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Projekt-ID: 1818

Heilpädagogische Fortbildung als Entwicklungshilfe für Rwanda - Teil 2

Initiator/In: Michael Mullan
eingereicht am: 25.01.2019
Budget: € 5.500,-
Finanzierungsfrist: 25.07.2019
Finanzierungsschwelle: € 4.000
Land/Region: Österreich/Wien
Art: Aktion
Themenkreis: Bildung & Ausbildung

Allgemein

Projektteaser

Im Ubumwe Community Center wird mit ca. 700 Kindern, die zum Teil schwer behindert sind, liebevoll gearbeitet. Dieses Projekt soll einer Fortbildung für anthroposophische Heilpädagogik sein.

Projektadresse

Haupt Str 99
2384 Breitenfurt

Ubumwe Center Gisenyi Rwanda
  • Start Projektumsetzung: 15.04.2019
  • Ende Projektumsetzung: 15.07.2019

Projektbeschreibung

Im Sommer 2017 und im Sommer 2018 bin ich als Heilpädagoge und Dozent des Rudolf- Steiner- Seminars für Heilpädagogik vom Ubumwe Community in Rwanda eingeladen worden, den Mitarbeitern dort eine Fortbildung in anthroposophischer Heilpädagogik zu erteilen. Im Ubumwe Community Center wird mit ca. 700 Kindern, die zum Teil schwer behindert sind, liebevoll gearbeitet. Die Mitarbeiter dieser Einrichtung haben den dringenden Wunsch nach Aus- und Weiterbildung geäußert. Im April und Juli 2019 soll das Projekt fortgesetzt werden.


Nachweis Projektabschluss

Gesamtabrechnung, Rechnungskopien zu den Ausgaben, die mit den über Respekt.net lukrierten Mitteln bestritten wurden, Fotodokumentation, Online-Abschlussbericht.

Details

Das Projekt „ Heilpädagogische Fortbildung für Rwanda “ soll fortgesetzt werden

Nächste Etappe:

  • Frau Natascha Hermann MPH wird zum Ubumwe Center in Gisenyi Rwanda reisen und dort mit den KollegInnen Vorort eine Erhebung der genauen Bedürfnisse des Kollegiums durchführen und im weiteren Verlauf eine Fortbildung planen und koordinieren. Gemeinsam werden wir infolge dessen ein Curriculum für die nächsten Jahre entwickeln. Dieses Curriculum werden wir in Kooperation mit der „Anthroposophic Council for Inclusive Social Development“ in Dornach/ Schweiz und anhand der Erfahrungen, die ich bei den Fortbildungen in China erworben habe, gestalten. Hierbei werden heilpädagogische Theorie, Kunst und Praxis die drei Grundpfeiler dieser Fortbildung bilden.

Zweite Etappe:

  • Infolge der ersten Fortbildungsmodule sind drei Kollegen aus Rwanda zur Internationalen Heilpädagogischen Tagung in Dornach /Schweiz eingeladen worden und haben Dank des ersten „Crowdfunding Projektes“ daran teilnehmen können. Dabei haben sie ihre Organisation in Rwanda einem internationalen Publikum vorstellen können. Das führte dazu, dass die Kollegen aus dem Ubumwe Center eingeladen wurden an der „International Communal Studies Association" Konferenz von 18 bis 21 Juli 2019 in Camphill Communitiesnear Hudson, NY, USA teilzunehmen. Die Einladung ist von Prof. Dan McKanan(Harvard) erfolgt.

    Frau Natascha Hermann wird mit den Kollegen aus Rwanda diese Präsentation vorbereiten und sie dorthin begleiten. Hierbei werden Kollegen aus Rwanda Gelegenheit haben, deren Organisation vorzustellen und zu schildern, wie Inklusionsarbeit dort verwirklicht wird.

     

    Um diese zwei Schritte zu ermöglichen, sollen die Mittel dieses „Crowdfunding“ verwendet werden.

Budget

  • Gesamtbudget
    € 5.000,-
  • - Eigenmittel
    € 0,-
  • Finanzierungsziel
    € 5.000,-
  • + Abwicklungsgebühr
    € 500,-
  • Zielbudget
    € 5.500,-
  • Finanzierungsschwelle
    € 4.000,-
  • Respekt.net-Teilbetrag A (wird bei erfolgreicher Finanzierung überwiesen)
    € 1.121,-
  • Respekt.net-Teilbetrag B (wird nach Erhalt des Zwischenberichtes überwiesen)
    € 1.121,-
  • Abgabedatum Zwischenbericht
    15.05.2019
  • Respekt.net-Teilbetrag C (wird nach Erhalt des vollständigen Projektabschlussberichtes überwiesen; mind. