Politikverdrossenheit, anstatt sie zu bekämpfen", sagt Herzberg. Und nur, wenn jeder, der einen Vorschlag eingereicht hat, erfährt, warum gerade der nicht umgesetzt werden kann, endet Engagement nicht als Frust-Erlebnis.

Wenn diese Punkte beherzigt werden, kann die Methode neue Kräfte mobilisieren. So wie einst in Porto Alegre. In der brasilianischen Millionenstadt entstand 1989 der weltweit erste Bürgerhaushalt. Die dortige starke linke Bewegung träumte von einer quasi-sozialistischen direkten Demokratie und richtete zusammen mit der ebenfalls linken Stadtregierung ein einmaliges System ein: Von den einzelnen Wohnvierteln bis hin zur Region gibt es heute auf jeder Ebene Gremien, die Vorschläge erarbeiten, abstimmen, umsetzen. Vor allem die Armen nutzen den Bürgeretat als Waffe im Kampf gegen die eklatante soziale Ungleichheit. Bis heute ist Porto Alegre eine linke Lieblingsgeschichte.

Mit den Modellen in Deutschland hat das herzlich wenig zu tun. "Hier haben sich die Bürgerhaushalte durch die Praxis selbst definiert", sagt Forscher Herzberg. Herausgekommen ist eine bunte Mischung: Im baden-württembergischen Rheinstetten werden die Einwohner per Bürgerhaushalt nach ihrer Zufriedenheit mit öffentlichen Dienstleistungen befragt. Im bankrotten Solingen lassen die Politiker ihre Bürger im Internet über Sparvorschläge abstimmen. Und im thüringischen Städtchen Großbreitenbach sagt die Bürgermeisterin Petra Enders strahlend: "Ich träume von wirklicher Basisdemokratie, und dieser Bürgerhaushalt ist ein erster Schritt dahin."

Vor drei Jahren hat die energische Lokalpolitikerin das Beteiligungsverfahren in der 3000-Einwohner-Gemeinde eingeführt. Seitdem hat das Freibad eine Rutsche bekommen und das leer stehende Herrenhaus neues Leben: Es wird zu einer altersgerechten Wohnanlage umgebaut. An einem Sonntag im September geht das Verfahren mit dem "Tag des Bürgers" in seine dritte Runde. "Ich bin mir sicher, dass wir wieder an die 500 Vorschläge kriegen werden", sagt Enders. Dann beugt sie sich hinunter zu Anna und Nicole, zwei Grundschülerinnen, die sich Fotos von Spielgeräten für den neuen Spielplatz ansehen. Die Bürgermeisterin erklärt ihnen, dass das Geld wegen der knappen Kassen nur für zwei Anschaffungen ausreicht: Die Kinder schreiben "Wackelsteg" und "Schaukel" auf ihre Zettel und werfen sie in die Urne.

In ganz anderen Maßstäben denken die Bürgerhaushälter in Berlin-Lichtenberg. Ihr Modell kommt dem anspruchsvollen Original in Porto Alegre am nächsten. "Bei uns stehen alle freiwilligen Ausgaben zur Diskussion, das sind 30 Millionen Euro", sagt die Bezirks-Bürgermeisterin Christina Emmrich. Die resolute Linken-Politikerin hat in dem rund 260 000 Einwohner starken Ost-Bezirk 2005 den ersten Bürgerhaushalt in einer deutschen Großstadt überhaupt eingeführt.

Der Aufwand dafür ist immens, und deshalb ist das Lichtenberger Modell nicht einfach auf kleinere Kommunen übertragbar. Unter Wissenschaftlern gilt es heute dennoch als eines der ausgefeiltesten, weil die Bürger sich über verschiedene Kanäle Gehör verschaffen können: Bei 15 Stadtteil-Konferenzen diskutieren sie ihre Ideen. Im Internet bewerten sie die Vorschläge. Und an einem Abstimmungstag kann jeder Punkte für seine Lieblingsvorschläge vergeben. 25 000 zufällig ausgewählten Bürgern flattert zusätzlich eine Vorschlagsliste zur Abstimmung ins Haus.

All das soll möglichst viele Leute mobilisieren und das Verfahren repräsentativ und transparent machen. Am Ende erstellen die Bürger eine Prioritätenliste mit ihren wichtigsten Anliegen: neue Bücher für die Bibliothek, ein Bolzplatz, eine Wand für die Sprayer. "95 Prozent davon setzen wir um", sagt Emmrich. In diesem Jahr hat sie zusätzlich sogenannte Kiez-Fonds eingeführt: Jeder Stadtteil erhält 5000 Euro für eilige Projekte.

Fest zugesicherte Geldbeträge und Prioritätenlisten gibt es in den meisten anderen Kommunen nicht. Darum lobt der Forscher Herzberg das Berliner Beispiel als besonders weitgehend, gibt jedoch zu bedenken: "Die 30 Millionen Euro sind nur eine theoretische Größe. Die Bürgervorschläge betreffen nur einen Bruchteil davon." Schließlich bestimmen die Bürger nicht über die gesamte Bibliothek, sondern nur über die Neuanschaffungen.

Was täte sie in Lichtenberg, wenn die Bürger die ganze Bibliothek abschaffen wollten? "Dann schaffen wir sie ab", antwortet die Bürgermeisterin spontan.

Ob Lichtenberg, Groß-Umstadt oder Großbreitenbach - wer sich die erfolgreichen unter den deutschen Bürgerhaushalten ansieht, merkt schnell: Viel hängt von Einzelnen ab, von energischen Bürgermeisterinnen und überzeugten Verwaltungsleuten. Und noch etwas wird schnell klar: Bürgerhaushalte beginnen in Deutschland als "Top-Down-Prozess". Keine Revolution von unten, sondern von oben ermöglichte Basisdemokratie.

Der aktuelle Trend, das vermutet auch Herzberg, liegt aber wohl weniger am demokratischen Gewissen der Lokalpolitiker, sondern an ihren Geldnöten. Sie müssen ihre Bürger von der Notwendigkeit radikaler Einschnitte überzeugen, wenn sie politisch überleben wollen. Das zwingt sie endlich dazu, den Einwohnern den Haushalt und vor allem die Löcher darin verständlich zu machen. Dass davon tatsächlich alle profitieren können, zeigt eine Untersuchung aus der Schweiz: Sie hat bewiesen, dass Kantone, in denen die direkte Demokratie besonders ausgeprägt ist, am sparsamsten wirtschaften.

Diese Erfahrung hat auch der Kämmerer Herbert Schösser in Groß-Umstadt gemacht. Noch immer angenehm überrascht, berichtet er, dass die Bürger vor Jahren für eine Erhöhung der Grundsteuer gestimmt haben. Es ging damals darum, wie die Kosten für Straßensanierungen aufgebracht werden. Die Groß-Umstädter entschieden sich für die solidarische Variante: Alle zahlen gemeinsam.

Die Nagelprobe wartet allerdings noch auf die Bürger und ihren Haushalt. Weil die Steuereinnahmen sehr zurückgegangen sind, fehlen im Doppelhaushalt 2010/2011 vier Millionen Euro. Man hat ihn mit Mitteln ausgeglichen, die für künftige Projekte reserviert waren. Deshalb überlegt der Kämmerer mit seinem Nachfolger, die Bürger nicht nur beim Ausgeben, sondern auch beim Sparen zu befragen. Jetzt muss sich beweisen, ob Bürger, Politik und Verwaltung wirklich an einem Strang ziehen.

Der Kämmerer ist zuversichtlich. "Wir haben sie auch beteiligt, als wir ihnen nichts wegnehmen wollten", sagt er. "Das zahlt sich hoffentlich jetzt aus." -

 

ich war immer der meinung, dass man den erfolg der fpö in österreich nicht gleichsetzen dürfte mit modernisierungsverlierern, mittellosen und schlecht ausgebildeten menschen.
ein interview des magazins cicero mit prof. andreas zick bestärkt mich in meiner ansicht.



Bildung schützt vor 
Torheit nicht
Interview mit Andreas Zick

Fremdenfeindliche Vorurteile nehmen besonders in höheren Einkommensschichten zu, besagt die neueste Studie „Deutsche Zustände“ einer Bielefelder Forschergruppe. Die Studie ist Teil der Langzeitstudie „Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit in Deutschland“ und untersucht seit 2002 mit zehnjähriger Laufzeit die Entwicklungen und Ursachen von Vorurteilen. Professor Andreas Zick, einer der Initiatoren der Studie, spricht im Interview über Islamfeindlichkeit, Integration und die Rolle der Bildung. 

Die von Ihnen herausgebrachte Studie trägt den Untertitel „Unruhige Zeiten“.
Wie unruhig sind die Zeiten wirklich? 

Die Zeiten sind unruhig, da wir weiterhin eine große Anzahl von Menschen haben, die sich von der Krise bedroht und betroffen fühlen. Zweitens sind die Zeiten insofern unruhig, als wir den Anstieg bestimmter Vorurteile feststellen können. Das sind für uns Indikatoren, die signalisieren: Hier in der Gesellschaft stimmt was nicht.

Vor allem in den höheren Einkommensgruppen steigt die „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“. Worauf ist das zurückzuführen? 
Erstens: Menschenfeindlichkeit steigt in höheren Einkommensgruppen. Zweitens: Sie steigt bei denen, die von der Krise bedroht sind. Drittens: Sie steigt in der Mitte und am linken Rand. Das sind die drei erkennbaren Effekte. Generell gilt: Je niedriger mein Status ist, je niedriger meine Bildung ist, umso stärker neige ich zur Abwertung. Aber: In der einkommensstärkeren Gruppe gibt es eben einen deutlichen Anstieg. Das ist ein messbarer Effekt.

Kommt es zu einer Radikalisierung der Mitte? 
Unsere Untersuchungen gehen von einer Grundidee aus: Menschenfeindlichkeit heißt, ich betrachte andere Gruppen als nicht gleichwertig. Dann sehen wir tatsächlich in der Umfrage, dass Menschen, die sich politisch in der Mitte verorten, einen höheren Wert bei Fremdenfeindlichkeit und insbesondere bei der Islamfeindlichkeit aufweisen. Insofern könnte man von einer Radikalisierung sprechen, weil die Menschen in der bürgerlichen Mitte und rechts wie links der Mitte eigentlich die Garanten für Toleranz sind. Gerade dort sind aber deutliche Anstiege festzustellen. Die Zunahme von Vorurteilen muss vor dem Hintergrund der gesellschaftlichen Debatten gesehen werden. Die Diskussion um Hartz IV im Februar 2010 bzw. die große Integrationsdebatte. Diese Debatten spiegeln sich in den Einstellungsmustern wieder. Es gibt in der Mitte Menschen, die Einstellungen aufgreifen, die generell andere Gruppen abwerten.

Ist es nicht eine erstaunliche Erkenntnis, dass sich Ressentiments ausgerechnet in der bürgerlichen Mitte manifestieren, in einer Gesellschaftsschicht, die zuvorderst mit Aufklärung und Bildung in Verbindung gebracht wird? Bedeutet dies im Umkehrschluss, dass Bildung nicht vor Vorurteilen schützt? 
Nein, schützt sie nie. Bei offenen Vorurteilen gibt es zwar starke Bildungseffekte, schaut man aber in den subtilen Bereich der Vorurteile hinein, ergibt sich ein anderes Bild. Mit subtil ist der Bereich der versteckten Vorurteile gemeint, nach dem Prinzip: „Ich hab ja nichts gegen, aber...“ Man wertet die andere Gruppe nicht ab, man spricht ihr aber auch nichts Positives zu.

Bildung scheint ein von allen Seiten gepriesenes Allheilmittel zu sein. Wenn das jetzt nicht mehr hilft, welche Gegenmaßnahmen können dann getroffen werden? 
Der reine Bildungseffekt verschwindet. Wir wissen, dass Bildung per se nicht viel Nutzen bringt. Entscheidend ist die Art der Bildung. Politische Bildung, Demokratiebildung und Erziehung kommen fast gar nicht mehr vor. Wir bauen Bildung immer mehr auf bestimmte Anhäufungen von Wissen auf. Gegen Vorurteile brauchen wir aber vor allem starke Normen. Ich plädiere dafür, dass man sich mit dem Islam kritisch auseinandersetzt. Es muss über Integrationsdefizite gesprochen werden. Aber wir brauchen auch eine Norm die sagt, dass Muslime nicht leichtfertig verdächtigt werden dürfen. 

Islamfeindlichkeit steigt auch links der Mitte. Warum sind derartige Ressentiments auch im linken Spektrum angekommen? 
Auffällig ist, dass die Islamfeindlichkeit bei Menschen, die sich selbst als links bezeichnen, zwischen 2009 und 2010 bedeutsam angestiegen ist. Es scheint so zu sein, dass im linken Spektrum auch die Normen brüchig geworden sind. Dass man zwar meint, man sei tolerant, aber dann leichtfertig Aussagen zustimmt, die ein anderes Bild zeichnen.
Auch Kriseneffekte spielen eine Rolle. Krisenbedrohung kann meine Norm, mich für andere einzusetzen, aushebeln.

Wie islamfeindlich ist Deutschland im europäischen Vergleich? 
Deutschland fällt sehr stark auf, bei den Ressentiments gegenüber Muslimen und dem Islam. Wir haben es nicht geschafft, positive Einstellungen zu entwickeln. Lediglich 17 Prozent meinen, dass der Islam gut zu unserer Kultur passt. Wir haben es nicht geschafft den Islam, die Muslime als einen denkbaren Teil unserer Kultur zu betrachten. Dass dies in Deutschland nicht erreicht wurde, ist sehr auffällig. Ein Faktor in Deutschland ist der deutsche Autoritarismus, der Versuch, Integration durch Regeln und Gesetze zu bewerkstelligen. Wir reden ständig über Integrationsdefizite und nicht über Wege, Integration positiv zu gestalten. Weiter fällt auf, dass die meisten Deutschen in den Umfragen immer noch das Ideal einer homogenen deutschen Gesellschaft haben. Es scheint immer noch nicht angekommen zu sein, dass unsere Gesellschaft vielfältiger ist.

Auch rechtspopulistische Einstellungen nehmen zu. Deutschland bestätigt damit den europäischen Trend: Rechtspopulistische Parteien haben sich in anderen europäischen Staaten wie Frankreich, Niederlande, Schweiz, Italien, Österreich, Ungarn längst im Parteienspektrum etabliert. Ist Deutschland somit auf einem Weg der „Normalisierung“? 
In der Europaumfrage haben wir tatsächlich diese Vermutung gehabt. Deutschland ist, was die Vorurteile betrifft Mittelmaß, sofern es sich nicht um den Islam handelt. Betrachten wir den Rechtspopulismus, zeigt sich eine europäische Harmonisierung. Das liegt aber auch daran, dass die rechtspopulistischen Bewegungen viel miteinander kommunizieren und daher die Grenzen verschwimmen.


Ihre Studie zeigt auch, wie rechtspopulistische Einstellungen sich mit islamfeindlichen Einstellungen verbinden. Sehen sie die Gefahr einer Gruppierung rechts der CDU, die sich etablieren könnte? 
Die Meinungen des rechten Spektrums werden sich irgendwann organisieren. Ich sehe aber keine starke Persönlichkeit, die anfängt, Gruppen bzw. Mentalitäten an sich zu binden. Einen Wilders oder Haider haben wir in Deutschland nicht. Auch Sarrazin ist das nicht. Die berühmten 18 Prozent, die rechtspopulistisch aktivierbar sind, sitzen zum Teil ja auch in den etablierten Parteien, sind also kaum ad hoc mobilisierbar. Aber natürlich schlagen sich rechtspopulistische Einstellungen in den Wahlen nieder. Im Moment drückt es sich dadurch aus, dass immer mehr Leute nicht wählen gehen.

Sagt die Studie auch etwas über Politikverdrossenheit aus? 
Ich glaube ja. Ich sehe eine tatsächlich ernstzunehmende Politikverdrossenheit. Die Kritik an etablierten Parteien ist überaus stark.

Sehen Sie eine Gefahr für die Demokratie, wenn sich Regierende und Regierte immer mehr voneinander entfernen? Oder handelt es sich nicht eher um eine Parteiverdrossenheit? 
Ich glaube, es war eine Parteiverdrossenheit. Sie ist aber gekippt in eine Politikverdrossenheit. Das ist die Folge der Wirtschafts- und Finanzkrise, als erkennbar wurde, wie viel Unterstützung der Staat der Wirtschaft gab. Hier hat sich die Politik ein Stück weit vom Volk entfernt. Das führt dann auch dazu, dass der Bürger sagt, jetzt nehmen wir die Politik wieder in unsere eigenen Hände. Jetzt kommt es darauf an, wie die etablierten Parteien darauf reagieren. Im Moment scheinen die Grünen darauf am besten zu reagieren. Sie holen die Leute in ihrem lokalen Aktivismus ab. Es wird mit Sicherheit auch unter den Konservativen mehr Bürgerbeteiligung geben. Wenn unsere Daten von einer rohen Bürgerlichkeit sprechen, ist es umso wichtiger, sich jetzt nach überstandener Krise zu fragen, auf welche gesellschaftlichen Werte wir uns eigentlich verständigen müssen. Auch und gerade auf Ebene der EU.

Herr Professor Zick, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Timo Stein.

Transparenz ist gut. Aber sie braucht Regeln. Und die Politik muss erkennen, dass Offenheit es leichter macht, ein Land zu regieren.

Lassen wir Julian Assange beiseite, seine Geheimniskrämerei, seine Profilierungssucht. Was bleibt übrig? Eine Idee: Alle Informationen müssen frei zugänglich sein, versteckte aufgedeckt werden. Wenn dann alles offen liegt, können wir endlich diese Welt und ihre Machtstrukturen verstehen und zum Besseren wenden.

Diese Idee muss einem nicht gefallen. Aber die Welt kann nicht mehr ohne sie gedacht werden. Wie also gehen wir mit ihr um?Bislang sind die Antworten darauf höchst unbefriedigend. Die einen argumentieren rückwärts gewandt: Eine Politik, die so lange so gut funktionierte, dürfe nicht gefährdet werden, nur weil irgendwelche Aktivisten die absolute Transparenz als neues Ideal ausrufen. Wer so denkt, fordert Verfolgung und Bestrafung der Wikileaker. Die anderen verfangen sich im fatalistischen Glauben an die Macht der Technik: Was geht, werde auch geschehen, da lasse sich nichts machen. Beide Haltungen sind falsch. Die erste, weil sie sich der Realität verweigert. Die zweite, weil sie ignoriert, dass Menschen durchaus wählen können, wie sie ihr Zusammenleben gestalten wollen.

Statt zwischen solchen Extremen zu schwanken, wäre es sinnvoller, sich daran zu erinnern, welche Erfahrungen es im Umgang mit selbstorganisierenden Netzphänomenen gibt, die sich nicht automatisch in bestehende Strukturen eingliedern. 1998 ging die MusiktauschbörseNapster online. Millionen von Menschen tauschten hier Lieder, ohne sich ums Urheberrecht zu scheren. Die Musikindustrie war schockiert und überzog die Plattform mit Klagen. Schließlich wurde die Seite abgeschaltet. Doch die Idee Napster lebt noch immer. 

Man hätte von Napster lernen sollen. Beispielsweise, dass es nicht klug ist, eine Organisation zu zerschlagen, wenn deren Idee das Potenzial hat, sich zu dezentralisieren und als vielköpfiger Drache weiterzuleben. Besser wäre es gewesen, sich mit den Plattformbetreibern  zu einigen. Denn jede Organisation verfolgt eigene Interessen, Napster ebenso wie Wikileaks. Und Interessen sind verhandelbar.

Der Angriff auf Napster hatte noch einen zweiten Effekt: Viele Nutzer solidarisierten sich mit den vermeintlichen Underdogs. Ähnliches geschieht gerade im Fall Wikileaks. Nicht nur Netzaktivisten, sondern auch viele andere Bürger halten die massive Verurteilung der Gruppe durch (amerikanische) Behörden und Politiker für überzogen. So entsteht Misstrauen in die Politik, die Legitimation geht verloren. 

Aber es gibt einen Weg, der aus dieser Falle herausführt. Die Politik könnte sich darauf besinnen, das Deutschland ein Land ist, das nur wenige echte Geheimnisse hat. Und darauf, dass diese Republik längst gute Erfahrungen mit neuen Formen der Transparenz gemacht hat und schnell bereit ist, weitere zu erproben. Das zeigt das Schlichterverfahren um Stuttgart 21 ebenso, wie die vielen Bürgerhaushalte und Konsultationsverfahren im Netz."Es gibt ein wachsendes Bedürfnis nach Offenheit", sagt Hamburgs oberster Datenschützer und Informationsfreiheitsbeauftragte Johannes Caspar. "Und es ist sinnvoll, seitens der Politik darauf einzugehen. Denn erst so gewinnen politische Projekte an Akzeptanz.“ 

Letztlich wird entlang der Idee von Wikileaks abermals der klassische Diskurs darüber fortgeführt, wie eine Balance herzustellen ist zwischen Transparenz und Geheimnis, zwischen Freiheit und Sicherheit. Dazu gehört die Frage, wie weit die Meinungsfreiheit reichen darf, damit sich auch einzelne Warner gegen etablierte Machtstrukturen behaupten können. Oder wie dagegen die Privatsphäre des Einzelnen zu sichern ist und das Betriebsgeheimnis eines Unternehmens. Vielleicht muss es auch eine Art Datenschutz für den Staat geben?

Ein erster Schritt, diese Debatte fruchtbar zu machen, wäre, Organisationen wie Wikileaks zu fördern, statt sie anzugreifen, damit sie ihren Platz im bestehenden System finden können. Längst geschieht das schon, beispielsweise mit der Seite befreite-dokumente.de des Chaos Computer Club und dem Bürgerrechtsverein Foebud. Die Wikileaks-Aussteiger Daniel Domscheit-Berg und Herberg Snorrason haben gerade einen weiteren Vorschlag gemacht. Ihre neue Plattform Openleaks will Medien, Menschenrechtsgruppen oder Gewerkschaften anbieten, für sie anonyme Briefkästen im Netz einzurichten. Wer dort geheime Dokumente hinterlässt, kann sich aussuchen, an wen er sie weitergeben will. Der Empfänger wertet das Material entsprechend seiner Fachkenntnisse aus und veröffentlicht, was er für wichtig hält. Nach einer gewissen Frist stehen die Daten dann allen Besitzern solcher Briefkästen zur Verfügung.

Thilo Weichert vom Unabhängigen Landeszentrum für Datenschutz in Schleswig-Holstein findet die Idee gut. Schließlich sei Transparenz das Lebenselixier der Demokratie. "Die Plattformen müssen nur gut reguliert werden." Das könnte heißen, den Betreibern würden Informantenschutz und Zeugnisverweigerungsrecht zugebilligt, wie sie auch für Journalisten gelten. Außerdem müssten diejenigen, die auf Missstände aufmerksam machen, Whistleblower also, arbeitsrechtlich geschützt werden. Im Gegenzug, so Weichert, könne man dann auch einen verantwortlichen Umgang mit brisanten und möglicherweise gefährlichen Daten verlangen. Die Grenzen der Transparenz gebe das Recht längst vor: Datenschutz, innere und äußere Sicherheit, Schutz des Betriebsgeheimnisses.

Allerdings wird es nicht ausreichen, lediglich bessere Wikileaks zu fördern. Ein zweiter Schritt ist nötig. "Die Politik muss Transparenz als ein neues und effektvolles Instrument des Regierungshandelns erkennen und nutzen", sagt der Verwaltungswissenschaftler Philipp Müller. Denn überall dort, wo über einen gesamten politischen Prozess hin mit offenen Karten gespielt werde, wachse dem Verfahren eine Legitimität zu, die es durchsetzungsfähig mache – wenn die Bürger mitreden dürften und relevante Einwände erkennbar gehört würden. Der Lohn einer solchen neuen Offenheit könnte sein, dass verlorengegangenes Vertrauen wiederhergestellt wird. Das böte auch eine Chance, bei den größten Skeptikern Verständnis für die Vertraulichkeit zu gewinnen, die mitunter notwendig ist, damit Institutionen funktionieren.

Das Respekt.net-Team freut sich, dass im Zuge unseres letzten Projekt-Endspurts über unseren Newsletter und unsere Facebook und twitter Pages wieder die Umsetzung von Projekten beschleunigt wurde. Insgesamt wurden seit unserem Aufruf über 4.000 Euro gespendet.

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Finanziert wurde von 26 InvestorInnen das Projekt "Gleichstellungsbarometer" (2.900 Euro).

18 InvestorInnen wollen es wissen: "Warum fahren Wiener Taxis leer vom Flughafen zurück und die Schwechater Taxis leer hinaus". Sie finanzierten die Forschungsarbeit zum Thema "Die Politik der leeren Schwechat-Taxis" (2.966 Euro).

Von unserer Mobiliserung der letzten Woche profitierte auch das Projekt "Alternativenforen - Transition Town Training", welches mit einem Budget von 439 Euro zur Gänze finanziert wurde.

Das Respekt.net-Team und die ProjektinitiatorInnen bedanken sich herzlich für Ihr Engagement!

Wir stellen Ihnen wieder jene 3 Projekte vor, die in der User-Gunst ganz vorne liegen, um Sie mit Ihnen gemeinsam auszufinanzieren. Diesmal haben wir noch ein zusätzliches Anliegen: Seit dem öffentlichen Launch im vorigen September haben User auf Respekt.net mehr als 95.000 Euro für engagierte Projekte gespendet. Bei diesem Projekt-Sprint wollen wir die magische Grenze von 100.000 Euro knacken! Machen Sie dabei mit und investieren Sie in Projekte Ihrer Wahl.

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das neue CSR - Jahrbuch 2011 ist da

... und so sieht es aus,

Gleich vorweg, www.respekt.net ist mit dabei, aber dazu später.

Das etwa 220 Seiten starke Werk von Herausgeber Michael Fembeck wurde in den Räumlichkeiten der Österreichischen Kontrollbank präsentiert, und eine durchaus schickes Podiumsgespräch war Presse und Interessierten auch gleich geboten. Eine sehr interessante Veranstaltung.CSR ist eine englische Abkürzung für Corporate Social Responsability also auf deutsch gesellschaftliche Unternehmens-Verantwortung und im börse-notierenden jetzt schon, und im gesamten Unternehmensbereich wohl bald, nicht mehr wegzudenken....

 

Für vollen Artikel und Bild...[mehr] klicken###MORE###


Gesellschaft ist einem ständigen Wandel ausgesetzt und Unternehmen tragen einen großen Teil dazu bei. Wie dieser Beitrag ganzheitlich betrachtet aussieht, mit positiven wie negativen Aspekten, darf dabei hinterfragt werden.  Die CSR, also die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen greifen angesichts der sozialen und ökologischen Notwendigkeiten immer mehr Unternehmen auf, und merken, dass es langfristig auch ökonomisch sinnvoll ist sich der herausfordernden Gestaltungs-Rolle in der Gesellschaft anzunehmen.


Blitzlichter gebend finden sich im Jahrbuch Vom Schokoladefabrikanten Zotter, über Hub Vienna, das etwas andere Gründerzentrum für Social Entrepreure, bis zu Bereichen Lagerlogistik, Medizintechnik verschiedene Zugänge zu gelebt verantwortungsbewusstem Unternehmertum. Ebenso finden sich ein CSR-abc, eine Übersicht über die Fülle an Preisen und Auszeichnungen für „gutes“ Unternehmertum, und viele weitere kleine Hilfestellungen geben einen Überblick über die oft nicht klar sichtbare Fülle großartiger Initiativen aus dem Unternehmensbereich.


RESPEKT.NET findet sich im Jahrbuch im Bereich „Helfen und Hebel“ zum Thema Stiftungen und Philanthropie. Freund und Mensch, sind die griechischen Wort-Ursprünge des Wortes Philantropie, und wohl passend findet sich RESPEKT.NET in dieser Kategorie, als die Plattform, die den MenschenfreundInnen in jedem von uns Möglichkeit gibt über den Alltag hinaus positive Entwicklung für unsere Gesellschaft zu ermöglichen.
Unsere Gesellschaft unterliegt einem ständigen Wandel, der sich in den letzten Jahren beschleunigt hat, wodurch viel Neues möglich ist, aber auch viel Veränderungs-Arbeit passieren muss. Respekt.net möchte allen Menschen, die sich in irgendeiner Form dafür interessieren und beteiligen wollen, den Raum geben sich für eine positive Zukunft und ein lebenswertes Zusammenleben zu entfalten. Die Projekt-Plattform ist dabei ein erster Schritt, um Menschen mit Ideen und Zeit für Veränderungs-Arbeit zusammenzubringen mit Menschen ohne Zeit, aber dem Wunsch etwas „beizutragen“. Der Beitrag muss dabei nicht groß sein, und nicht unbedingt finanziell, jede Beteiligung die von Herzen kommt ist wertvoll!
 

Das CSR-Jahrbuch 2011 bietet mit einer Vielzahl von Praxis-Beispielen einen schönen Einblick, wie sich der Grundgedanke guten Unternehmertums wieder wandelt von einer zentriert finanz-orientierten zu einer ganzheitlichen und freudvollen, verantwortungsbewussten und erfolgreichen Unternehmensführung. Die Bücher der 2010 beginnend jährlich erscheinenden Reihe sollten in keiner Management-Ausbildung fehlen und haben einen Platz in den Büros der Führungsetage jedes Unternehmens verdient.

Für Interessierte kommt hier eine kleine Zusammenfassung der sehr interessanten Podiums-Statements bei der Buchpräsentation:

Minister Berlakovich spricht erfreut über das Potential von Green Jobs und die Ergebnisse der eben erschienen EnergieStudie, die feststellt der Import-Unabhängigkeit von Energie-Produkten bis 2050 müsste nichts im Wege stehen, und mit der Masterplan Green Jobs eröffnet Perspektiven für viele nachhaltige Arbeitsplätze.Die Bereiche Ökologie, Gesellschaft und Ökonomie könnten laut Berlakovich nicht mehr in einzelnen Schachteln gepackt werden, sondern müssen gemeinsam betrachtet werden, um die Zukunft zu bewältigen und sie lebensfähig und lebenswert zu machen.


Rewe-Vorstandsmitglied Werner Wutscher erklärt anhand einiger interessanter Beispiele, dass CSR im Unternehmen vor allem Sinn macht, wenn es das Kerngeschäft betrifft einerseits, und wenn es keine Management-Sache bleibt, sondern die Mitarbeiter auf allen Ebenen mit eingebunden und dabei unterstütz werden. In ihrem Kerngeschäft, der Geld-Veranlagung orientiert sich beispielsweise die VBV Vorsorgekasse vertreten durch Prokuristen Peter Eitzenberger bereits vorzugsweise nicht an den an sog.  nachhaltigen Aktien-Indizes und nicht rein finanziellen Bewertungsmechanismen wie beispielsweise dem Phönix-Zertifikat.


Industriellenvereins- Vize-Generalsekretär Peter Koren wünscht sich einen Nachhaltigkeits-Diskurs, der etwas aus dem ökologischen Bereich wegkommt, und ganzheitlicher den sozialen Bereich mitdenkt. Die Bevölkerung wisse schon, dass Nachhaltigkeit sich auf die Ökologie beziehen würde, und jetzt auch soziale Aspekte in den Diskurs aufgenommen werden sollten. Er stellt fest, dass schon viele Unternehmen sich aktiv engagiert einbringen um gesellschaftliche Veränderung zu gestalten. Es wären zwar auch noch viele Betriebe gar nicht ihrer Handlungs-Verantwortung bewusst, aber die Zahl der Engagierten steigt. Gemeinsam waren alle geladenen Sprecher einig, das gesellschaftliches Bewusstsein verändert sich, und vieles was vor Jahren noch undenkbar war ist es nun.

Die kritisch-unabhängige Monatszeitung vom Verein zur Förderung studentischer Eigeninitiativen.

Zeitungsständer aus Pappe für die über.morgen
Die über.morgen ist eine kritisch-unabhängige Monatszeitung, herausgegeben vom Verein zur Förderung studentischer Eigeninitiativen. Um die Zeitung besser zu präsentieren und somit auch mehr Leser zu erreichen, sollen an den Unis insgesamt 10 Karton-Zeitungsständer aufgestellt werden.
Setzen Sie ein Zeichen indem Sie dieses Projekt unterstützen: Es fehlen lediglich 240 Euro!

 

Stärkung sozialer Kompetenzen durch gewaltfreie Kommunikation

Jeux Dramatiques - Ausdrucksspiel aus dem Inneren Erleben.
Durch das Ausdrucksspiel wird Kindern in der Volksschule eine Stärkung der sozialen Kompetenz vermittelt. Sie lernen Verantwortung übernehmen, Grenzen respektieren, wahrnehmen und setzen, Konflikte fair und gewaltfrei austragen und einander zuhören. Damit erhalten Kinder einen Leitfaden für einen positiven Umgang miteinander.
Das Projekt benötigt noch 750 Euro. Sie können mit Ihrer Spende das Projekt möglich machen!

 

SeniorInnen lernen mit Volksschulkindern mit Migrationshintergrund im Einzelunterricht

OMA/OPA-Projekt - Allianz von Jung und Alt
Österreichische SeniorInnen lernen mit Volksschulkindern mit Migrationshintergrund im Einzelunterricht. Im Mittelpunkt steht eine gezielte Lernhilfe und Sprachförderung, um Defizite auszugleichen und den SchülerInnen bessere Lern-, Entwicklungs- und somit Lebenschancen zu bieten. Dabei wird großes Augenmerk auf kompetente Hilfe und Qualitätssicherung gelegt.
Dieses tolle Projekt benötigt noch 5025 Euro. Jede Spende bringt das Projekt näher an die Umsetzung!


Bitte informieren Sie auch Ihre Freunde und Bekannten über Ihre Spende. Respekt.net lebt vom Schneeballprinzip. Die ProjekteinreicherInnen danken Ihnen für Ihre Unterstützung.

Ein wie ich finde sehr guter Beitrag aus dem brandeins Nr. 07/2010

Der Staat hat sich - und die nächsten Generationen - finanziell überfordert. Die Bürger sollen es nun richten.

Spenden, Sponsoring, Stiftungen, Ehrenamt und Corporate Citizenship sind gefragt. Aber warum spenden - und nicht investieren?

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Gelernte Muster des gutmütigen Gebens

Deutsche geben gern - im Krisenjahr 2009 im Durchschnitt 115 Euro. Das sind 13 Euro mehr als im Krisenjahr 2008 und nach Angaben von TNS Infratest insgesamt 2,9 Milliarden Euro. Mehr als 23 Millionen Menschen in Deutschland und damit 28 Prozent engagieren sich nach Schätzungen ehrenamtlich. 2009 wurden außerdem 914 der 17 372 bestehenden Stiftungen gegründet. Unternehmen hingegen haben im vergangenen Jahr mit 4,2 Milliarden Euro zehn Prozent weniger für Sponsoring ausgegeben.

Geldgeber konzentrieren sich dabei auf weniger Spendenzwecke als in der Vergangenheit. Sofort- und Nothilfe sowie Behinderten- und Krankenhilfe sind stabil, langfristige Entwick lungshilfe und Umweltschutz hingegen gestiegen. In den Unternehmen wurden 2009 ein Viertel der Sponsoringleistungen in die Corporate-Social-Responsibility (CS R)-Abteilungen oder Stiftungen übertragen. Sport und Kultur werden dabei am meisten gefördert, zehnmal mehr als die Bildung. Sozial- und Bildungssponsoring steigen jedoch überdurchschnittlich.

Aber warum Altruismus? Warum geben ohne konkrete Ge genleistung? Neurophysiologen meinen bei der selbstlosen Hingabe Ausschüttungen des Neuropeptids Oxytocin feststellen zu können - also ein verdächtiges Sozialhormon. Die Sozialwissenschaft sieht in der scheinbaren Selbstlosigkeit dagegen eine gegenseitige Austauschlogik, die immer dann greift, wenn Staat oder Markt nicht gut funktionieren.

Der Franzose Marcel Mauss hat kurz nach dem Ersten Weltkrieg solche Gaben als Geschenke beschrieben, die eine unspezifische Schuld erzeugen. Der Beschenkte fühlt sich in der Schuld des Schenkenden. Ist ein Gegengeschenk aus ökonomischen oder sozialen Gründen nicht möglich, knüpft sich langfristig ein soziales Band von gegenseitigen Verpflichtungen. Es wird etwas gegeben, in dem Vertrauen darauf, dass irgendwas, von irgendwem, irgendwann zurückgegeben wird. Und genau an dieser unbestimmten, nicht vordergründig zu ökonomisierenden Austausch-Logik - so die hier vorgetragene These - wird sich unsere gesellschaftliche Entwicklung entscheiden.

Ökonomische versus soziale Investitionen

Zwei Unternehmerinnen gehen zu ihrer Bank. Inge Jinör* braucht ein Darlehen für eine neue Maschinenkomponente, die einen erheblichen Kostenvorteil gegenüber der Konkurrenz verspricht. Innerhalb von fünf Jahren scheint ein Marktanteil von zehn Prozent realistisch, was einen Umsatz von zehn Millionen Euro verspricht. Der zu vergebende Kredit: eine Million Euro.

Die zweite Unternehmerin Judy Jailer* hat auch ein neues Produkt und geht zu ihrer Landesbank. Sie bietet eine Dienstleistung an, die die Rückfallquote jugendlicher Straftäter halbieren könnte und so dem Staat - neben dem kaum messbaren Wert verbesserter individueller Startchancen - nach dem Vollzug auch schätzungsweise 20 000 Euro pro Jahr für jeden vermiedenen Rückfall erspart. Sie möchte innerhalb von fünf Jahren laut Geschäftsplan 2000 Jugendliche erreichen. Der zu vergebende Kredit: eine Million Euro.

Wir sind es nicht gewohnt, Judy Jailer als Unternehmerin zu bezeichnen. Aber sie steht für eine Gründerzeit im Sozialsektor, für immer mehr Menschen, die zur Lösung eines gesellschaftlichen Problems nicht nur mit Spendenformularen und Ehrenamt, sondern mit Innovation, Kreativität und Risiko, mit Geschäftsmodellen und sozialen wie unternehmerischen Erträgen antreten.

Finanzalphabetisierung im Sozialsektor

Die Bewegung der sogenannten Sozialunternehmer markiert nach einem Vorlauf von gut 30 Jahren einen nachhaltigen Trend unseres Jahrhunderts. Wir sind mitten in einem neuen Gesellschaftsspiel. Es heißt: "Wer macht was?" Die Spieler sind Staat, Markt, Wohlfahrtsunternehmen, Stiftungen und Sozialunternehmen. Und das Spiel beginnt, wenn Staats- und Marktversagen vorzuliegen scheinen, wie das Politökonomen immer dann zu sagen pflegen, wenn nichts mehr passiert.

Die klassische Zivilgesellschaft wird mehr gefordert denn je, nur ist sie politisch kaum oder unzulänglich eingebunden und steuerlich halbherzig gefördert. In dieser Beziehungsunfähigkeit der Gesellschaft mit sich scheint die Zivilgesellschaft eher Sozial klempner denn Ko-Architekt der Zukunft. Also was bleibt: noch mehr Spenden, Sponsoring, Ehrenamt?

Die Finanzierung gesellschaftlicher Problemlösungen ist selbst ein Problem. Unsere These: Es ist nicht zu wenig Geld da, sondern es kommt mit der falschen Geste der bloßen Fürsorge statt der Erwartung eines Investors. Eine neue Finanzierungskultur für gesellschaftliche Problemlösungen wird die soziale Innovation unseres Jahrhunderts sein müssen. Während sich der klassische Non-Profit-Sektor über Steuernachlässe finanziert, fehlt vielen Sozialunternehmern genau das, was Unternehmern grundsätzlich zur Verfügung steht: eine finanzielle Infrastruktur, um mit ihren Lösungen die kritische Masse zu erreichen.

Das Vermögen mit Vermögen

Beim Vermögensberater sitzen zwei Investorinnen. Tanja Taler* möchte eine gute Rendite-Entwicklung, um Vermögen für das Absichern der Familie aufzubauen. Sie bekommt einen ausgewogenen indexbasierten Fonds. Die andere, Sabine Sozius*, fragt hingegen nach einer Anlage für ein Projekt mit Gemeinwohlorientierung. Sie wird an die neu eröffnete Philanthropy-Wealth-Abteilung verwiesen und erhält Empfehlungen, das Geld einer gemeinnützigen Initiative zu spenden.

Fünf Prozent Rendite auf der einen und minus 100 Prozent Rendite auf der anderen Seite sind verhaltenswissenschaftlich interessant: Wer investieren will, möchte nicht unbedingt eine möglichst hohe Rendite. Philanthropen wollen ihr Geld aber auch nicht einfach nur verschenken. Der Zwischenbereich kann zur Finanzierung des Sozialsektors beitragen. Dazu brauchen wir in Deutschland eine sozialneidfreie Vermögensforschung für das Soziale.

Seitdem die Mikrofinanzierung von Frauen zum Friedensnobelpreis führte, zeigt sich, welche positive Kraft - bei aller Kapitalismuskritik - neutrale Finanzierungsinstrumente haben können. Portale wie Betterplace.org oder Bon Venture zeigen erste zarte Hinweise auf neue Formen der Sozialfinanzierung. Auch Gründungsfonds wie die Micro Equity GmbH & Co. KG der Zeppelin Universität, die sich mit unternehmerischen Gesellschaftern an Gründungen von Studierenden beteiligt und Überschüsse zur Universitätsfinanzierung abführt, sind Zeichen für eine nachzuholende Entwicklung: Philanthropisches Risikokapital ist im englischsprachigen Raum schon lange eine Tradition, in Deutschland noch etwas Neues.

Auch die öffentliche Hand und die Wohlfahrtsverbände sind gefragt, etwa um Sozialunternehmen vorzufinanzieren, die zukünf tige staatliche Einspareffekte versprechen - quasi als Forschungs-und Entwicklungsabteilungen für soziale Innovationen.

Rendite für die Gesellschaft

Die nächste Herausforderung bei der Umstellung von Spenden auf Investitionen ist, die Wirkung messbar zu machen. Es geht nicht mehr nur um das Ankommen der Spende, sondern um den Nachweis, welcher gesellschaftliche Wert durch die Finanzierung geschaffen wurde. Universitäten in Friedrichshafen, Heidelberg, Mannheim oder München wie auch die Phineo gAG experimentieren bereits mit sozialer Wirkungsmessung und Ratings für Sozialunternehmen. Es wird vorläufig bleiben, ungefähr wie Unternehmensbewertungsverfahren für klassische Kapitalmärkte. Aber mit zunehmendem Wettbewerb um das Geld der Philanthropen werden Fonds, CS R-Abteilungen und Stiftungen gezwungen sein, ihre Sozialinvestitionen zu begründen.

Der Sozialsektor braucht keine Spender, er braucht Investoren und Vermittler - zur Förderung der Sozialunternehmen. Und zur Entlastung der Zivilgesellschaft und des Staates selbst. -

Am 14.07. hat FM4 einen Beitrag über Respekt.net und das Projekt "Frisch gekocht für Obdachlose" gebracht. Die Redakteurin Irmi Wutscher hat Zeit gespendet und berichtet von ihren Eindrücken. Für sie handelte es sich um "Mehr als klassische Wohltätigkeit". Zu hören ist das ganze hier als .mp3:

<media 165>Teil I: FM4 Morningshow</media>

<media 166>Teil II: FM4 Connected</media>

Den Online-Artikel gibt es auf fm4.orf.at/stories/1653843/

Praktische Funktion: "Weitersagen"

Kennen Sie schon unsere FAQs? Je nachdem ob Sie sich mehr als ProjektinvestorIn, -initiatorIn, -expertIn oder -akteurin angesprochen fühlen, finden Sie dort zahlreiche Fragen und Antworten.

Soeben wurde die Frage "Wie kann ich mein Projekt bekannt machen?" hinzugefügt. Dort finden ProjektinitiatorInnen verschiedene Tipps, wie sie ihr Projekt promoten und so dessen Chancen zur Realisierung erhöhen können. Z.B. gibt es das praktische Tool "Weitersagen" (siehe Bild rechts), welches über der Abbildung jedes Projektes zu finden ist. So kann man auf einfache Art und Weise ein Projekt seinen Freunden und Bekannten empfehlen: per E-Mail, Facebook, Twitter etc. 

Haben Sie eine Frage, die wir nicht in unseren FAQ beantworten? Dann kontaktieren Sie uns doch.

Für Biodiversität, Nachhaltige und gesunde Landwirtschaft in Österreich...

Wegwartehoffest: Gentechnik, Saatgut, Energie, Biolandwirtschaft! : Ein neues Projekt wartet auf Ihre Investition über Respekt.net. Ein Anstoß für landwirtschaftliche Produzenten sich gegen Gentechnologie, Patentierung von Saatgut und für eine politische Förderung von Biologischer Landwirtschaft zu engagieren…. 

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"Zukunft säen"

Gemeinsam mit Kleinbauern aus aller Welt wollen wir in Österreich ein Statement gegen Gentechnik positionieren. In Kooperation mit der in der Schweiz entstandenen Initiative „Zukunft säen“ laden wir am Sa. den 18.09.2010 Bauern und die ländliche Bevölkerung ein unsere Workshops zu besuchen, und Konsequenzen aus ihren Naturbeobachtungen zu ziehen. Wir nutzen die Kraft des symbolischen, gemeinsamen Tuns und säen gemeinsam ein Dinkelfeld unter fachkundiger Anleitung, umrandet von Diskussionen zur Saatgutsituation in Österreich und in der Welt.

Bei unserem Hoffest wollen wir die Besucher für Themen von sozialer und ökologischer Relevanz sensibilisieren, wobei im heurigen Jahr 2 Themenblöcke den Schwerpunkt bilden: Saatgut und Gentechnikfreiheit, sowie Energie und Landwirtschaft.

 

 

Viele Fragen und Probleme im bäuerlichen Alltag sind von allgemeiner sozialer, gesellschaftspolitischer und ökologischer Relevanz.

- Können sich künftige Generationen gesund entwickeln, wenn sich die Artenvielfalt der Kulturpflanzen weiterhin so drastisch reduziert?


- Wie viele Planeten braucht unser Lebensstil, und wie werden wir in Zukunft leben?


- Was bedeutet es für eine Gesellschaft, wenn Saatgut patentiert und nur gegen Lizenz zu nutzen ist?

 

Wir machen das Hoffest um diese Themen breit zu diskutieren. Und natürlich auch um zu feiern. Wir laden Fachpublikum, Bauern aus den Nachbardörfern und auch sonst alle ein, diesen Diskurs zu pflegen und mit uns genussvoll und verantwortungsbewusst zu feiern.

- Vorträge: Saatgutrevision der EU, Stutenmilch, Großgruppenworkshop: gemeinsames Dinkel säen.


- etwa 20 Aussteller: Energie, Fahrzeuge mit alternativen Antriebsarten, Formen der Sonnennutzung, Natursensibilisierung, ökologische Produkte.


- Musik, Kinderprogramm, Bauerngolf, Fahrradsternfahrt aus umliegenden Orten, Streichelzoo..

Zielpublikum:

 

- Menschen aus der Region sollen für oben angeführte Themen sensibilisiert werden. Besuchen teilw. Die Vorträge, haben stärkeres Interesse an den Ausstellern


- Fachpublikum bringen dem Bildungsteil besonderes Interesse entgegen und sind erfahrungsgemäß verstärkt am Samstag Gäste

- Stammkunden des WWH informieren sich über aktuelle Entwicklungen und Problemstellungen im Umfeld (Vorträge, Workshops)
 

JedeR Interessierte ist natürlich herzlich eingeladen auch aktiv am Wegwartehoffest teizunehmen.

Rainbows - Hilfe für traumatisierte Jugendliche und Kinder

Jährlich sind in Österreich 15.000 Kinder von der Scheidung ihrer Eltern betroffen, jene Kinder, deren Eltern sich trennen, sind in diesen Zahlen nicht erfasst.

Der Verein RAINBOWS versucht diesen Kindern zu helfen, diese traumatischen Erfahrungen zu überwinden...

Vielleicht nicht direkt ein politisches Projekt, aber sicher ein gesellschaftspolitisch Sinnvolles. Den Erwachsenen von Morgen in Notzeiten zu helfen und Mut zu machen kann die Zukunft unserer Gesellschaft nur verbessern. Weil wir mündige BürgerInnen brauchen!

Also bitte: einfach mal anschauen unter RAINBOWS auf Respekt.net

Diese Kinder können ihre schlimmen Erfahrungen hinter sich lassen...Für eine bessere Zukunft!

Phase I des Theaterstückes Psychiatrie läuft aus...noch 5 Tage!

Durcheinander?

Psychiatrie - Phase I läuft aus. Es fehlen noch 1247€

Das Theaterstück Psychiatrie wurde mittlerweile bereits mehrmals aufgeführt. Die Qualität der Darstellung und die daraus resultierende große Nachfrage nach dem Stück veranlassen den Produzenten über eine Wiederholung im Januar nachzudenken. 

Das Projekt steht auch auf Respekt.net zur Finanzierung und hat derzeit mit 2191€ schon 66% des gewünschten Betrages erzielt.

Es fehlen nur noch 1247€ um das Theaterstück im Januar noch weiteren Personen zugänglich zu machen.

Hier eine Pressestimme zum Projekt!

Entscheiden Sie selbst...Hier gehts zum Projekt!


Hier noch eine professionelle Meinung einer Zuschauerin:

Liebe Frau Linder, Frau Hütter und Herr Elischka!


Ich war in der gestrigen Vorstellung Ihre Performance "PSYCHIATRIE!" und möchte Ihnen Allen zu diesem mehr als gelungenen Stück  gratulieren!
Es war beeindruckend, wie Sie es schaffen, die einzelnen Geschichten der  PatientInnen so authentisch nachzuspielen. Ihre ausgezeichnete Leistung lässt den Zuschauer voll in die Geschichten  "eintauchen"; teilweise so stark, dass man sich selbst dran erinnern musste, dass das gerade ein Schauspiel ist ...
In diesem Sinne: Vielen Dank für dieses Erlebnis und liebe Grüße,


Barbara Pelz
Medizinische Universitaet Wien
Department für med. Aus- und Weiterbildung

Wusstest Du, dass heute Internationaler Tag der Demokratie ist? Was aber tun gegen die immer stärker werdende Politkverdrossenheit der Bevölkerung? Was kann getan werden, um die Demokratie zu stärken? Präsentiere Deine Ideen auf www.respekt.net!

"Da geht die Demokratiesirene an"

Warum diskutiert Deutschland wochenlang über ein rassistisches Buch? Ein Gespräch mit dem Sozialpsychologen Harald Welzer über politikmüde Bürger, allmächtige Politiker und die Provokationen Thilo Sarrazins.

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ZEIT ONLINE: Herr Welzer, hat Sie die Debatte um Thilo Sarrazin überrascht?


Welzer: Mich hat die Freundlichkeit verwundert, mit der diese Thesenfabrik aufgenommen wurde. Und ich finde es erstaunlich, dass daraus tatsächlich eine Migrationsdebatte entstanden ist.

ZEIT ONLINE: Was ist daran verwunderlich?

Welzer: Dieses Buch hat einen klar rassistischen Kern. Allein der Titel "Deutschland schafft sich ab" zeigt ein biologistisches Nationenverständnis. Da geht’s wirklich ums Blut. Deutschland schafft sich doch nicht ab, selbst wenn hier nur noch ein Prozent Deutsche leben würden. Was würde denn ein Amerikaner dazu sagen? Amerika schafft sich ab, weil es zu viele Latinos gibt? Ist das Ruhrgebiet verschwunden, weil da lauter Polen eingewandert sind?

ZEIT ONLINE: Vermutlich nicht.

Welzer: Eben. Ich verstehe einfach nicht, warum der rassistische Kern des Buches so schnell aus der Debatte verschwunden ist. Jetzt wird nur noch über die Skandalisierten gesprochen, in diesem Fall die Muslime. Der eigentliche Skandal, zum Beispiel, dass ein renommierter Verlag nur des Marktes wegen ein im Kern rassistisches Buch veröffentlicht, wird vergessen.

ZEIT ONLINE: In Deutschland teilen einige Ihre Haltung. Allerdings hieß es über Sarrazin auch: Endlich sagt das mal jemand.



Welzer: Dass man Applaus bekommt, wenn man eine solche Meinung artikuliert, ist bedenklich, und man muss sich damit beschäftigen. Der Fall Sarrazin aber ist kein harmloser "Tabubruch". Spätestens als das jüdische Gen ins Spiel kam, war das Buch für mich nicht mehr diskutabel.  Man kann gerne über Migration oder fehlgeleitete Integrationspolitik diskutieren, sollte man auch, aber nicht anhand dieses Akteurs und dieses Buches. Das ist so, als diskutiere man plötzlich mit Holocaustleugnern oder Klimaskeptikern.



ZEIT ONLINE: Viele Menschen werden jetzt sagen: Jetzt kommt auch noch der Wissenschaftler Welzer und will eine Debatte ersticken, die wir gerne führen wollen.

Welzer: Wer wäre ich denn, dass ich das könnte? Jeder hat seine Meinung in dieser und anderen Debatten tausendfach äußern können, keiner wurde deshalb belangt. Auch Thilo Sarrazin kann sagen, was er will – nebenbei verkauft er damit eine Menge Bücher. Dass die Bundesbank sich von ihm trennt,  ist völlig in Ordnung. Eine Institution, die unter anderem von öffentlicher Reputation lebt, muss keinen Rassisten in seinem Vorstand dulden. Was laufend erstickt wird, sind die Versuche, selbst zu denken. Es gibt eine starke Tendenz zu vorgestanzten Redeformaten, an denen die 68er mit ihrer Rechthaberhetorik sicherlich nicht unschuldig sind. Man darf ein paar Dinge einfach nicht denken. Wenn sich diese Korrektheitsoberfläche an der Wirklichkeit bricht –  also am Lehrer etwa, der aus einer Problemschule mit hohem Migrantenanteil erzählt – dann entsteht so etwas wie ein verengter Raum des Sagbaren. Das ist durchaus ein Problem. Das Blöde ist nur, die Menschen empfinden diese Erstickung oft an der falschen Stelle.


ZEIT ONLINE: Warum ist Sarrazin der falsche Anlass?

Welzer: Gegenfrage: Warum entlädt sich die Wut ausgerechnet beim Migrationsthema und ausgerechnet bei Sarrazin? Warum nicht beim Klimawandel oder in der Atompolitik oder am Afghanistankrieg, an anderen echten Problemen?

ZEIT ONLINE: Weil die Menschen offenbar über Migration reden wollen.

Welzer: Wenn wir schon über Migration diskutieren, warum nicht anhand  dieses Buches von Kirsten Heisig, das ein ganz anderes Niveau hat und dem auch eine ganz andere Empirie zugrunde liegt? Das wäre ein substanzieller Diskussionsanlass. Jetzt erleben wir die einfachste Variante: Da werden die ganzen Bilder aufgerufen von den Kopftuch tragenden Mädchen. Und dann nickt jeder und sagt, das bestell ich mir mal bei Amazon. Vorurteilsbedienung. Mehr ist das doch nicht. Das ist keine politische Auseinandersetzung im eigentlichen Sinne.


ZEIT ONLINE: Womöglich war Sarrazin nur der Auslöser für ein Gefühl, dass viel tiefer liegt. Es gibt viele, die sagen: Das ist auch eine  Abrechnung mit dem politischen Betrieb, den so viele verachten.

Welzer: Kann sein. Man merkt das an diesem Tabubruch-Denken, diesem "man wird das doch wohl noch sagen dürfen". Was mich daran stört, ist Folgendes: Die 90 Prozent, die für Sarrazins Thesen sind, haben ja sonst kein Bedürfnis, sich zu artikulieren. Hier spricht nicht das bürgerliche, politische Subjekt oder der demokratische Idealbürger, der für das eintritt, was er denkt.



ZEIT ONLINE: Beklagen sich die Bürger nicht zu Recht, dass die Politik und Medien sich zu weit entfernt haben?

Welzer: Die Entfernung ist maximal groß. Man könnte sogar sagen, dass eine politische Öffentlichkeit nicht mehr existiert. Also ein gesellschaftlicher Raum, in dem erwogen, gestritten, protestiert und kritisiert wird. Auf der einen Seite gibt es diese Politikerpolitik, die für sich in Anspruch nimmt, in Allmacht zu entscheiden. Auf der anderen Seite steht der Rest der Bürger, der, wenn’s hochkommt, Anne Will guckt und vor dem Fernseher schimpft. Dieser Rest findet in keiner Weise eine öffentliche Artikulation.


 

ZEIT ONLINE: Wie ist es soweit gekommen?

Welzer: Meine Hypothese ist, dass die Entwicklung im Jahr 1989 begann, mit dem sogenannten "Ende der Geschichte". Damals fiel die Systemkonkurrenz weg, was die Linke ratlos gemacht hat – der Fall der Mauer bedeutete eine Entwertung ihres Handwerkszeugs, Ideologiekritik, Schlussverkauf. Hinzu kam die trügerische merkwürdige Gewissheit, dass der Westen gesiegt hat. Dieses Vakuum, diese Entpolitisierung, ist bis heute nicht behoben.
 Natürlich gibt es weiterhin eine Million gesellschaftliche Probleme, die Leute tagtäglich betreffen. Aber es gibt keinen öffentlichen Raum dafür. Nur Ersatzformate wie dieses unsägliche "Hart aber fair". Das sind Surrogate von Diskussion.


ZEIT ONLINE: In solchen Sendungen geht es oft darum, Politiker zu beschimpfen.

Welzer: Politik wird inzwischen nicht mehr als Praxis eines politischen Gemeinwesens verstanden, sondern als das professionelle Liefern von dafür angestellten Personen. Wenn diese angestellten Personen nichts Vernünftiges liefern, findet man das scheiße. Wenn sie dazu noch etwas sagen, was einem missfällt, will man sie beschimpfen.

ZEIT ONLINE: Politik ist das, was Politiker machen.



Welzer: Auf der einen Seite haben wir eine Konsumhaltung zur Politik, die allerdings auch von der Politik bedient wird. Fragen Sie sich doch mal, wann der Begriff der Alternativlosigkeit in die Politik eingezogen ist. Wenn sich zum Beispiel Volker Kauder (der Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Anm. d. Red.)  hinstellt, und von alternativlosen Entscheidungen spricht, dann frage ich mich: Wie kann das sein? Da geht doch die Demokratiesirene an. Demokratie ist das System, das Alternativen gegeneinander in Stellung bringt und dann erst zu einer Lösung kommt. Wer so redet wie Kauder, muss sich nicht wundern, wenn die politische Nichtöffentlichkeit auch nicht mehr weiß, was Demokratie ist.


ZEIT ONLINE: Wird eine Gesellschaft in einem solchen Zustand verführbarer durch Populisten?

Welzer: Was heißt das denn: verführbarer? Das ist eine falsche Kategorie. Sie suggeriert, dass der Bürger eine unschuldige Position einnimmt. Erwachsene, freie Menschen sollten sich nicht in die Rolle des Verführten zurückziehen, auch das "Dritte Reich" bestand aus denkenden, entscheidenden Menschen. Die Figur der Verführbarkeit ist immer eine der Exkulpation. Die taucht auch im Politikerbashing auf, über das wir eben sprachen.

ZEIT ONLINE: Inwiefern?

Welzer: Nach dem Motto: "Ich würde doch anders, wenn Merkel besser wäre." Jemand, der so was sagt, nimmt sich selbst nicht ernst. Das alles sind Zeichen, dass es dieses Vakuum gibt, in dem wirkliche Probleme nicht thematisiert werden.

ZEIT ONLINE: Was können wir dagegen unternehmen?

Welzer: Die Frage ist hoffentlich nicht so gemeint, dass "wir" die anderen sind. Ich sitze seit dreißig Jahren in irgendwelchen Diskussionszirkeln und höre dieses "Wir". Und dann sind mit dem "Wir" immer  die anderen gemeint.

ZEIT ONLINE: Wir meinten wirklich "wir".

Welzer: Wenn man über die Revitalisierung von Demokratie und Aktivierung von politischen Gemeinwesen redet, sollte man erstmal festhalten: Wir sind zwar nicht im optimalen Zustand einer Demokratie, aber wir haben immerhin noch eine freiheitliche Gesellschaft und einen enormen Reichtum. Gleichzeitig haben wir auf nahezu jeder gesellschaftlichen Ebene enorme Handlungsspielräume, um uns einzumischen und etwas zu verändern. Niemand hat in Deutschland Möglichkeiten, die gegen Null gehen. Gleichzeitig gibt es Segmente in der Gesellschaft, deren Handlungsspielräume eine größere Wucht entfalten kann.

ZEIT ONLINE: Zum Beispiel?

Welzer: Sie als Journalisten könnten ihren Spielraum zum Beispiel verantwortungsvoller nutzen. Dasselbe gilt für Wissenschaftler. Ich halte die meisten für unendlich unpolitisch, vor allem Sozial- und Politikwissenschaftler, obwohl sich das erst einmal komisch anhört. Sie nutzen ihre Handlungsspielräume viel zu wenig. Desgleichen Juristen. Die wenigsten begreifen sich als Teil der Gesellschaft. Jeder sollte sich fragen, was er anders machen kann, im Rahmen seiner Möglichkeiten.

ZEIT ONLINE: Welche Spielräume hat denn ein Hartz-IV-Empfänger?

Welzer: Natürlich sind die geringer. Gleichwohl hat auch er die Möglichkeit, sich in seinem Stadtteil politisch zu engagieren. In unserer Gesellschaft verhungert niemand. Ein Flüchtlingskind aus Darfur hat im Vergleich dazu einen Handlungsspielraum gleich Null.

ZEIT ONLINE: Also raus aus der Konsumentenhaltung.

Welzer: Ja, voll. Wir alle. Das ist wichtig.

ZEIT ONLINE: In Stuttgart passiert doch gerade etwas. Dort entwickeln die Bürger plötzlich eine Lust am Protest. Braucht es konkretere Anlässe, damit sich Engagement entwickelt?

Welzer: Man kann Anlässe nicht erfinden. In Stuttgart hat der Protest auch damit zu tun, dass die Stadt nicht sonderlich reich an signifikanten Bauten ist – bis eben auf diesen Bahnhof. Die Bürger dort verstehen nicht, warum ausgerechnet so etwas zerstört werden soll. Hinzu kommt der Symbolwert, dass Hunderte von Bäumen gefällt werden sollen. Dann hat man einen Anlass. Und stellt zunächst die Frage: Was soll denn das?

ZEIT ONLINE: Eine politisch produktive Frage.

Welzer: Man sollte sie häufiger stellen. Nur bekommen die Stuttgarter keine gute Antwort: "Nach Ulm geht es bald zwanzig Minuten schneller" und dieser Quatsch. Gleichzeitig wissen die Bürger, dass sich ihre Lebenssituation in den nächsten zwanzig Jahren verschlechtern wird, wenn der Bahnhof gebaut wird. Es wird etwas zerstört, woran auch Identität hängt. Hier kristallisiert sich dieser Unmut unter der politischen Benutzeroberfläche. Die Leute wollen es nicht, aber die Politik will es durchdrücken. Das wirkt wie ein Verstärker. Je starrer die Seite der Politik ist, desto vitaler werden die Gegner.  Aber ein bisschen Stuttgart, mal ein bisschen gegen Schulreform demonstrieren, das ist mir insgesamt zu wenig. Nehmen Sie doch dieses Atomprogramm...

ZEIT ONLINE: ...das Energiekonzept der schwarz-gelben Koalition.

Welzer: Genau. So etwas können Politiker und Konzerne doch nur machen, wenn sie sich überhaupt nicht durch die Zivilgesellschaft gefährdet sehen. Das ist nicht mal mehr Ideologie. Das ist Arroganz. Und niemand sagt etwas dagegen.

ZEIT ONLINE: Das Verrückte ist doch, dass alle sich ärgern – und dennoch zieht die Koalition die Sache durch.

Welzer: Ich halte ihr "dennoch" für falsch. Ich kann schon verstehen, dass die Energiekonzerne die Milliarden haben wollen. Ich verstehe uns nur nicht. Warum gibt es keinen Protest? Nicht in Zeitungen, sondern gesellschaftlich. Warum gibt es keine Pro-Röttgen-Demonstrationen? Diejenigen, die anschlussfähig wären an bestimmte Bedürfnisstrukturen, bekommen kein Feedback. Das Defizit liegt zum großen Teil beim Souverän, also bei uns. Deshalb können diese Lobbygruppen so agieren. Das Skandalisierungsniveau ist mir da zu gering.

ZEIT ONLINE: Wenn die Leute gegen was protestieren, schreibt der Spiegel von der "Dagegen-Republik"

Welzer: Ja, nach dem Motto: Dagegen sind nur die Blöden. Dabei gibt es heute eine erhöhte Bereitschaft, sich zu artikulieren und zu bewegen. Ich erlebe auf Vorträgen, die ich zum Beispiel zum Klimawandel halte, Menschen im Publikum, die nur auf ein Format warten, in dem sie agieren können. Es gibt die Bereitschaft zum Engagement. Es fehlt bloß die Form. Teilweise sehen wir das in der Sarrazin-Bild-Zeitungs-Abteilung. Kennen Sie Robert Menasses Poetikvorlesungen?

ZEIT ONLINE: Nein.

Welzer: Er spricht diese Entleerung der politischen Sphäre an. Menasse sagt, es wird hier niemand eingesperrt oder enthauptet, wieso sagt trotzdem keiner was? Er betrachtet unsere Gegenwart als eine Art Gegenaufklärung.

ZEIT ONLINE: Ist es die Angst, radikal zu sein?

Welzer: Es tut einem keiner was. Die Ära der Berufsverbote liegt auch hinter uns. Das sind Fiktionen. Vielleicht verliere ich meinen Job. Das ist Berufsrisiko, aber nicht das Problem. Man wird nicht eingesperrt oder gezüchtigt. Wirklich nicht.

 

Soziale Kriege

Vom Unbehagen der bürgerlichen Mittelschicht.

Thilo Sarrazin braucht kein Mitleid. Er könnte auch schlecht damit umgehen. Und es geht schon gar nicht darum, ihm recht zu geben, in was auch immer. Fürs Rechtgeben sind seine Ansichten viel zu durchwachsen und zu missverständlich, mit Ausnahme vielleicht all des Unverstandenen und Unverständlichen aus der Genetik. Hier ist er eindeutig - und zwar eindeutig ohne Sachkenntnis.

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Und auch die Frage, ob Sarrazin weiter als Sozialdemokrat betrachtet werden darf oder nicht, ist eine langweilige. Kein Sozialdemokrat zu sein und trotzdem in der SPD zu bleiben ist kein Widerspruch. Ehemalige Bundeskanzler haben es vorgelebt. Die weit spannendere Frage ist: Wieso kann ein hölzerner Finanzmann mit seinen Vorurteilen, seinen turmhoch gestapelten Statistiken und seinen biologischen Nachschlagewerken eine solche Aufregung verursachen? Weil er ein Tabu gebrochen hat? Weil er der schweigenden Mehrheit eine näselnde Stimme gibt? Weil den Massenmedien langweilig war? Oder doch: weil er ins Schwarze traf, als er ins Braune redete?

 

Es gibt Integrationsprobleme von Migranten in Deutschland, es gibt einen Moralverlust in allen sozialen Schichten, einen Sittlichkeitsverfall im öffentlichen Umgang, eine Enthemmung bei Sex und Gewalt, eine soziale Erosion der Mittelschicht und vor allem: Desorientierung. Das Schwarze, in das Sarrazin trifft, ist jener Satz, auf den sich Sarrazin-Freunde wie -Gegner einigen können: So geht es nicht weiter!

Wirklich begriffen wird dieses Problem allerdings nur jenseits aller Sarrazinaden um gefährdete Deutsche und gefährliche Migranten. Es stehen sich keine Völker gegenüber und keine Ethnien, sondern zwei moralische Kulturen. Diese beiden Kulturen sind nicht das Christentum und der Islam, kein "Kampf der Kulturen" im Sinne Samuel Huntingtons. Es ist das Ethos des Sozialen und das Ethos des Dissozialen. Die Grenze verläuft nicht zwischen Volksgruppen oder Religionen, sondern zwischen reichlich durchmischten Milieus. Ein deutscher Dissozialer, der sich zur bürgerlichen Wertegemeinschaft nicht zugehörig fühlt, ist für unsere Gesellschaft ebenso gefährlich wie ein türkischer.

Bedrohlich ist die Moralferne der Halbintegrierten

Bedrohlich ist nicht der religiöse Fundamentalismus, sondern die Moralferne der Halbintegrierten, die Melange von religiösem Machismo und Gangsta-Kult, islamistischem Chauvinismus und westlichem. Was die Kinder von Allah und 50 Cent gefährlich macht für unseren sozialen Konsens, sind nicht Gene oder Glaube. Gewalttätige Migranten sind nicht in erster Linie von religiösen Wahnvorstellungen unheilvoll beseelt, sondern weit häufiger von Drogen. In diesem Punkt unterscheiden sie sich nicht von Deutschen.

Der weitaus größere Teil der Bevölkerung in Deutschland nimmt dies auch so wahr. Der türkische Gemüsehändler an der Ecke wird geschätzt, auch wenn seine Töchter Kopftücher tragen. Er ist ein Bürger wie wir mit ähnlichen Werten von Fairness und Gerechtigkeit, Hilfsbereitschaft, Höflichkeit, Arbeitsmoral und Anstand. Wenn der Streit um Kopftücher, Karikaturen und Koran-Verbrennungen solche Aufregung verursacht, dann deshalb, weil solche Symbole beiden Seiten helfen, die Welt kurzfristig einfacher zu machen, als sie ist. Die generelle Ausländerfeindlichkeit in Deutschland hingegen hat über die vergangenen Jahrzehnte stark abgenommen. Ein kurzer Blick zurück auf die "Kümmeltürken"- und "Spaghettifresser"-Aversionen der siebziger Jahre belehrt darüber. Deutschland hat viel dazugelernt. Idioten gibt es immer und überall. Aber flächendeckender Rassismus ist (noch) nicht unser Problem.

Dafür gibt es ein anderes. Es ist die Angst vor einem Sozialkrieg. Es gibt viele Deutsche und Migranten, die sich zu dieser Wertegemeinschaft nicht mehr zugehörig fühlen. Die Schere zwischen Arm und Reich geht auseinander, die Milieus ohne Tugenden werden vermutlich wachsen: Eure Werte, euer sozialer Friede und eure Moral sind uns scheißegal!

 

"Unterm Strich zähl ich"

Der Moralverlust durchwirkt in je eigener Ausprägung alle Gesellschaftsschichten. Kriminelle Banker, die auf Staatskosten Milliarden verzocken und Millionen-Abfindungen bekommen, Kleinbetrügereien bei der Steuererklärung, tagtägliche Egoismen im Straßenverkehr. "Unterm Strich zähl ich", wie die Bankenwerbung uns indoktriniert. Auch die Dissozialen unserer Gesellschaft werden weniger durch muslimische Propaganda aufgeheizt als durch kapitalistische: durch Gangsta-Rap, Killerspiele und Pornografie.

Unsere Gesellschaft, unser Wirtschaftssystem, züchtet den Egoismus an allen Fronten. Das Problem dahinter ist nicht neu, es ist der Konflikt zwischen Liberalismus und Demokratie. Die Idee des Liberalismus ist der Freiheit verpflichtet, die Idee der Demokratie einer weitreichenden Gleichheit. Je freiheitlicher eine Gesellschaft, umso gefährdeter der gesellschaftliche Konsens. Niemand sah dies so scharf wie die Denker der "Freiburger Schule", die Väter der "sozialen Marktwirtschaft". Wirtschaftspolitik war für sie auch ein moralisches Erziehungsprogramm, um die Werte der Freiheit mit den Werten von Fürsorge und Anstand zu versöhnen.

Zu viel Freiheit macht unsicher

 

Leicht ist das nicht. Die vielleicht wichtigste Erkenntnis in diesem Zusammenhang formulierte Wilhelm Röpke: Die marktwirtschaftliche Ordnung beruht auf Voraussetzungen, die sie nicht selbst erzeugen kann. Wer gewinnorientiert und zweckrational handelt, verhält sich zwar ökonomisch schlau, aber er erzeugt damit keine Moral. Ganz im Gegenteil verbraucht er ein großes Kontingent an Moral, das er in der Gesellschaft vorfindet. Er nutzt die Regeln der Fairness. Er fordert Vertrauen ein und vertraut. Er geht von der Wahrhaftigkeit seiner Geschäftspartner aus, davon, dass sie ihre Waren tatsächlich liefern und ihre Kredite zurückzahlen. Doch all dies wird nicht vom Markt selbst geschaffen, sondern bereits vorausgesetzt, damit der Markt funktionieren kann. Aber: Je zweckrationaler die Menschen ihren Nutzen kalkulieren, umso ungesünder wird das gesellschaftliche Klima. Der Markt ist ein "Moralzehrer", der unsere moralisch-sittlichen Reserven verbraucht.

Bereits Anfang der siebziger Jahre diagnostizierte der amerikanische Soziologe Daniel Bell das Wertedilemma der westlichen Gesellschaften. Der westliche Mensch zerfalle heute in zwei Teile, die nicht mehr zusammenpassen. Die Wirtschaft benötige einen egoistischen Hedonisten und unersättlichen Konsumenten, der nie zufrieden ist, disziplinlos in seiner Gier nach mehr. Die Gesellschaft dagegen brauche einen bescheidenen Mitbürger, hilfsbereit und zufrieden. Wie soll man bei solchen Voraussetzungen seine Kinder erziehen? Wie soll man ein klares und überzeugendes Ideal formulieren? Was sind unter diesen Umständen die Leitwerte? Und was ist noch das Bürgerliche? Zu viel Freiheit macht unsicher. Wir sind zu gut informiert, um uns noch zu klaren Weltanschauungen zu bekennen, zu liberal, um Wertehierarchien zu formulieren, zu konsumorientiert, um Bescheidenheit zu predigen.

Der Ausverkauf der Moral wird beschleunigt

Die Wirtschaft hat sich seit den siebziger Jahren globalisiert. Das Internet hat internationale Geschäfte abstrakter und verantwortungsloser gemacht: Wenn Millionenbeträge nur durch einen Tastendruck am Computer ihren Besitzer wechseln, findet der ehrbare Kaufmann keinen Sitzplatz mehr. Geschäfte, wie sie heute in der Finanzwelt üblich sind, kennen keine Zeit zum Abwägen und keine Gesichter. Unsere Volkswirtschaft wächst immer weiter und spekuliert auf fortwährendes Wachstum. Der Ausverkauf der Moral wird beschleunigt, und dennoch fühlt sich die Bevölkerung, viele Umfragen bestätigen dies, seit Ende der sechziger Jahre nicht mehr glücklicher. Wir verbrauchen immer mehr Ressourcen, plündern die Umwelt und unterspülen die Fundamente der Moral, und am Ende sind wir nicht zufriedener als vorher.

Eine neue Idee von Wachstum zu entwickeln wäre die wichtigste Aufgabe unserer Wirtschaftspolitik. Aber dies wird nicht diskutiert. Stattdessen ergreift die bürgerlichen Mittelschichten ein fühlbares Unbehagen. Soll man sich mitfreuen, wenn sich der Wirtschaftsminister über den Aufschwung nach der Finanzkrise freut? Hurra, wir dürfen weiter unreflektiert den gleichen Mist machen wie vorher?

Wir dürfen nicht mit immer neuen Schulden den Egoismus züchten. Wir müssen eine Vernunft der Weitsicht in die Politik implementieren und nicht weiterhin mit einer kurzsichtigen Vernunft zwischen vermeintlichen Sachzwängen vermitteln.

Parteien sind nicht per se Garanten dafür, dass es demokratisch zugeht

Es geht dabei nicht um billige Politikschelte, wie der aufgebrachte SPD-Parlamentarier Hans-Peter Bartels mir unlängst im SPIEGEL (37/2010) unterstellte. Es geht darum, dass unsere politische Klasse, je näher sie der Macht ist, umso stärker die großen Probleme unseres Landes verdrängt. Was sich als "Vernunft" tarnt, ist in Wahrheit Klüngelei, Verzagtheit und Visionslosigkeit. Es geht darum, die Grenzen unserer Parteiendemokratie im gegenwärtigen Zustand zu erkennen. Es geht, ganz ohne Romantik, um mehr Demokratie. Soll man dafür tatsächlich in Parteien eintreten? Wer in den vergangenen Wochen verfolgen durfte, wie der demokratisch vereinbarte Atomausstieg unterlaufen wurde, der sieht, dass Parteien nicht per se Garanten dafür sind, dass es demokratisch zugeht. Und wer im Namen des Volkes gegen das Volk in Stuttgart den Hauptbahnhof tiefer legt, der versteht nicht die Zeichen der Zeit. Es geht um die Selbstbehauptung des gefährdeten Bürgertums an beiden Fronten: gegen das Dissoziale von oben und von unten, gegen die Oligarchie der Mächtigen und gegen die Anarchie der Ohnmächtigen.

Die Kunst, kein Egoist zu sein, muss wieder neu eingeübt, das Gute am Bürgerlichen neu belebt werden. Vermutlich bedarf es dafür eines Ausstiegs aus dem materialistischen Wachstumswahn. Der Umbau-Katalog beginnt bei mehr direkter Demokratie durch Plebiszite auf allen Ebenen. Er führt über eine Föderalismusreform mit dem Ziel, die Einflusssphären der Länder zu schwächen und die finanziell halbtoten Kommunen zu stärken. Und er endet in der Forderung nach einem Bildungssystem, das sich aller Kinder aller Schichten früh und verantwortungsvoll annimmt. Dazu freilich müssen die Bürger selbst Verantwortung übernehmen. Dissoziale Milieus zu verkleinern kann niemals allein die Aufgabe des Staats sein. Nicht zuletzt die Bürger der goldenen Generation, die Rentner und Pensionäre, tragen heute die Bringschuld, ihren Wohlstand in Allgemeinwohlstand zu überführen. Was hindert einen Pensionär, Migranten-Kindern Lesen und Werte beizubringen? Auch Sarrazin hätte dazu nun Zeit.

Die Quintessenz der Sarrazin-Debatte besteht nicht in einer allerorten unterstellten neuen Ausländerfeindlichkeit. Tiefer liegend macht sie einer breiten Unzufriedenheit Luft. Von Menschen, die sich nicht verstanden und gehört fühlen. Von Menschen mit Angst, denen Sarrazin ein falsches Ziel liefert. Von Skepsis gegenüber der Wahrhaftigkeit der Politik. Dieses Potential darf nicht von rechts fehlgeleitet werden, aber auch nicht verpuffen in Frustration. Verunsicherte Bürger, die wir fast alle sind, müssen wir stattdessen, wie Axel Honneth schreibt, das "Ich im Wir" wiederfinden und damit das "Wir im Ich".

Respekt.net ist von einer Jury des Awards "Fundraising Innvoation des Jahres" in die Endauswahl nominiert worden. Wer von den drei Kandidaten den Award gewinnt entscheiden die User online.

Es ist keine Registrierung oder Anmeldung notwendig, also bitte noch kräftig abstimmen. Die Frist läuft am 5.10. um Mitternacht ab!

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Zur Abstimmung geht es hier: http://www.fundraisingkongress.at/FundraisingAward2010/Voting/tabid/390/language/de-DE/Default.aspx

Die Kandidaten finden Sie hier: http://www.fundraisingkongress.at/FundraisingAward2010/DieTop3/tabid/413/language/de-DE/Default.aspx

Respekt.net benötigt insgesamt 250 Facebook-Likes, um in die Endauswahl des Deutschen Social Media Preises zu gelangen. Wir bitten um Eure Unterstützung: http://socialmediapreis.twittwoch.de/respekt-net/

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"Respekt! Das ist nicht nur ein Reizwort in der Jugendsprache, es ist auch eine Plattform, um die Umsetzung kreativer Ideen zur Verbesserung der Gesellschaft zu erleichtern.Hat jemand eine gute Projektidee, ihm oder ihr fehlen aber Zeit, Geld und Wissen, kann man die Idee hier vorstellen und Mitstreiter finden. Gesucht wird nicht nur nach Geld, sondern auch nach Akteuren (Menschen, die Zeit investieren), Investoren (Kapitalgeber) und Experten, die mit Ihrem Wissen zum Gelingen eines Projektes beitragen.

Eine Gute Idee lässt sich einfach und schnell auf der Projektbörse einstellen und und ab einem Betrag von 10 € können User die Umsetzung einer solchen Idee finanziell unterstützen.

Die Projektbörse Respekt.net funktioniert nach dem „Alles oder Nichts“-Prinzip. Das heißt, nur wenn ein Projekt gänzlich finanziert wird (das Zielbudget erreicht wird), erhalten die Projekt-InitiatorInnen das gespendete Geld."

Am Donnerstag, 14.10., findet ab 18 Uhr im Café Restaurant MILO im Museumsquartier der nächste Respekt.net-Stammtisch statt. In gemütlicher Atmosphäre können sich dort interessierte und engagierte Menschen, VernetzerInnen, Aktivistinnen und Alle, die etwas bewegen wollen austauschen und diskutieren.

Viele Projekte benötigen zur Realisierung neben der finanziellen Unterstützung natürlich auch Menschen, die ihre Zeit (als ProjektakteurIn) und/oder Ihr Wissen (ProjektexpertIn) zur Verfügung stellen. Respekt.net-Mitarbeiter werden vor Ort die verschiedenen Benutzerrollen auf der Webseite präsentieren und erklären, wie man denn eigentlich Zeit und Wissen in Projekte investieren kann.

Um Anmeldung wird gebeten bei Christoph Fischer (0650/2706979, christoph.fischer@respekt.net) oder Ferdinand Lischka (ferdinand.lischka@respekt.net, 0699/10151308)

Link: Café-Restaurant Milo

Zwischen Nachbarn

Das Projekt "Zwischen Nachbarn - Jenseits der Feuermauern" konnte dank der Unterstützung von 23 Menschen ausfinanziert werden. Über den Stand der Umsetzung dieses und aller anderen Projekte kann man sich über die Projektnews informieren. Den Projektabschlussbericht finden Sie dann auf der Projektseite im Bereich "Abschlussbericht".

 

Diese drei neuen Projekte warten auf Unterstützung:
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Die Bekämpfung von Vorurteilen, die Förderung kultureller Vielfalt, mehr Respekt gegenüber psychisch kranken Menschen - die Behandlung dieser Themen war der Respekt.net Community bisher ein besonderes Anliegen. Aus diesem Grund konnten folgende drei Projekte bereits fast bis zur Gänze finanziert werden. Investieren auch Sie in diese Projekte und ermöglichen damit deren Umsetzung.

Machen Sie jetzt mit beim Endspurt und investieren Sie in eines der Projekte. Bis Montag 1.11.2010 möchten wir diese drei Projekte gemeinsam ausfinanzieren.

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Die Politik der leeren Taxis

Forschungsarbeit: Die Politik der leeren Schwechat-Taxis - zur Organisation der Taxis am Flughafen.
Warum fahren Wiener Taxis leer vom Flughafen zurück, Schwechater Taxis leer hinaus?

 

Arbeitsbehelf für Lehrkräfte: "Kompetenz im Umgang mit Vorurteilen"
Der Arbeitsbehelf soll Lehrkräfte unterstützen, die Entstehung wie auch das Wirken von Vorurteilen und Feindbildern verständlich zu machen und wird vom Sir Peter Ustinov Institut gemeinsam mit namhaften Wissenschaftern erarbeitet. Es wurden über Respekt.net bereits 15.629 Euro gesammelt, es fehlen für die Umsetzung nur noch 535 Euro!

 

Theater Grenzenlos

Theater Grenzenlos
Improvisationstheater mit einer bunten Gruppe von MigrantInnen und ÖsterreicherInnen. Hier gibt es Raum und Zeit, einander kennen zu lernen, Geschichten zu erzählen, sich auszuprobieren und andere Charaktere, Kulturen und Lebensentwürfe zu erleben.

 

Unsere Wiener Küche - "Vielfalt ist die Würze des Lebens"
Wien war und ist Schmelztiegel vieler Kulturen. Alle die nach Wien kamen brachten ihre Esstraditionen mit. Dieses Projekt für Schulkinder zwischen 9 und 12 Jahren soll dazu dienen, dass sie ihr Essen und dadurch ihre Esstraditionen und ihren kulturellen Hintergrund teilen. Damit dieses Projekt umgesetzt werden kann, benötigt die Initiatorin Stefanie Lichtenstein noch 1.289 Euro!

 

Atheistische Religionsgemeinschaft

Atheistische Religionsgesellschaft – Mobilisierungsinitiative R1/2010
Die „Atheistische Religionsgesellschaft in Österreich“ strebt die Anerkennung als staatlich eingetragene religiöse Bekenntnisgemeinschaft an.

PSYCHIATRIE - Produktionsrecherche und Theaterperformance
Durch ausführliche Recherchen und persönliche Studien zum Themenkreis Psychiatrie und Hirnforschung entsteht ein Theaterstück, dass eine offenere Haltung gegenüber seelisch erkrankten Menschen bewirkt. Im Jänner 2011 sollen vier Aufführungen stattfinden. Der Theaterverein "Einmaliges Gastspiel" benötigt für sein Projekt noch 830 Euro!

 

Quasi pünktlich zum Launch der Respekt.net Projektbörse haben wir unseren tausendsten Fan auf Facebook dazugewonnen.

Respekt.net likes this!

Weiterlesen...

 Sehr pointierter Kommentar von NEWS Chefredakteur Peter Pelinka, 15.6.2010 Heute

Von echter Gleichberechtigung sind nicht nur die Führungsetagen vieler Firmen weit entfernt, sondern auch Labore: Bei Tierversuchen gibt es einen teils starken Männchen-Überschuss. Forscher fordern, das zu ändern - sie fürchten auf lange Sicht um die Gesundheit von Frauen.

Bei Tierversuchen werden zu wenige Weibchen eingesetzt - diesen Vorwurf erheben zwei US-Forscher in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Nature". Männchen würden in den Laboren immer noch dominieren, schreiben Irving Zucker und Annelies Beery von der University of California in Berkeley. Weil die Ergebnisse vieler Experimente in die Therapie von Krankheiten einflössen, könne dies ernsthafte Auswirkungen auf die Gesundheit von Frauen haben.

 

mehr: www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,699457,00.html

OHNE WORTE aber ernst gemeint: derzeit auf Wiener Plakatwänden zu sehen:

Intelligenz braucht keinen Reisepass. Mit nur 24 Jahren ist der Ukrainer Ostap Okhrin der jüngste Universitätsprofessor Deutschlands. Hut ab!

Er würde übrigens gut zum Role Models Projekt passen...

www.handelsblatt.com/karriere/ostap-okhrin-einstein-junior;2259606

Copyright Tim Yarzhombek

Irgendwann musste er es ja bemerken. Jahrelang hat Manuela, 51, Ihrem Sohn verheimlicht, wofür Sie sich schon in der Schule geschämt hat. Es war dann doch recht auffällig, dass Sie gerade immer dann "Ihre Brille verlegt" hatte, wenn der Kleine Ihr die Hausaufgaben zeigen wollte. Umso mehr, weil sie sonst eigentlich nie eine Brille trägt.

Manuela ist eine von rund 4 Millionen AnalphabetInnen in Deutschland, immerhin 5 % der deutschen Bevölkerung. In Österreich sind laut Schätzungen von UNESCO rund 300.000 Menschen betroffen.

AnalphabetInnen „können keine U-Bahn-Pläne lesen, keine Gebrauchsanweisungen verstehen und keine Formulare ausfüllen“.  Schwer vorstellbar sich in unserem schnellebigen Alltag zurechtzufinden.

Mehr: www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,698449,00.html

Der Kolaric, Aktion Mitmensch, 1973


"I haaß Kolaric, du haaßt Kolaric. Warum sogn´s zu dir Tschusch".

Das Plakat des Kolaric ist wohl das bekannteste Plakat zum Thema Rassismus und
Fremdenfeindlichkeit aus den siebziger Jahren. Viele weitere folgten – die Initiative Minderheiten
hat es sich zur Aufgabe gemacht, Plakate zu diesem Themenkreis zu sammeln und zu archivieren.

http://derstandard.at/2781959/bAnsichtssacheb-I-haass-Kolaric?_slideNumber=1&_seite=1&sap=2

 

Gemeinsam mit Ferdinand, einem Obdachlosen, machte sich derStandard.at auf, um "das andere Wien" kennenzulernen.

 

Es sind jetzt sechs Jahre." Seit dem 26. April 2004 lebt Ferdinand auf der Straße, er ist obdachlos. Trotzdem hat er keine Scheu offen darüber zu sprechen, nur seine komplette Identität möchte der 53-Jährige nicht preisgeben.  "Ich habe die Hoffnung eben noch nicht aufgegeben, dass ich irgendwann einmal wieder ein normales Leben führen kann." Seinen Tag beginnt Ferdinand in der Salvatorgasse 12, bei den Redemptoristen im Kloster. Doch nicht um zu beten, sondern um sich sein tägliches Frühstück zu besorgen: eine warme Mahlzeit und Brote für unterwegs.

"In Wien muss niemand hungern"

Seit mehr als vierzig Jahren schon öffnet sich jeden Tag um zehn Uhr die grüne Tür der Klosterpforte und seit sieben Jahren ist es Frau Barbara die aufsperrt. Gut und gern dreißig Leute mit wenig oder gar keinen Mitteln nehmen dann im Vorraum Platz und bekommen Gebäck und Wurst, die von einer Bäckerei und einer Fleischerei im ersten Bezirk gesponsert werden. Die meisten sind obdachlos, suchen aber neben der kostenlosen Mahlzeit auch eine Möglichkeit für ein Gespräch. Ferdinand wird, als er zur Tür hereinkommt, von den meisten begrüßt. "In Wien muss niemand hungern", ist sich der große Mann mit den schwarzen Haaren, die schon ein wenig grau geworden sind, sicher und verlässt das Kloster mit einem vollen Sackerl, nur um ein paar Häuser weiter wieder in einem Torbogen zu verschwinden.

Dreieinhalb Hauben für Suppenküche

Es ist die Adresse Salvatorgasse 5, die Pfarrgemeinde St. Salvator der altkatholischen Kirche. Jeden Mittwoch, seit fast drei Jahren, steht ein Team von fünf Frauen am Suppentopf und verköstigt bedürftige Leute, finanziert aus Spenden und einem Teil des Pfarrbudgets. "Das ist die beste Suppe von ganz Wien", schwärmt Ferdinand unter anderem von den Kochkünsten "Hedis", die heute für die Gemüsesuppe verantwortlich ist. Deshalb hätte er auch, mit seinem Freund Ludwig und einem weiteren Bekannten, der Suppenküche "Dreieinhalb Hauben und den goldenen Kochlöffel am blauen Band" verliehen. Die Auszeichnung hängt im Vorraum zum Esszimmer und besteht aus dreieinhalb Wollhauben und dem passenden Kochlöffel.

"Nie Alkohol getrunken"

Die Damen plaudern mit Ferdinand wie mit einem alten Bekannten und er erzählt, dass er mittlerweile durch einen Freund eine kleine Wohnung nutzen kann: "Seit einem knappen Monat schon habe ich ein Dach über dem Kopf, und sogar einen Fernseher." Den hätte er aber in der Zeit nur zweimal kurz aufgedreht: "Ich gehe eben lieber in den Park und lese ein Buch, das bin ich so gewohnt." Ferdinand hat in seiner Tasche immer mindestens ein Buch eingepackt und vertreibt sich mit Lesen den Tag. Das käme ihm sinnvoller vor, als wie andere Obdachlose, seine Probleme mit Alkohol zu ertränken: "Ich habe keinen Tropfen Alkohol getrunken, seit ich auf der Straße lebe." Und Probleme hat der 53-Jährige genug: Obwohl er einen Nachweis vom AMS in der Tasche hat, der ihn als "nicht vermittelbar" bezeichnet, bekommt er vom Staat keine Sozialhilfe. Ein Verfahren sei aber schon seit 2005 anhängig. "Bis dahin komme ich mit zirka 10 Euro in der Woche aus." Geld, das sich Ferdinand durch Gelegenheitsjobs verdient.

"Es war meine Schuld"

Nachdem Ferdinand die Suppenküche verlassen hat, zeigt er Einrichtungen der Franziskaner und Dominikaner, die auch eine Mahlzeit für Bedürftige austeilen. Auf dem Weg durch den ersten Bezirk spricht der Obdachlose dann auch zum ersten Mal über den Grund seiner Lage: "Hochmut und reine Selbstüberschätzung". Er wäre selbst Schuld gewesen und hätte durch einen großen Fehler sein ganzes Vermögen verloren, früher wäre er ein erfolgreicher Geschäftsmann mit eigenem Unternehmen gewesen. "Ich suche bei niemand anderem die Schuld aber ich glaube, dass ich trotzdem eine zweite Chance verdient hätte", sagt Ferdinand. Als er über den Stubenring spaziert, zeigt er nach rechts auf den Stadtpark: "Dort, in dem öffentlichen WC habe ich meinen ersten Toten gefunden." Es sei ein junger Mann gewesen, der offenbar an einer Überdosis Drogen gestorben war: "Die Spritze ist noch in seinem Arm gesteckt", erzählt Ferdinand.

Handel mit Substitol auf der Straße

Auch er hätte bereits Angebote bekommen, Drogen zu verkaufen. "Man hat mir gesagt, dass ich damit bis zu 1000 Euro im Monat verdienen könnte, aber solche Sachen sind mir zu heiß", sagt Ferdinand und berichtet von Fehlern im öffentlich finanzierten Therapiesystem: "Man hat mir gesagt, ich soll nur eine Tablette nehmen und dann zu einem bekannten Arzt gehen, der würde mich dann in einen Becher pinkeln lassen und ins Substitol-Programm aufnehmen." Die Ersatzdrogen solle er dann einfach nicht schlucken, sondern weiterverkaufen. "Das wird immer wieder so gemacht", weiß der Obdachlose.

"Zuerst schlägst du zu"

Als er schließlich über die Brücke neben dem Stadtpark geht, berichtet er von seinem ersten Schlafplatz am Donaukanal: "Dick eingewickelt in meinen Schlafsack, war ich aufs Überleben fixiert." Wenn man auf der Straße lebt, würde man anders schlafen: "Man schläft immer mit einem offenen Auge." Selbst die Polizisten hätten gewusst, dass man sich ihm nicht ohne weiters nähern dürfe, wenn er schläft: "Zuerst schlägst du zu und erst danach fragst du", sagt Ferdinand. Im dritten Bezirk angekommen, gibt sich der große Mann mit dem Oberlippenbart in Ruhe einem seiner wenigen Laster hin: dem Kaffeetrinken.

Kein Kontakt zu den Eltern

Bei einer Melange erzählt er dann auch von seiner Kindheit: "Meine Eltern habe ich das letzte Mal gesehen, als sie mich mit sechs Jahren im Kloster abgegeben haben." Insgesamt 12 Jahre verbrachte Ferdinand dann im Stift Göttweig in Niederösterreich und ging dort auch zur Schule. "Mit 16 Jahren habe ich dann erfahren, dass der Abt mein Vormund ist und mit 18 habe ich mich schließlich vom Gericht für volljährig erklären lassen", berichtet der 53-Jährige. Damals lag die Altersgrenze noch bei 21 Jahren. Nach seinen Eltern habe er danach nie wieder gefragt: "Ich hab jedes Weihnachten gewartet, dass mich jemand abholt, aber es ist niemand gekommen."

Keine Beziehung auf der Straße

Unterstützung durch die Familie hätte Ferdinand demnach auch nie bekommen, seit 1983 ist er von seiner Frau geschieden und Kinder hätte es keine gegeben. Über Beziehungen auf der Straße hätte er sich auch nie Gedanken gemacht: "Mit einer Frau aus der Obdachlosenszene kam es für mich sowieso nicht in Frage und bei anderen Frauen hätte ich immer das Gefühl, dass ich mich aushalten lassen würde." Deshalb würde er mit dem Thema auch noch solange warten, bis er eine feste Wohnung und einen fixen Job hätte. "Obwohl mein Leben öffentlich ist, und mich jeder in allen Lebenslagen beobachten kann, bin ich sicher der einsamste Mensch von Wien", sagt Ferdinand und blickt immer wieder nach unten.

"Niemand muss in Wien stinken"

Der nächste Aufenthalt des Mannes liegt gleich um die Ecke des Cafés, bei den Elisabethinen. Dort wird jeden Tag von 13.30 - 13.45 Uhr das "Elisabethbrot" geöffnet, wo Kleidung und Essen ausgegeben werden. Schon eine Stunde bevor sich die Türen für die Bedürftigen öffnen, wartet eine Schlange von Menschen vor dem Gebäude: "Da ist immer viel los", sagt Ferdinand und dreht sich, nach einem Blick in die Tür, wieder um. Welcher Luxus aus seinem früheren Leben ihm heute am meisten fehlt? "Die tägliche Dusche", ist die schnelle Antwort des Obdachlosen und er lacht. "Obwohl in Wien muss keiner auf der Straße stinken. Wenn du den Sozialpass bekommst, dann kannst du in den öffentlichen Bädern gratis duschen und ich schaff es auch einmal in der Woche mich zu reinigen, ohne den Pass", erzählt er und steigt die Treppen zur U4 hinunter. Dabei fühlt er sich nicht immer wohl, weil er große Menschenansammlungen noch immer meidet: "Ich habe Angst, dass mich jemand von früher erkennt und ich Erklärungsbedarf habe."

"Mit Ehrlichkeit fährt man am besten"

Einen Fahrschein für die öffentlichen Verkehrsmittel kann sich Ferdinand nicht leisten. Er sagt aber, dass "90 Prozent aller Kontrolleure verständnisvoll sind, wenn man ehrlich sagt, dass man obdachlos ist". Nur einmal hätte er eine Strafe bekommen und sei dann mit dem Zahlschein nach Erdberg in das Kundenzentrum der Wiener Linien gefahren. "Dort habe ich dann angeboten, meine Strafe abzuarbeiten und dem Angestellten dort gesagt, dass ich zurzeit noch am Donaukanal logiere", erzählt Ferdinand von seinem Erlebnis. Der Mitarbeiter der Wiener Linien hätte den Zettel dann genommen, zerrissen und gesagt: "Das hat sich schon erledigt" dann hätte er Ferdinand noch zehn Fahrkarten geschenkt. "Wenn man ehrlich ist, fährt man noch immer am besten", ist er sich sicher.

"s' Häferl" als Zufluchtsort

Ab zwei Uhr trifft man Ferdinand dann meistens im sechsten Bezirk, in der Horbostelgasse, dort wo "'s Häferl" ist. "'S Häferl" ist eine Einrichtung der Stadtdiakonie Wien und wird unter anderem von der evangelischen Kirche unterstützt, die etwa die Räumlichkeiten, eine Unterkirche, zur Verfügung stellt. Auch das Justizministerium subventioniert die Einrichtung. Eigentlich war die Stelle als eine Art von Selbsthilfegruppe für Haftentlassene und Freigänger konzipiert, doch bekommen alle bedürftigen Menschen ein kostenloses Essen, das sogar durch die Mitarbeiter serviert wird. "Wir teilen im Schnitt 74 Essen pro Tag aus", erzählt Leiter Norbert Karvanek. Dabei ist er vor allem stolz darauf, dass bei ihm eine Vielzahl unterschiedlicher Leute jeden Mittwoch, Samstag und Sonntag an den Tischen Platz nimmt und aus den Gästen eine kleine Gemeinschaft geworden ist.

Bei einem Kaffee im "'s Häferl" berichtet Ferdinand auch von seiner Kulturleidenschaft: "Jedes Mal, wenn ich drei Euro beisammen habe, schaue ich, dass ich Stehplatzkarten für das Burgtheater oder die Staatsoper bekomme." Außerdem sei für ihn am Wochenende "Presseschau": "Denn nur dann habe auch ich die Möglichkeit an Qualitätszeitungen zu kommen, unter der Woche muss ich mich mit heute und Österreich begnügen."

Mit Freunden zu Tisch

Nach einem kurzen Fußmarsch und ein paar Stationen mit der Straßenbahn, steht der letzte Stopp des Tages auf dem Plan: die Caritas-Einrichtung Breitensee, die jeden Montag, Mittwoch und Freitag ab 15:00 Uhr geöffnet hat. Es ist die einzige Einrichtung, die Ferdinand nützt, die von der Gemeinde Wien unterstützt wird. Weil er keine Sozialhilfe bekommt und nicht an das System des Sozialfonds glaubt, meidet er solche Stellen prinzipiell. Hier trifft er aber täglich seinen besten Freund, seit er auf der Straße lebt: Ludwig. Der ältere Herr, der aufgrund einer Krankheit, in Frühpension ist, teilt mit Ferdinand Sorgen und auch Freuden. Gemeinsam mit Johann, der auch obdachlos ist, wird am Tisch in der Ecke gelacht und von früheren Zeiten gesprochen, über ehemalige Reisen und das Leben vor der Obdachlosigkeit.

Kleiderausgabe und Verköstigung

In der Caritas-Küche herrscht derweil reges Treiben: Thomas, Gabi und Ernst, die heute für die Gäste zuständig sind, wärmen Leberknödelsuppe und Hendlhaxen mit Pommes. Das Essen wird von der privaten Volksschule Josephinum geliefert und besteht aus den Resten des Mittagessens der Schüler. Alles wird noch am selben Tag verarbeitet und sollte noch etwas überbleiben, dürfen es sich die Obdachlosen auch mitnehmen. Seit 35 Jahren schon gibt es die Institution und jeden Tag kommen um die 30 Bedürftigen zum Essen. Am Mittwoch gibt es außerdem noch die Kleiderausgabe und Gabi öffnet Schränke und Kommoden.

"Ich laufe im Kreis"

Wieder zurück am Tisch, wurde der Hauptgang schon serviert und Ferdinand packt seinen Pfeffer- und Salzstreuer aus: "Das Essen von der Schule ist immer so mild." Nach ein paar Bissen vom Hendl gibt er dann auch sein Lebensmotto preis: "Ich stell mir immer vor, dass ich im Kreis laufe und es einen Ausgang gibt, ich ihn aber noch nicht gefunden habe. Bis dahin laufe ich immer wieder daran vorbei, bis ich einmal dagegen renne." Und das wird Ferdinand auch am nächsten Tag wieder tun, wenn er zum Frühstücken ins Kloster der Redemptionisten in der Salvatorgasse 12 geht, wie jeden Tag. (Bianca Blei/derStandard.at/27.4.2010)

Geringe Beihilfen und unfaire Benotung hindern Kinder aus einkommensschwachen Familien, einen höheren Bildungsabschluss zu erreichen

 

Wien - Obgleich in Österreich eigentlich jedes Kind dieselben Bildungschancen haben sollte, werden Kinder aus armen Familien mit vielerlei Hindernissen konfrontiert, die sie an einer hohen Bildung und Ausbildung hindern. Die sogenannten "Early School Leavers" - junge Menschen, die die Schule abbrechen und sich auch danach in keiner Ausbildung befinden - kommen vorwiegend aus armen, niedrig-qualifizierten Elternhäusern, oftmals mit Migrationshintergrund. 10 Prozent aller 18 bis 24-Jährigen zählen zu dieser Gruppe, zeigt eine Studie der IHS (Institut für höher Studien), die am Mittwoch im Rahmen einer Enquete unter dem Titel "Zukunft trotz(t) Herkunft" präsentiert wurde.

Österreich hat im EU-Vergleich zwar keine überdurchschnittlich hohe Quote an diesen "Bildungs-Abbrechern", allerdings sind die Gründe, warum es vor allem Kinder aus bildungsfernen Schichten so oft betrifft, nicht nur bei der familiären Umgebung zu suchen. Neben der frühen Schul-Selektion mit 9 Jahren, sind es vor allem fehlende Sozialleistungen, fehlende Sozialarbeiter und Psychologen, und unfaire Notenvergaben, die arme Kinder doppelt so hart trifft wie andere.

Mütter als Halbtagslehrerinnen

Das beginnt etwa bei der Tatsache, dass niedrig-qualifizierten Eltern aufgrund ihrer eigenen geringen Vorkenntnisse nicht mit ihren Kindern lernen können, erklärt Gabriele Schmid, Bildungsexpertin der Arbeiterkammer (AK), gegenüber derStandard.at. "Andererseits haben aber genau diese Menschen auch kein Geld für Nachhilfe." Die Förderung und Forderung der Kinder zu Hause sei  - ob bewusst oder unbewusst - in vielen dieser Familien nicht ausreichend vorhanden. Eine Verantwortung die nun mehr und mehr die Schule übernehmen soll und muss. "Es ist nicht mehr zeitgemäß, dass Mütter als Halbtagslehrerin arbeiten und mit ihren Kindern die Hausübung erledigen", sagt Schmid. 2005 waren es laut einer Befragung im Auftrag der Arbeiterkammer immerhin noch 63 Prozent aller Eltern, die in der Volksschulzeit mit ihren Kindern gemeinsam lernen.

Wer gute Noten hat, bekommt mehr Geld

Ein weiteres Problem betrifft die Sozialleistungen, von denen Betroffene oft gar nichts wissen und deren Höhe und Vergabe von Bundesland zu Bundesland stark variiert. Den größten Zuschuss können Kinder mit der SchülerInnenbeihilfe erhalten, die durchschnittlich bei 947 Euro im Jahr liegt. Diese ist allerdings an einen Notendurchschnitt (derzeit bei 2,9)  gekoppelt, was nun gerade schwache Schüler aus dem Bezieherkreis exkludiert. "Gerade die, die es ohnehin schon schwer haben, kommen wieder zum Handkuss", meint Schmid. Weiters bekommen derzeit rund 10,8 Prozent aller SchülerInnen die Beihilfe ausbzehalt, die Anzahl von Kindern und Jugendlichen, die in Einkommensarmut leben müssen, liegt allerdings bei 14,6 Prozent. Martin Schenk von der Armutskonferenz und Gabriele Schmid von der Arbeiterkammer fordern deshalb, dass die Vergabe der Beihilfe nicht mehr an den Notendurchschnitt gekoppelt werden soll, es allerdings weiterhin für gute Noten einen Erhöhungsbeitrag geben soll.

Mehr Sprachkurse, externe Projekte

Was Eltern aus einkommensschwachen Haushalten ebenfalls immer mehr in die Bredouille bringt, sind die wachsende Anzahl an externen Schulveranstaltungen. "Natürlich sollen sich die Schulen nach außen hin öffnen, aber gleichzeitig bedeutet das auch, dass von den Eltern mehr Geld aufgewendet werden muss", so Schmid. Die Beihilfen für Schulveranstaltungen - die auch hier wieder stark regional variieren - sind meistens nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Für einen Sprachkurs muss man teilweise mit 1000 Euro rechnen, die Höhe der Unterstützung endet meist bei 200 Euro.

Arbeitsmarkt statt Bildung

Wer einmal das Handtuch geworfen hat und die Schule verlassen hat, dem steht auch keine rosige Zukunft bevor. Die Gefahr der 18- bis 24-jährigen Schulabbrecher, arbeitslos zu werden, ist doppelt so hoch wie die ihrer Alterskollegen, die länger in der Schule waren. Problematisch sei nach Schulabbruch die fehlende Unterstützung von Seiten der Schule und der Gesellschaft. "Man sollte sich stärker um diese Abbrecher bemühen, ihnen neue Möglichkeiten aufzeigen, anstatt die Selektierung zu betonen", meint Schmid. Präventiv wird in Österreich nicht viel getan, um jemanden vom Schulabbruch abzuhalten, hält auch Martin Steiner vom IHS fest. Anstatt die Reiintegration ins Bildungssystem zu forcieren, wird danach meistens versucht, die Jugendlichen in den Arbeitsmarkt zu integrieren.

Leistung ist nicht gleich Leistung

Doch auch wenn sich ein Schüler aus einer einkommensschwachen Familie noch so viel Mühe gibt und viel Begabung zeigt, heißt das nicht, dass er dieselben Chancen hat, eine höheren Schule besuchen zu können, wie jemand aus einer reichen Familie. Einerseits werden, wie Günther Haider (Direktor des BIFIE) bei seinem Vortrag darlegte, Kinder aus ärmeren Familie bei gleichen Test-Ergebnissen oft schlechter benotet als ihre reicheren SchulkollegInnen. Und auch wenn die Noten entsprechend hervorragend sind, gehen Kinder aus diesen benachteiligten Gruppen viel seltener an eine AHS. (Teresa Eder/derStandard.at, 13.01.2010)

Fünf Milliarden in den Händen von zehn Leuten: Eine kleine Oberschicht besitzt den Löwenanteil an Unternehmen

 

Wien - Es ist ein winziger Kreis mit einem riesigen Vermögen: Zehn Personen besitzen in Österreich Unternehmensbeteiligungen in der Höhe von insgesamt fünf Milliarden Euro. Das ist ein Viertel des Werts aller Firmen, die als GmbH organisiert sind.

Diese Zahlen stammen aus einer brandneuen Studie der Österreichischen Nationalbank. Immer wieder nimmt das Institut die Vermögensverteilung unter die Lupe - und liefert damit Unterfutter für eine schwelende politische Debatte. Der Streit um höhere Steuern auf Vermögen dreht sich vor allem um die Frage, wer diese denn bezahlen müsste. Bluten werde die breite Masse, behaupten die Gegner. Kanzler Werner Faymann sagte unlängst im Standard-Interview: "Der Mittelschicht drohe ich nicht mit neuen Steuern."

Konzentriertes Vermögen

Die Daten der Nationalbank - sie stammen aus dem Jahr 2005 - stützen diese These nicht. Studien hatten sich bereits Aktien, Immobilien und Geldvermögen gewidmet, nun nahmen sich die Forscher Michael Andreasch, Pirmin Fessler und Martin Schürz Unternehmensbeteiligungen an GmbHs an. Kernergebnis der Untersuchung, bei der das Nominalkapital und - so vorhanden - die Rücklagen analysiert wurden:Das Beteiligungsvermögen ist noch viel stärker auf eine kleine Oberschicht konzentriert als in den anderen Bereichen.

Lediglich 64 Prozent aller Unternehmen in Österreich sind GmbHs, doch diese vereinen 90 Prozent des gesamten Eigenkapitals (Banken und andere Finanzinstitute ausgenommen). Beteiligungen daran halten nur drei Prozent der privaten Haushalte. Der Gesamtwert dieses Vermögens beträgt 18,6 Milliarden Euro.

Innerhalb dieser exklusiven Gruppe ist der Besitz noch einmal äußerst ungleich verteilt. Die obersten zehn Prozent nennen mit 17,1 Milliarden Euro 92 Prozent des Gesamtvermögens ihr Eigen. Das Top-Tausendstel kommt immer noch auf 39 Prozent, das reichste Zehntausendstel auf ein Viertel. Macht bei rund 100.000 Anteilseignern fünf Milliarden in den Händen von zehn Leuten.

Im Durchschnitt sind die Beteiligungen einer Person 176.000 Euro wert, doch 60 Prozent besitzen weniger als 10.000 Euro. Ein Fünftel verfügt hingegen über ein Eigentum von über 100.000 Euro, rund fünf Prozent halten Anteile mit einem Wert von mehr als einer halben Million. Zum Vergleich: Die Gewerkschaft der Privatangestellten, die ein ausgeklügeltes Modell für allgemeine Vermögenssteuern vorgestellt hat, würde den Fiskus erst ab einem Vermögen von 500.000 Euro zuschlagen lassen. Die radikaleren Grünen räumen eine Freigrenze von 100.000 Euro ein, die immer noch mehr als die Hälfte der Unternehmensbesitzer aus der Pflicht entließe - sofern sie keine sonstigen Werte haben.

Auch zum Vermögen der umstrittenen, weil steuerlich begünstigten Privatstiftungen liefert die Nationalbank Daten: Im Durchschnitt hält eine derartige Einrichtung GmbH-Anteile von 6,4 Millionen Euro, das Gesamtvolumen beträgt 9,2 Milliarden Euro. Rund 70 Prozent der Stiftungen kommen auf einen Wert von über 100.000 Euro, 40 Prozent auf über eine Million, 20 Prozent auf mehr als fünf Millionen Euro.

Viele Mehrfachbesitzer

Nicht nur die Privatstiftungen besitzen freilich in der Regel weiteres, anderwärtig angelegtes Vermögen, auch die an Unternehmen beteiligten Einzelpersonen sind oft Mehrfachbesitzer.

Indem sie ihre alten Erhebungen mit den neuen Daten verknüpften, belegen die Nationalbank-Experten das Naheliegende: Wer Firmenanteile sein Eigen nennt, verfügt auch über ein höheres Haushaltseinkommen, besitzt häufiger Wertpapiere und die eine oder andere Immobilie. (Gerald John, DER STANDARD, Printausgabe, 13.1.2010)

Wissen: Rund 420 Milliarden Euro beträgt das private Geldvermögen in Österreich laut gesamtwirtschaftlicher Finanzierungsrechnung. In einer früheren, aufwändig angelegten Umfrage hat die Nationalbank erhoben, wie diese riesige Summe - die auch die Unternehmensbeteiligungen inkludiert - insgesamt verteilt ist.

Das oberste Prozent hält demnach 27 Prozent des gesamten Geldvermögens, das Top-Zehntel verbucht über die Hälfte, das reichste Drittel vier Fünftel. Das schlägt sich auch in der Verbreitung von Wertpapieren, in denen das Geld mitunter angelegt ist, nieder: Je höher Einkommen und Vermögen, desto eher hält jemand Aktien.

Ein ähnliches Bild bietet sich bei den Immobilien: Die obersten zehn Prozent besitzen über 60 Prozent des in Wohnungen, Häusern und anderen Objekten angelegten Vermögens.

was berlin kann, sollte österreich auch können oder?

das österreichische schulsystem ist antiquiert und wird in dieser form auch nur noch in deutschland und der schweiz praktiziert. nur zyniker können behaupten, der rest der welt ist zu dumm, um zu erkennen, dass wir das bessere schulsystem hätten.

Nach 35 Jahren Siechtum wird in Berlin die Hauptschule abgeschafft– endlich!

schon mehr als 200.000 österreicherInnen arbeiten vollzeit und sind doch niedriglohnempfängerInnen, besonder betroffen frauen.

eine studie aus salzburg, für das bundesland salzburg, zeigt auf eindrückliche weise trends auf, die unbekämpft in eine strukturelle armut führen.

Weniger Arbeit, mehr Druck auf Löhne

eine interessante abhandlung über die treffsicherheit von verschiedenen sozialsystemen und ihre auswirkungen auf armut in einem land

http://www.armut.at/armutskonferenz-armutsforschung-reichtum-verteilung-treffsicherheit.htm

die fakten liegen ja schon länger am tisch, doch trotzdem schafft man es nicht über die eigenen schatten zu springen. wobei man sagen muss, dass die koalition derer, die ganztagsschulen und / oder gesamtschulen verhindern wollen, breiter ist als man denkt.

große teile der lehrergewerkschaften, politische parteien, die solche konzepte nicht mit ihrer ideologie vereinbaren können, doch auch jene eltern, die angst davor haben ihre kindern mit den sogenannten schmuddelkindern in eine schule zu schicken.

anbei ein link zu einem kommentar von einer, die es wissen muss:

Schreckgespenst Ganztagsschule?

 

hier noch ein link zum thema schulreformen:

http://www.bildunggrenzenlos.at/

© X-Verleih
Günter Wallraff in "Schwarz auf Weiss"

Deutschlands berühmtester Undercover-Journalist reist als schwarzer Migrant durch die Republik und macht nicht die besten Erfahrungen.

Günter Wallraffs Recherche-Methoden sind berüchtigt, unter dem Pseudonym Hans Esser arbeitete er 1977 in der Lokalredaktion von BILD in Hannover und veröffentlichte seine Erfahrungen in dem Buch "Der Aufmacher" und in der Doku "Der Mann, der Heinz Esser war", als türkischer Gastarbeiter war er in Buch und Film "Ganz unten", seine Ermittlungen im Milieu von Call-Centern , Großbäckereien, der Deutschen Bahn und unter Obdachlosen wurden in der ZEIT veröffentlicht. 

Diesmal zieht er als Schwarzer Kwami Ogonno los, mit versteckten Kameras im Hemdknopf, in der Sonnenbrille, im Tragebeutel (was im wahrsten Sinne des Wortes zu Schwindel erregenden Bildern führt). Mit Perücke und entsprechendem Make-Up lernt er schnell, was es heißt, die falsche Hautfarbe zu haben. Der sah aus wie "der Heidi Klum ihrer" erzählt die Vermieterin erschrocken, als er sich die Wohnung angeguckt hat. Der schwarze Mann im auffallend gemusterten Hemd trifft zumeist auf "bildungsferne Schichten", muss sich mit den Vorurteilen von national gesinnten Fußballfans, spießigen Kleingärtnern, wandernden Rentnern oder Dauercampern auseinandersetzen. Manchmal wird ihm direkt bedeutet, er sei unerwünscht, manchmal durch die Blume. "Jede Gesellschaft lässt sich daran messen, wie sie auf Fremde reagiert" sagt Wallraff vor der Begegnung mit dem alltäglichen Rassismus und endet nach einem Jahr mit der Feststellung "Man wird fast ausschließlich über seine Hautfarbe definiert". Resultat seiner Reise: Das Fremde verstört, macht Angst, weckt Aggression. Mit dem Argument, "die Mentalität" sei eben eine andere, wird munter ausgegrenzt und sei es durch horrende Summen für Aufnahme- und Jahresbeitrag bei einem Schäferhundeverein. Ganz rigoros verhält sich ein Beamter in Bayern. "Kwami" erkundigt sich mit einem Schwarzen deutscher Staatsbürgerschaft nach der Ausstellung eines Jagdscheins. Die beiden stehen sofort unter Generalverdacht, der Staatsdiener will gar die Polizei holen. "Afrika den Affen, Europa für Weiße!", der Türsteher einer Rosenheimer Disco spricht aus, was viele denken. Unter "Zu Gast bei Freunden" stellt man sich etwas anderes vor. 

"Schwarz auf Weiß" ist eine entlarvende Realsatire, die Aneinanderreihung von ähnlichen Szenen und die Ausweitung auf Kinolänge machen aber auch die Redundanzen deutlich.

die bildungsrefrom stockt, wichtige umsetzungspläne oder konkretes für ein modernes bildungssystem gibt es nicht zu vermelden. die hauptschulen werden in neue mittelschulen umbenannt, das dürfen jedoch auch nur maximal 10% aller schulen eines bundeslandes, die ganztagsbetreuung scheitert oft an schlechten räumlichen bedingungen, noch immer werden jahr für jahr millionen von euros in nachhilfe ausgegeben, wodurch die bildungschancen für kinder aus sozial schwachen familien sinken, doch das bildungsministerium startet eine breit angelegte und somit teure bildungskampagne, deren inhalt sich mir nicht erschließt. 
was wird hier abgefeiert? welche verbesserungen? welche reformen? welche zukünftigen koalitionen sollen hier geschmiedet werden? 
die sujets zeigen durchwegs glückliche kinder, als wäre alles eitel wonne. 
bleibt die nun gegenderte nationalhymne, ach sind wir froh.

"Heimat bist du großer Söhne und Töchter"

der in wien ansässige verein educult hat ein tolles projekt initiert, auf das ich hier nur all zu gerne hinweisen möchte.

es nennt sich selbst flapsig "Sag´s multi".

37.000 menschen sind in österreich obdachlos. diese zahl steht für sich selbst.

mehr dazu hier:

http://derstandard.at/1263706782865/37000-Menschen-in-Oesterreich-obdachlos

Logo 10 tactics

10 Tactics untersucht wie Aktivisten und NGOs in verschiedenen Regionen der Welt Information und digitale Technologien nutzen um positive Veränderungen zu bewirken. In 35 Interviews erzählen Aktivisten aus insgesamt 24 Ländern über ihre Erfahrungen damit, Menschen für eine Kampagne zu mobilisieren, den Einsatz von Video und Story-Telling, über Möglichkeiten der Visualisierung von Informationen, Arbeit mit Netzwerken und partizipativen Ansätzen, Umgang mit komplexen Daten, oder die Verbreitung von Information bei eingeschränkter Meinungsfreiheit. Viele der Interviews wurden auf dem Information Activism Camp im Februar/März 2009 gedreht.

hans rauscher beschreibt in seinem letzten kommentar ein bild von österreich, das meiner meinung nach sogar noch düsterer ist. 
eine der wichtigsten säulen einer funktionierenden demokratie die justiz fällt auseinander. während strauchdiebe mit aller härte des gesetzes verfolgt und verurteilt werden, werden die großen wirtschaftsverbrechen von buwog - constantia - immofinanz - hypo alpe adria mangels personal kaum aufgeklärt. auf der anderen seite gehen anzeigen gegen innenminister wegen amtsmissbrauch verloren bis das delikt verjährt ist oder bekommen amtierende landeshauptleute für rechtsbeugung einen persilschein ausgestellt. dass sich ehemalige finanzminister daher breit grinsend vor die kamera setzen können und nichts von unserer justiz zu befürchten haben, ist vor diesem hintergrund nur all zu verständlich.

AVAAZ.ORG - Die Welt in Aktion

das internet als ort der begegnung für veränderung und änderung von politischen entscheidungswegen bietet immer mehr möglichkeiten. diese werden auch immer stärker wahrgenommen und zeigen, dass unsere eigene initiative auf das richtige medium setzt. der schwarm birgt die kraft für intelligente lösungen für die probleme unserer zeit. es geht um lösungsorientiertes handeln abseits gängiger ideologischer denkmuster. wobei man deutlich sieht, dass begriffe wie gemeinschaft, miteinander, fairness, solidarität oder nachhaltigkeit die dominierenden antriebe sind.

anbei ein link zu einer interessanten plattform, die sich die verbesserung der welt zum ziel gesetzt hat, zudem ein artikel aus dem spiegel, der sich dieser plattform widmet.

http://www.avaaz.org/de/

Per Mausklick zur besseren Welt

Der seelenlose Ziegelstein

eine wunderbare aktion, die auf ganz tolle art und weise zeigt, wie schnell das web funktionieren kann, wenn man einen konkreten auftrag in den raum stellt

Kann dieser seelenlose Ziegelstein mehr Freunde haben als H.C. Strache?

zurzeit hat die gruppe rund 65 000 mitglieder und sie wächst mit minute für minute. realsatire trefflich eingesetzt.

sollte der eine oder andere facebooknutzer noch nicht mitglied dieser gruppe sein, dann sollte er / sie das jetzt nachholen.

Weil es in unserer Gesellschaft peinlich ist, Armut zuzugeben, werden Kinder oft krank gemeldet, wenn kostenpflichtige Aktivitäten anstehen

Reichen Leuten geht es gut, armen Leuten geht es schlecht. Das weiß jeder, und weil es so banal ist, dass es jeder weiß, haben wir uns abgewöhnt, darüber nachzudenken. So ist es eben. Aber muss es so sein?

Nein, sagt der deutsche Verfassungsgerichtshof, der dieser Tage in einem bahnbrechenden Urteil das "Grundrecht auf Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums" beschworen und damit primär für Kinder eine beträchtliche Erhöhung des so genannten Regelsatzes verlangt hat. Und nein sagt auch ein neues Buch der österreichischen Armutsexperten Martin Schenk und Michaela Moser ("Es reicht! Für alle!" *).

Wer als Kind arm ist, sagen alle internationalen Studien, bleibt auch als Erwachsener arm. Und um ein Kind einigermaßen vernünftig zu ernähren und zu erziehen, braucht man, so hat es der deutsche Wohlfahrtsverband ausgerechnet, je nach Alter zwischen 250 und 320 Euro im Monat. Das ist um gute 20 Prozent mehr als der geltende Hartz-IV-Satz in Deutschland und rund doppelt so viel wie vom österreichischen Mindestsicherungs-Plan vorgesehen. Derzeit leben in Österreich rund 250.000 Kinder in armutsgefährdeten Haushalten, 90.000 sind "manifest arm" .

Was das heißt? In der Wohnung ist es kalt, zu kalt zum Aufgabenmachen daheim. Arme Kinder sind bedeutend öfter krank als Normalverdiener-Kinder. Die Eltern können sich die nötigen Schulsachen nicht leisten, immerhin kostet eine bescheidene Schulstart-Ausrüstung an die 200 Euro. Noch viel weniger reicht das Geld für die vielen Extraausgaben für Ausflüge, Kopiergeld, Schulveranstaltungen. Weil es in unserer Gesellschaft peinlich ist, Armut zuzugeben, werden Kinder auch oft krank gemeldet, wenn kostenpflichtige Aktivitäten anstehen. Schnell sind sie im täglichen Schulbetrieb "out" .

Die Folge: Viel zu viele durchaus normalbegabte Jugendliche, vor allem Migrantenkinder, verlassen die Schule ohne Hauptschulabschluss und sind damit sichere Kandidaten für spätere Arbeitslosigkeit. Ein Teufelskreis schließt sich.

Armutsbekämpfung kostet Geld, das ist klar. Aber Geld ist nicht alles. Schenk und Moser weisen mit einem beeindruckenden Arsenal von Zahlen und Fakten nach, dass ein Mix von Maßnahmen nötig ist, um der Geißel Armut entgegenzuwirken. An der Spitze steht ein reformiertes Bildungssystem, das soziale Aufstiegschancen unabhängig von sozialer Herkunft ermöglicht, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Eltern, eine höhere Frauenerwerbsquote, existenzsichernde Löhne vor allem für Frauen, eine bessere Förderung für Zuwanderer.

Alles längst bekannt? Alles in zahllosen Studien dokumentiert und belegt, bis zum Überdruss von allen Experten gebetsmühlenartig wiederholt? Ja, ja, ja. Aber wieso bringen wir es trotzdem nicht fertig, wenigstens die vorzeitige Selektion der Zehnjährigen im Schulsystem abzustellen? Wir haben Geld für sinnlose Eurofighter, für einen weitgehend sinnlosen Grenzeinsatz des Bundesheeres, für eine überbordende Parteienförderung und sündteure Föderalismus-Exzesse. Aber den Skandal Armut zu bekämpfen - das schaffen wir nicht.  (Barbara Coudenhove-Kalergi, DER STANDARD, Printausgabe, 16.2.2010)

Ehem. Frauenministerin und Ikone der Frauenbewegung wurde 71 Jahre alt

Johanna Dohnal

Wien - Österreichs wohl berühmteste Frauenpolitikerin ist tot. Johanna Dohnal ist in der Nacht auf Samstag in ihrem Haus im Weinviertel verstorben. Sie hatte schon seit längerer Zeit an Herzproblemen gelitten. Dohnal wurde 71 Jahre alt.

"Tief bestürzt und betroffen" zeigt sich SPÖ-Chef Werner Faymann angesichts des Ablebens von Johanna Dohnal. Die Sozialdemokratie verliere mit Johanna Dohnal "eine der großen und prägenden Persönlichkeiten ihrer Geschichte", erklärte der Bundeskanzler in einer Aussendung.

Dohnal sei Zeit ihres Lebens eine engagierte Vorkämpferin für die Rechte der Frauen gewesen: "Sie war eine Politikerin, die Großes für die Menschen in Österreich - insbesondere für die Frauen in diesem Land - geleistet hat." Ihr Leben und Wirken sei untrennbar mit der Sozialdemokratie und ihren Grundwerten der Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität verbunden: "Sie wird uns allen unvergessen bleiben."

Fischer: "Mutige Vorkämpferin"

Bundespräsident Heinz Fischer hat in seiner Stellungnahme zum Ableben von Johanna Dohnal die Arbeit der früheren Frauenministerin umfassend gewürdigt. Mit dem Tod Dohnals verliere Österreich eine "mutige Vorkämpferin für Frauenrechte und Gleichberechtigung", der sehr viele Frauen in Österreich und damit das ganze Land sehr viel verdankten.

Manches, was heute in Bezug auf die Rolle der Frau in der Gesellschaft selbstverständlich erscheine, habe in den letzten Jahrzehnten mühsam erkämpft werden müssen - "und Johanna Dohnal hat diesen Kampf um frauenpolitische und sozialpolitische Ziele mit ihrer ganzen Kraft und Persönlichkeit und ohne Rücksicht auf die eigene Person geführt". In ihrer Funktion als Staatssekretärin und später Ministerin für Frauenfragen habe sie auf eine lange Liste von Erfolgen verweisen können.

Auch nach ihrem Ausscheiden aus der aktiven Politik sei Dohnal unermüdlich für ihre Ideale und Prinzipien tätig gewesen, würdigte Fischer. "Bei ihrem 70. Geburtstag vor genau einem Jahr erlebte Johanna Dohnal noch Genugtuung, dass ihr Lebenswerk, das vielen Anfeindungen ausgesetzt war, letzten Endes ein hohes Maß an Anerkennung gefunden hat."

Ikone der Frauenbewegung

Mit dem Tod von Johanna Dohnal verliert die österreichische Frauenpolitik ihr prominentestes Aushängeschild. Auch wenn ihre Tätigkeit in der Regierung mittlerweile schon 15 Jahre her ist, wird noch immer in erster Linie mit ihrem Namen der Kampf um gleiche Rechte für Frauen verbunden. Dohnal, die von 1979 bis 1995 Jahre Regierungserfahrung sammelte, war auch die erste Frauenministerin Österreichs. Als einer ihrer Prestigeerfolge dabei gilt das Gleichbehandlungspaket, das ein gleiches Pensionsalter von Männern und Frauen an eine Reihe von Maßnahmen koppelte.

Dohnals Prinzip war Einmischen in alle Belange, um die Lebenssituation der Frauen zu verbessern. Anecken und kämpfen gehörte dazu, war vorprogrammiert und oft erwünscht. Auch in der eigenen Partei stieß sie oft an Grenzen. Letztlich war selbst ihr Abschied aus der Politik im Jahr 1995 ein nicht ganz freiwilliger, sondern erfolgte auf Wunsch des damaligen Kanzlers Franz Vranitzky (SPÖ).

Initiativen

Aber bei allen sachlichen und ideologischen Unterschieden war ihre Sachkompetenz anerkannt. Ihre großen Anliegen waren die eigenständige Existenzsicherung aller Frauen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Besserstellung von Frauen in der Arbeitswelt. Den Grundsatz vom gleichen Lohn für gleiche Arbeit konnte Dohnal 1993 auf legistischer Ebene im Gleichbehandlungsgesetz verankern. Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz hat sie in der Öffentlichkeit thematisiert, gemeinsam mit Vranitzky den Kampf gegen Gewalt an Frauen und Kindern initiiert.

Auf ihre Bemühungen sind zahlreiche weitere Initiativen zurück zu führen, unter anderem die Möglichkeit für Männer in Karenz zu gehen und das - mittlerweile allgemeine - Bewusstsein, dass flächendeckende Kinderbetreuungseinrichtungen notwendig sind. Eingesetzt hat sich Dohnal auch für Frauenquoten in Ministerien und an den Universitäten.

"Zu wenig unbequem"

Wiewohl Dohnal als streitbar galt, sah sie sich im Nachhinein fast als zu kulant an: "Ich war viel zu wenig unbequem in manchen Sachen, hätte manchmal noch unbequemer sein sollen in bestimmten Fragen", sagte sie in einem APA-Interview anlässlich ihres 70. Geburtstages. Zuletzt wandte sie sich vehement gegen eine Infragestellung der Fristenlösung. Von der Großen Koalition war sie kein Fan, ihre Wunschregierung wäre ein allein von der SPÖ geführtes Kabinett gewesen.

Dohnal wurde am 14. Februar 1939 in Wien geboren. Nach der Pflichtschule erlernte sie den Beruf eines Industriekaufmannes und arbeitete als kaufmännische Angestellte. Sie war zunächst bei den Kinderfreunden, später als Bezirksrätin, tätig. 1972 wurde sie Wiener Landesfrauensekretärin der SPÖ, 1973 Abgeordnete des Wiener Landtages und Gemeinderates. Bruno Kreisky holte sie 1979 als Staatssekretärin für Frauenfragen in die Regierung, elf Jahre später wurde - unter Franz Vranitzky - das Staatssekretariat zum Ministerium aufgewertet. 1987 wurde Dohnal auch Bundesvorsitzende der SPÖ-Frauen und stellvertretende Parteivorsitzende.

Johanna Dohnal war geschieden, Mutter zweier Kinder, und lebte zuletzt im Weinviertel. Ihre Lebenspartnerin war seit vielen Jahren Annemarie Aufreiter. Im Vorjahr wurde Dohnal der Professorentitel verliehen. (APA)

Protest-Aktion gegen die Abschiebung einer Vorarlberger Familie in den Kosovo

50 menschen im äußersten westen unserer republik üben zivilcourage aus und verhindern eine unsinnige aktion, die vielleicht nach dem buchstaben des gesetzes rechtens ist, jedoch menschlich und gesellschaftlich nicht notwendig ist.

 

http://derstandard.at/1266541472394/Vorarlberg-Gemeinde-legte-sich-quer-Abschiebung-verschoben

in den 70iger dessen kind ich bin, war ja schon einmal nachhaltig vom schwedischen modell die rede. die volksanwälte sind uns geblieben, der zeitgeist ging verloren.

am dringlichsten erscheint mir das für das bildungssystem zu gelten. wir sind mit deutschland die letzten beiden länder, die schon mit 10 jahren nach sogenannten "fähigkeiten" aussortieren. 
kein von vernunft geleiteter mensch kann einen wirklichen vorteil am österreichischen bildungssystem erkennen. damit wir uns richtig verstehen, natürlich werden jene schülerinnen und schüler, die das privileg besitzen in eine ahs zu gehen und anschließend studieren dürfen, gut ausgebildet, vor allem dann wenn es sich eltern leisten können, mögliche defizite mittels nachhilfe zu korregieren, doch das gilt ja nur für einen kleinen teil aller unserer kinder.

zu diesem thema ein lesenswerter kommentar von karl heinz gruber

 

Schwedische Lektionen

mit dem auto muss ich fahren, um von dieser großartigen idee zu erfahren.

hier vorab der link dazu:

http://oe3.orf.at/teamoesterreich/stories/428346/

vorab ich hoffe, ich werde nicht missverstanden, ich finde ein jedes dieser projekte toll und doch beschleicht mich ein ungutes gefühl.

ein jedes dieser projekte für sich zeigt mir nämlich, dass sie notwendig geworden sind. armut wird zu einem spürbaren und greifbaren phänomen in unserem land. ich vermisse schmerzlich diskussionen darüber, wie es dazu kommen konnte. 
dass die einführung der mindestsicherung über 4 jahre benötigt hat, ist dafür nur ein weiteres sichtbares zeichen.

 

http://www.ideen-gegen-armut.at/content/home/index.aspx

 

http://www.neinzuarmundkrank.at/

Linz braucht keine Stadtwache - Unterschreiben Sie gegen Überwachung und Geldverschwendung

für all jene die aus linz sind und die den beschluss des linzer gemeinderates genauso verächtlich finden, wie ich es tue, bitte ich diese initiative zu unterstützen.

http://www.stadtwachelinz.at/

danke

Die Klagen häufen sich: Unsere modernen Gesellschaften entpolitisieren sich. Die Wahlbeteiligung sinkt, in die Parteien drängen junge Leute kaum noch. Das Vertrauen in die Institutionen der parlamentarischen Demokratie scheint erschüttert.

Diese Klage über die Entleerung der Demokratie beruht zumeist auf der These von der Postdemokratie. Danach stehen auf der einen Seite immer raffiniertere Mechanismen zur Manipulation der öffentlichen Meinung und auf der anderen immer oberflächlichere Parteiprogramme, die sich nur noch in der Tonlage, kaum aber in der Substanz unterscheiden. Das Lebenselixier der demokratischen Institutionen, die grundlegenden Widersprüche zwischen konkurrierenden Interessenlagen und Ordnungsvorstellungen, verflüchtige sich dadurch. Das Desinteresse an der Politik werde gesellschaftsfähig. Im Ergebnis zeige sich eine Entpolitisierung moderner Gesellschaften.

Die These der Entpolitisierung beruht aber auf einem nationalstaatlich verengten Blickwinkel. Eine wesentliche Entwicklung wird daher übersehen: Die Bereitschaft, sich in Organisationen zu engagieren, die jenseits des Nationalstaats kommunizieren und handeln, wächst kontinuierlich. Das transnationale Engagement in globalisierungskritischen Bewegungen, in Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International oder Human Rights Watch oder in Kampagnen wie jenen für ein Landminenverbot oder den Internationalen Gerichtshof nimmt parallel zur Entpolitisierung der innenpolitischen Auseinandersetzung zu. Das Politische stirbt nicht, es wandert aus.

Die Politisierung internationaler Angelegenheiten lässt sich empirisch nachweisen. Umfragen zeigen, dass die Bürger für das, was in der Welt passiert, internationale Organisationen wie die EU, die Weltbank, den Internationalen Währungsfonds, die Welthandelsorganisation und die Vereinten Nationen für deutlich einflussreicher halten als die Bundesregierung. Selbst auf die Entwicklungen in Deutschland weisen zwischen 46 und 53 Prozent der Befragten internationalen Organisationen einen erheblichen Einfluss zu. Internationale Institutionen gelten nicht nur als einflussreich, sie werden auch als notwendig erachtet. 55 Prozent der deutschen Bevölkerung äußern die Ansicht, dass die problematischen Folgen der Globalisierung am besten durch internationale Institutionen bewältigt werden können – nur 11 Prozent sehen in erster Linie den Nationalstaat in der Pflicht.

Diese Zahlen bringen aber keine kritiklose Bejahung internationaler Institutionen zum Ausdruck. Denn mit dem unterstellten Einfluss wächst auch die Kritik an den Entscheidungsverfahren. Die internationalen Institutionen schneiden hier sogar deutlich schlechter ab als die ohnehin sehr kritisch beurteilten politischen Institutionen im Lande. Beides, die Anerkennung wie die kritische Beobachtung, zeigt, dass internationale Institutionen als relevante Adressaten der Politik und des Engagements betrachtet werden.

Diese günstigen Resonanzbedingungen werden von vielen Gruppen genutzt, um internationale Institutionen zum politischen Thema zu machen, sie also im eigentlichen Sinne zu politisieren. Hierfür stehen Protestereignisse wie die Weltsozialforen oder die kritische Begleitung internationaler Politikgipfel. Anfang der 1990er Jahre gab es noch weniger als fünf solcher Großereignisse pro Jahr, im Jahr 2005 schon knapp 35.

Es bleibt aber nicht bei der organisierten Äußerung von Unmut. Nichtregierungsorganisationen (NGO), die sich mit Umwelt-, Menschenrechts- und entwicklungspolitischen Fragen befassen, richten sich auf etablierte internationale Institutionen, um ihren Zielen näherzukommen. Sie zielen auf einen Wandel internationalen Regierens mit einer Mischung aus Informationskampagnen, direkter Überzeugung und medienvermittelter Skandalisierung. Die Gesamtzahl der transnational agierenden NGO ist in den letzten Jahren drastisch gestiegen. Und auch traditionelle Interessengruppen und Verbände richten ihre Aufmerksamkeit zunehmend auf internationale Institutionen. Die zunehmende Präsenz von Interessenvertretern in den Hauptstädten des Regierens jenseits des Nationalstaats wie Brüssel, Genf oder New York zeigt dies deutlich. Die Politisierung internationaler Angelegenheiten findet also nicht nur auf der Straße, sondern auch in den Institutionen statt.

Vor diesem Hintergrund spricht vieles dafür, dass die politische Auseinandersetzung in Zukunft entscheidend von der Konfliktlinie zwischen »Integration« und »Abgrenzung« geprägt wird. Die Konfliktlinie verläuft zwischen denen, die die Öffnung der nationalen Gesellschaft, Wirtschaft und Politik für globale Zusammenhänge befürworten, und jenen, die für eine nationale Abschottung kämpfen. Die Auseinandersetzungen über die Migration wie in den Niederlanden, zwischen ökonomischer Liberalisierung oder dem Schutz nationaler Industrien wie in Frankreich oder über die Zukunft der Europäischen Integration sind Beispiele dafür.

 

Rechtspopulistische Parteien sind meist die vehementesten Verteidiger der nationalen Identität gegen die Übergriffe internationaler Institutionen, aber längst nicht die einzigen. Es geht um mehr als die Rückzugsgefechte der Globalisierungsverlierer und zurückgebliebener Randgruppen. Die Auseinandersetzung ist eine, die sich quer durch die Gesellschaft zieht und sich inzwischen auch im Parteienspektrum niederschlägt. Beide Positionen – Integration und Abgrenzung – beruhen auf begründungsfähigen Grundhaltungen: hier kosmopolitischen Positionen, die für kulturelle, ökonomische und politische Offenheit stehen, und kommunitaristischen Positionen, die die Vorteile der Überschaubarkeit und die Solidarität im Lokalen und in nationalen Gesellschaften betonen. Die Konfliktlinie wirkt normativ und ist in lebensweltliche Milieus eingeschrieben – ähnlich wie der alte Links-rechts-Gegensatz.

Die beiden Grundhaltungen stehen sich zwar gleichberechtigt gegenüber. Dennoch gibt es eine eigentümliche Asymmetrie. Nur solche Interessen, deren Vertreter die komplexe Klaviatur der transnationalen und internationalen Foren spielen und Resonanz in den Medien der OECD-Welt erzeugen können, finden Eingang in das Regieren jenseits des Nationalstaats. Dort werden also universalistische, entgrenzende Standpunkte gegenüber abgrenzenden Positionen systematisch bevorzugt. Im Nationalstaat hingegen sind kosmopolitische Positionen nicht selten in der Defensive.

Die beiden Grundpositionen treten auf zwei Spielfeldern gleichzeitig gegeneinander an. Die kosmopolitische Offensive stürmt in der internationalen Arena, die kommunitaristische Abwehr gegen die Zumutungen der Globalisierung spielt in der nationalen. Dadurch werden am Ende beide Arenen geschwächt.

 

Es bedarf daher eines Abbaus der selektiven Beteiligung in den Foren und Institutionen jenseits des Nationalstaates. Ob Weltbank, IWF oder UN – die Chancen, Einfluss zu nehmen, müssen gleichmäßiger verteilt werden. Zugleich müssen die nationalen Auseinandersetzungen zunehmend internationalisiert werden.

Die politische Klasse und die Medien neigen aber nach wie vor dazu, die Bürger nicht den Zumutungen der Komplexität internationaler Angelegenheiten auszusetzen. Stattdessen pflegen sie den Mythos der nationalstaatlichen Allmacht und der damit verbundenen symbolreichen, aber oft inhaltsleeren Auseinandersetzungen in den gewohnten Bahnen. Diese Neigung beruht auf falschen Annahmen.

Der Wunsch und die Bereitschaft zur Politisierung internationaler Angelegenheiten wachsen. Vielleicht fahren daher mittelfristig doch die politischen Kräfte besser, die auf grenzüberschreitende Probleme politisch und nicht technokratisch reagieren. Es geht darum, die Öffentlichkeit in einen Diskurs über internationale Angelegenheiten zu verwickeln, statt die damit verbundenen Werte- und Grundsatzfragen hinter Sprachregelungen und in Expertengremien zu verstecken. Vermutlich wäre die Debatte über den Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan anders verlaufen, wenn von Beginn an eine offene Auseinandersetzung über den Einsatz deutscher Soldaten gesucht worden wäre.

Wenn diese Öffnung gelingt und die nationalen mit den internationalen Arenen besser gekoppelt werden, kann die Entpolitisierung verhindert und die Demokratie neu belebt werden.

Arigona Zogaj und ihre Familie sollen bleiben! Für eine menschenwürdige Asylpolitik!

Bring your friends and family
Bring your friends and family

Großdemonstration: Donnerstag, 1. Juli 2010, 18.30 Uhr, Heldenplatz

Die Familie Zogaj wurde zum Symbol für das Elend der österreichischen Asyl- und Einwanderungspolitik - und für deren Erbarmungslosigkeit. Mit dem Befehl zur „unverzüglichen Ausreise" krönen das Innenministerium und die Behörden ihr menschenverachtendes Vorgehen in diesem Fall.

Seit Jahren schon wird diese Familie politisch zerstört. Und die Zogajs sind kein Einzelfall. Seit Jahren schon werden viele andere Familien aus ihrem längst vertrauten Umfeld herausgerissen. Kinder dürfen die Schule nicht fertig machen. Fußballer werden vom Training weg in Schubhaft genommen. Familien bei Nacht und Nebel aus den Betten geholt, damit ihre Nachbarn und Nachbarinnen es nicht rechtzeitig bemerken. Wir fragen: Wie daneben ist das denn?

Und wir sagen: Genug ist genug.

Deshalb demonstrieren wir für ein

Sofortiges humanitäres Bleiberecht für die Familie Zogaj!

Für eine menschenwürdige Asylpolitik und ein humanitäres Fremdenrecht!

 

Donnerstag, 1. Juli 2010, 18.30 Uhr, Heldenplatz

Elfriede Jelinek - Robert Palfrader - Stefan Ruzowitzky - Florian Scheuba - Rudolf Scholten - Barbara Coudenhove-Kalergi - Markus Hering - Sigrid Maurer - Freda Meissner-Blau - Robert Menasse - Barbara Blaha - Constantin Wulff - Robert Misik - Isolde Charim - Doron Rabinovici - Franzobel - Karl Merkatz - Michael Köhlmeier - Susanne Scholl - Dwora Stein - Anne Bennent - Otto Lechner - Eva Jantschitsch („Gustav") - Josef Hader - Andrea Maria Dusl - Peter Kreisky - Franz Adrian Wenzel ("Austrofred") - Gertraud Auer Borea d'Olmo - Peter Henisch - Karl-Markus Gauss - Wolfgang Kos - Götz Spielmann - Rudolf Kaske - Philip Blom - Harald Krassnitzer - Peter Hörmanseder - "Maschek" - Michael Schottenberg - Thomas Glavinic - Veronika Barnas - Maria Bill - Josef Weidenholzer

 

Mit Unterstützung von SOS Mitmensch

Kontakt: office at sosmitmensch.at oder +43 1 524 99 00

 

Spread the Word! 

Eva Zelechowski, Jasmin Al-Kattib, Meri Disoski, Mascha Dabić, Armand Feka, Güler Alkan, Olivera Stajić
Eva Zelechowski, Jasmin Al-Kattib, Meri Disoski, Mascha Dabić, Armand Feka, Güler Alkan, Olivera Stajić

EDITORIAL

Liebe Leserin, lieber Leser!

Wir sind da. Unsere Eltern und Großeltern kamen als Gastarbeiter oder Flüchtende nach Österreich. Mittlerweile ist klar: Wir sind gekommen, um zu bleiben. Österreich ist längst ein Einwanderungsland und es ist an der Zeit, dass wir dieser Vielfalt auch in den Mehrheitsmedien gerecht werden.

 

Teilnahme an der Medienproduktion ist eine wichtige Voraussetzung zu einer gerechteren medialen Repräsentation der Menschen mit Migrationshintergrund. Aus diesem Grund sind in der Redaktion des "daStandard.at" ausschließlich junge NachwuchsjournalistInnen mit Migrationsbiographien tätig mit dem Ziel in ein Mehrheitsmedium abengagiert zu werden. Nur wenn JournalistInnen mit Migrationshintergrund auch außerhalb von speziell für sie reservierten Nischen tätig werden, kann die mediale Integration erfolgreich sein.

Jenseits von rührseligen Geschichten über migrantische Leidenswege und omnipräsenten Asyldebatten wollen wir über den gelebten Alltag der MigrantenInnen in Österreich berichten. Denn mediale Integration, wie wir sie verstehen, darf sich nicht darin erschöpfen, Diffamierungen ethnischer Minderheiten zu verhindern und migrationspolitische Diskurse wiederzugeben.

Unsere persönlichen und familiären Einwanderungsgeschichten werden eine neue Perspektive in der Berichterstattung über MigrantInnen, AsylwerberInnen, Flüchtlinge und ihr Zusammenleben mit der österreichischen Mehrheitsbevölkerung bringen. Mit unserem speziellen Zugang und Blick auf die Lebenswirklichkeiten der "alten" und "neuen" ÖsterreicherInnen wird die Berichterstattung, auch auf derStandard.at authentischer, diskursiver und vielfältiger.Jeden Tag mit einer neuen Geschichte.

Und wir laden Sie ein mit zu machen, mit Diskussionsbeiträgen, Geschichten oder Bildern.

Olivera Stajić
Leiterin der daStandard.at-Redaktion
redaktion(at)dastandard.at

dastandard.at

Zu viele Arbeitslose beschweren sich immer wieder darüber in unnötige Kurse gedrängt zu werden, die sie weder brauchen noch wollen. Wie lange wird Österreich da noch zuschauen?

20.06.2010

Sinnlose AMS-Kurse

Obwohl der folgende Artikel aus einer dubiosen Quelle (Krone) stammt, erlaubt er doch einen tiefen Einblick in die derzeitige Situation von Arbeitslosen/suchenden...Mit Menschenwürde hat das nicht mehr viel zu tun!

 Opfer will jetzt klagen: "Das ist Körperverletzung!"

Clarissa Eichinger hat die Nase voll: Wie berichtet, muss die Wienerin (31) bei Sinnlos-Kursen des AMS u.a. Sektenfilme anschauen und Reise zum Mond spielen. Doch die Frau leidet an einer unheilbaren Autoimmunerkrankung - und will jetzt Minister und AMS-Chefs klagen.

"Diese sinnlosen Kurse, bei denen ich rohe Eier aus dem Fenster fallen lassen oder um einen Blumentopf tanzen muss, sind für Arbeitslose verpflichtend", schildert die 31-Jährige. "Nehme ich nicht daran teil, wird mir der AMS-Bezug gestrichen."

Anzeige an Buchinger und Sozialminister

Eine Anzeige ging bereits an die Polizei und ist an die AMS-Vorstände Herbert Buchinger und Johannes Kopf sowie an Sozialminister Hundstorfer gerichtet.

20.06.2010

So schauts aus...

So ähnlich - nämlich innovativ und gelungen - könnten auch die anderen Zentrum - polis Projekte, die mittlerweile schon auf Respekt.net stehen, werden...

"Unser mehrsprachiges Witzebuch"

SchülerInnen von insgesamt drei Schulen – zwei Volksschulen aus Wien und einer Grundschule aus der Türkei – haben  gemeinsam Witze gesammelt, erfunden, einander erzählt und  in ihren Muttersprachen sowie auf Deutsch niedergeschrieben. "Unser mehrsprachiges Witzebuch" umfasst 100 Witze in  17 verschiedenen Sprachen mit deutscher und türkischer
Übersetzung.

Die Grundidee des Projekts ist es, Sprache und Kultur als etwas Wertvolles und Verbindendes zu erleben und als wichtige Kompetenz für die Kinder und LehrerInnen erfahrbar zu machen. Dies funktioniert am besten über etwas Lustvolles wie das Genre „Witze“, zu dem jede/jeder leicht Zugang findet. Es ist zudem ein Medium, in dem sich Wertvorstellungen und
Tabus einer Gesellschaft widerspiegeln und sichtbar gemacht werden können.

Jeder Witz wurde in 3 Sprachen veröffentlicht - die Erstsprache des Kindes, Deutsch und Türkisch.)

Waxtê werdene
Vızıgê perrena ra sona nisena serê ciê (mayıse). Vızıka bine yêna aye de bena meyman!..
U cı rê persena; to rê jü çiboneki vacê rê? Vızıka raverine cüav dana; „Heya hama tikat ke, zerê mı mekuyo hurê! Ezo xorê werde sero!“ (Kurdisch-Zazakiye)

Essenszeit
Eine Fliege sitzt auf einem Kuhfladen. Eine zweite Fliege landet neben ihr und fragt: „Soll ich dir einen Witz erzählen?“ „Ja, gerne. Aber
bitte nichts Ekliges, ich esse gerade!“

Yemek Saati
Sinek bir hayvan pisligine konmus. Bu arada ikinci bir sinek yanına konar ve sorar: „Sana bir fıkra anlatayım mı?“„Evet ama lütfen
mide bulandırıcı olmasın yemek yiyorum da!“

und noch einer...


Trojica: Potuku se dva mrava sa jednim slonom, kaže slon:
„To nije fer, vi ste dvojica a ja sam!“ (Serbisch)

Die 3: Prügeln sich zwei Ameisen mit einem Elefant, sagt der
Elefant: „Das ist nicht fair, ihr seid ja zu zweit!“ (Deutsch)

Kiye karşı bir: Ki karınca bir fille kavga ediyorlar. Fil: „Ama
bu yaptığınız haksızlık, siz iki kişisiniz.“ (Türkisch)

Auszüge aus dem Witzebuch:

Jetzt wieder mitradeln, CO2 sparen und ein Falter-Fahrrad gewinnen

Das GLOBAL 2000 Projekt fahrRad spricht alle an, die ihren täglichen Arbeitsweg mit dem Fahrrad zurücklegen und so einen sinnvollen Beitrag für eine lebenswerte Umwelt leisten.

Umsteigen lohnt sich, doch oft hören wir Gründe, warum das Rad doch nicht geeignet ist.

Ein kleiner Selbsttest:

  • Mein Arbeitsweg ist kürzer als 10 km bzw. der Weg zum nächsten öffentlichen Verkehrsmittel, mit dem ich in die Arbeit fahren kann, ist kürzer als 10 km
  • ich muss kein schweres/voluminöses Gepäck befördern
  • ich bin körperlich gesund

Wenn Du diese drei Fragen mit JA beantworten kannst, dann steht einem Start mit dem Rad nichts mehr im Wege. Damit auch die Motivation passt, wird bei fahrRad im Team geradelt: Rund 80 Teams strampeln bereits gegen die steigenden CO2-Emissionen und haben in nur zwölf Monaten 115 Tonnen CO2 beim täglichen Weg in die Arbeit eingespart!

Mach auch Du mit und gründe mit Deinen FreundInnen und ArbeitskollegInnen Dein eigenes Team, oder noch einfacher, schließe Dich der FALTER-Gruppe an, die schon 110 Mitglieder hat! Trage täglich deine Fahrten ein, motiviere FreundInnen zum Mitmachen. Die Faltergruppe soll weiterhin die stärkste Gruppe bleiben und einen Platz unter den Top Ten behalten!

  • registrieren und dem FALTER-Team beitreten: www.falter.fahrradpass.at
  • ein eigenes Team gründen auf www.fahrradpass.at
  • CO2-Rechner: Fahrtenbuch führen und fahrRad-Taler (Bonuspunkte) fürs Team sammeln
  • neben beruflichen Fahrten können erstmals auch private Fahrten eingetragen werden, um eine eigene CO2-Bilanz erstellen zu können
  • laufend von attraktiven Angeboten profitieren (nur für registrierte User)

unsere Partner im alphabetischen Überblick:

• Argus Radlobby • Bike & More • Bikes on Tour • Eurocycle Radreise • FALTER • Intersport EYBL • Manus Massageschule • Naturidyll-Hotels • Ökostrom • VCÖ Verkehrsclub Österreich • Voch Radsporthandel • ÖBB • Figurentheater Lilarum • Votivkino • Weltcafé

  • an der Verlosung (Ende Oktober) teilnehmen, mehrere Teams gewinnen! Die Preise werden von unseren Partnern gesponsert, es warten also spannende Sach- und Urlaubspreise auf engagierte Teams. An die FALTER-Gruppe wird zusätzlich ein Falter-Fahrrad verlost!
  • Mitmachen - Spaß haben: Du kannst bei uns im Forum mitreden, Deine Fahrrad-Videos über Youtube einstellen, oder über Facebook Deine FreundInnen einladen, mitzumachen.

Das Projekt fahrRad wird in Kooperation mit dem Lebensministerium mit dem Ziel durchgeführt, den Radverkehrsanteil in Österreich auf mindestens 10 Prozent zu heben, um einen wirksamen Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen beim Verkehr zu leisten.

Auf den ersten Blick sieht das Urteil der Österreicher über unser Schulsystem gar nicht so schlecht aus: 47 Prozent halten es für gleich gut wie das anderer EU-Länder, 13 Prozent für besser. Besonders jene, die selbst noch in Ausbildung stehen oder Schule und Studium erst in den letzten Jahren abgeschlossen haben, geben der österreichischen Schule gute Noten - die schlechteste Einschätzung kommt von jenen, deren Ausbildung schon mehr als 25 Jahre zurückliegt. Im EU-Vergleich stehen unsere Schulen also gut da, auch wenn 28 Prozent sagen, dass es anderswo besser wäre.

Bei näherem Nachfragen zerbröselt das Bild von der guten Schule aber.

Der Standard ließ 500 repräsentativ ausgewählte Menschen über 16 durch das Linzer Market-Institut fragen: "Wird heute an den Schulen im Wesentlichen die richtige Bildung vermittelt, oder werden wesentliche Bildungsziele vernachlässigt?" Und da kommt es dick: 63 Prozent sagen, dass wesentliche Bildungsziele vernachlässigt würden, nur 26 Prozent meinen, dass an den Schulen die richtige Bildung vermittelt würde. Eltern mit schulpflichtigen Kindern im Haushalt urteilen zwar etwas milder, sind aber auch mehrheitlich der Meinung, dass Wesentliches vernachlässigt würde.

Was das sein könnte, wurde von Market in einer Liste abgefragt:

65 Prozent meinen, dass an unseren Schulen mehr Wert auf Naturwissenschaften und Technik gelegt werden sollte - wobei den konkreten Schulfächern, die die Grundlagen vermitteln sollen, deutlich weniger Gewicht gegeben wird. Nur 45 Prozent würden der Physik mehr Raum geben (43 Prozent sagen, darauf solle weniger Wert gelegt werden), bei der Chemie sind sogar nur 41 Prozent für eine Ausweitung, aber 47 für einen geringeren Wert. Auffallend ist, dass die Chemie besonders von den Schülern und Studenten selbst besonders schlechte Noten bekommt. Biologie und Umweltkunde erfreuen sich dagegen hoher Wertschätzung: 71 Prozent meinen, die Schule sollte da mehr vermitteln, jedem vierten Befragten ist es schon zu viel.

Einen Spitzenplatz im Bildungskanon nehmen Informatik und Computer ein: 91 Prozent sind für eine Aufwertung dieses Wissensgebietes. Die zugrunde liegende Mathematik interessiert schon etwas weniger: 80Prozent wünschen sie aufgewertet, 16Prozent meinen, man käme mit weniger Mathematik auch durch. Auch hier sind es wieder die Schüler und Studenten, die besonders matheskeptisch sind. Wirtschaftskunde wird von 74 Prozent für besonders wichtig gehalten - und hier sind die noch in Ausbildung stehenden Befragten wieder besonders dabei.

Der Komplex der Sprachausbildung wurde sehr differenziert abgefragt: Absoluter Spitzenreiter mit 92 Prozent, die mehr Wert darauf legen würden, sind die internationalen Sprachen wie Englisch, Französisch oder Spanisch. In scharfem Kontrast dazu steht die Einschätzung der Sprachen unserer östlichen Nachbarländer: Auf Tschechisch, Ungarisch oder Slowenisch würden 46 Prozent eher weniger Wert legen, nur 44 Prozent würden diese Sprachen aufwerten. Noch schlechter steht es um die eher als exotisch angesehenen Sprachen Japanisch, Chinesisch und Arabisch sowie die alten Sprachen Latein und Altgriechisch, die jeweils nur von elf Prozent für bedeutsam gehalten werden. Zum Vergleich: Die deutsche Sprache wollen 87 Prozent aufgewertet wissen.

Kunsterziehung (31 Prozent für Aufwertung, 56 Prozent für Abwertung), Religion und Ethik (34 Aufwertung, 58 Abwertung) und Philosophie (25:58) genießen offenbar wenig Ansehen. Dagegen wollen 65Prozent Politische Bildung und Geschichte aufwerten, 61 Prozent die Sexualkunde und 51 Prozent die Medienkunde.

Klar ist das Urteil, dass die Schule auf die Kinder zu wenig eingeht. Nur 18Prozent sagen, dass die meisten Talente gefördert werden, 79 Prozent meinen, dass viele Talente ungenutzt blieben.

Ob das mit falschen Schullaufbahnen zusammenhängt? Unter Vermeidung des polarisierenden Begriffs Gesamtschule ließ der Standard fragen, wann denn die erste wichtige Entscheidung der Schullaufbahn fallen sollte. Quer durch alle Bevölkerungsgruppen sagt nur jeder Zehnte, dass das mit zehn Jahren nach der Volksschule passieren sollte. 67 Prozent halten 14 Jahre für richtig, und 23 Prozent meinen, dass man erst mit 18, im Maturaalter, eine Entscheidung fällen sollte. (Conrad Seidl, DER STANDARD, Printausgabe, 26./27.Juni 2010)

Weitere Fotos vom Event finden Sie in Kürze in unserem Blog

Dem Respekt eine Plattform bieten: seit 29.6.2010 ist unsere Projektbörse online.
Der Standard ist nun auch auf Respekt.net aufmerksam geworden. Unter dem Titel "Dem Respekt eine Plattform bieten" erschien in der Print- und Onlineausgabe ein Artikel über den Launch unserer Projektbörse am 29.6.2010.

Hier einige Kommentare aus den Standard-Postings:

Sehr gute Idee!
Ich denke, viele Menschen würden sich gern mehr engagieren, scheitern aber an der "Bequemlichkeits-Hürde" - da könnte diese Plattform Abhilfe schaffen. Dann gibt es da noch das Vertrauensproblem bei Organisationen und Initiativen, die man nicht kennt - finde ich super, dass hier der Punkt "Transparenz" so betont wird.

…Allerdings ist das genau der Punkt von Respekt.net: nicht eine Initiative, Partei oder Bewegung, sondern die Vielfalt zählt. Oder auch in anderen Worten "der Markt" der politischen Ideen, sofern Sie zum Endzweck beitragen, Österreich wieder etwas offener, bunter, lebenswerter zu machen.

Endlich
In der Plattheit vieler politischer Inhalte, dem Populismus und dem immer stärker werdenden Gefühl zu den Verlierern zu gehören gibt es endlich etwas, wo Menschen Zivilcourage lernen und der Zivilgesellschaft Leben einhauchen können

Launch-Event am 29.6.
Am 29. Juni 2010 präsentierten wir den öffentlichen Start unserer Projektbörse im Milo. Unsere interessierten Gäste fühlten sich sichtlich wohl.

Die Highlights unserer Projektbör

  • Bereits 29 Projekte eingereicht, davon 25 online, 4 in Prüfung
  • 3 Projekte bereits ausfinanziert
  • Bereits mehr als 20.000 Euro Spenden für gesellschaftspolitische Projekte
  • Über 100 User auf der Projektbörse
  • Mehr als 1000 Fans auf unserer Facebookseite

 

Registrieren auf www.respekt.net
Falls Sie noch kein registrierter User auf www.respekt.net sind: Wir freuen uns über Zuwachs unserer Community. Bitte nehmen Sie sich kurz Zeit und registrieren Sie sich. Projekte unterstützen ist übrigens schon ab 10 Euro möglich. Die Zivilgesellschaft dankt's!

Das Büro-Team von Respekt.net
In dieser kleinen Serie stellen wir Ihnen die Menschen von Respekt.net vor. Neben dem Gründerkreis, dem Respekt.net-Vereinsvorstand und der Geschäftsführung der GmbH freut sich unser Büro-Team, die Idee von Respekt.net mit allem Drum und Dran umzusetzen.

Christoph Fischer, Projektscout
Andrea Hiller, Generalsekretärin Verein
Amina Lehner, Projektscout
Ferdinand Lischka, Assistent des Vorstands und der Generalsekretärin
George-Armin Petre, Plattformadministrator

Diese Bank wird eine Kuriosität. Sie wird so anders sein als alle anderen Banken, dass sich die Menschen aus Neugierde damit beschäftigen werden", sagt Christian Felber. Der Globalisierungskritiker, seine Kollegen von der Organisation Attac sowie Vertreter der Zivilgesellschaft arbeiten derzeit emsig an der Gründung einer "Demokratischen Bank", die 2012 in Betrieb gehen soll. 

Sie soll eine "Good Bank" werden. "Sie erfüllt die Kernfunktionen einer Bank, spekuliert nicht, handelt nicht mit Wertpapieren und Derivaten und vertreibt keine Fonds. Sie wandelt die Einlagen der Sparer in möglichst günstige Kredite für die Wirtschaft", fasst Felber zusamm

Billige Kredite

Das Konzept: Die Bank soll nicht gewinn- sondern gemeinwohlorientiert arbeiten, lediglich die Erhaltungskosten der Bank müssen gedeckt werden. Das bedeute niedrige Zinsen - sowohl für Kreditnehmer als auch für Sparer. Ziel sei der gesamtwirtschaftliche Mehrwert: "Der Vorteil für die Sparer ist einerseits ein direkter: Fast jeder benötigt einmal im Leben einen Kredit; und andererseits ein indirekter: Je niedriger die Sparzinsen, desto niedriger die Kreditzinsen. Desto einfacher kommen Unternehmen an Kapital, desto mehr Arbeitsplätze schaffen sie, desto niedriger ist die Arbeitslosigkeit, desto höher sind die Einkommen und desto billiger sind die Produktpreise, weil ja in allen Preisen Zinsen drinnen stecken."

Die Kreditzinsen für Unternehmen sollen im Durchschnitt 3,5 Prozent nicht überschreiten. Kredite werden nach ökologischem und sozialem Mehrwert vergeben: je gemeinwohlförderlicher, desto günstiger.

Gesellschafter

Die Grundidee: Alle Sparer, Kreditnehmer und Gesellschafter sind Eigentümer der Bank und lenken ihre Geschicke auf demokratischem Weg. Als Gesellschafter kann man ab einer Einlage von 1000 Euro einsteigen. Die Bank soll ihren Betrieb in der zweiten Jahreshälfte 2012 aufnehmen, Felber geht von einem Startkapital von zehn Millionen Euro aus. "Wir erwarten die Konzession im ersten Halbjahr 2012, falls wir den Weg der Neugründung beschreiten", sagt Felber. Die Alternative sei der Ankauf einer bestehenden Bank und die Übernahme ihrer Lokale.

Felber ist überzeugt, dass die Sparer auch bei tiefen Zinsen nicht ausbleiben werden. "Es ist ein menschliches Grundbedürfnis, anderen Gutes zu tun und einander zu helfen." In jeder der rund 2300 österreichischen Gemeinden ist langfristig eine Zweigstelle geplant. Alle Kredite sollen öffentlich einsehbar sein. Ob die Inbetriebnahme 2012 eingehalten werden kann, "hängt damit zusammen, ob alternative Bankfachleute, für die der Aufbau zum Herzensanliegen wird, rasch zu uns finden." Derzeit umfasse das ehrenamtliche Arbeitsteam mehr als 50 Personen. Die Löhne der Angestellten sollen um 50 Prozent über dem Mindestlohn liegen, die maximalen Vorstandsgehälter bei etwa 5000 Euro. "Da wir weder Boni noch sechs- oder mehrstellige Gehälter zahlen, sind die Personalkosten bei uns geringer als bei den Global Players", sagt Felber.

 

www.demokratische-bank.at

 

 

 


Hingegen arbeitet dieses Plakat aus 2001 mit der Karikierung von Vorurteilen und engen Identitäten.

Bildschirmfoto: Website
Artikel über Respekt.net im Standard

Der Standard ist nun auch auf Respekt.net aufmerksam geworden. Unter dem Titel "Dem Respekt eine Plattform bieten" erschien in der heutigen Print- und Onlineausgabe ein Artikel über den Launch der Projektbörse.

"Ein Kind bekommt in der U-Bahn eine Ohrfeige. Eine Familie wird nach Jahren in Österreich abgeschoben, Mitbürger im Ort zucken mit den Schülern. Ein Politiker hetzt gegen Ausländer. Manchmal steht in solchen Situationen jemand auf und zeigt Zivilcourage. Oft auch nicht. Die Mitglieder des Vereins Respekt.net wollen diesen Zustand nicht länger hinnehmen. Morgen, Dienstagabend, geht das Herzstück des Vereins online: eine Projektbörse... "

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Anfrage für ein wissenschaftliches Interview!

Das Projekt NELA untersucht den Energiekonsum in armen und armutsgefährdeten Haushalten und erarbeitet datenfundierte Maßnahmen zu Energieeffizienz und Energiesparen. Das Projekt wird vom Österreichischen Institut für Nachhaltige Entwicklung (ÖIN) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Soziologie und Empirische Sozialforschung an der Wirtschaftsuniversität Wien und dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt und Energie durchgeführt.

Um bestehende Daten die in Haushalten mit niedrigen Einkommen gesammelt wurden zu ergänzen, werden nun Haushalte mit höheren Einkommen gesucht, die sich für ein anonymes Interview bereit erklären. Durch diese Kontrastierung mit Haushalten mit hohem Einkommen werden Unterschiede im Umgang mit Energie und Energiekosten, aber auch unterschiedliche Zugänge zu Konzepten wie Wohlfühlen untersucht.

Das Interview dauert eine Stunde und wird bei Ihnen zuhause durchgeführt. Es ist ein Gespräch, welches folgende Punkte thematisiert: Wohnsituation und -zufriedenheit, energierelevante Fragen zum Haushalt und Gebäude, Energiepraktiken, Energieeffizienz und Energiekosten. Das Interview wird anonym bearbeitet und von uns nur zum Zweck dieser Forschung analysiert. Ein Honorar von 110Eu wird bezahlt.

Projektziele:

* Generierung datenfundierten Wissens über Energieverbrauchspraktiken

* Identifikation von Potenzialen für Energieeffizienz und Energieverbrauchsreduktion

* Zielgruppenspezifische Strategien und Maßnahmen um Energieeffizienz und -reduktion mit einer Verbesserung des Lebensstandards einkommensschwacher Haushalte koppeln zu können

Bei Interesse kontaktieren Sie bitte:

Mag. Markus Spitzer markus.spitzer@oin.at

oder Christoph Fischer christoph.fischer@respekt.net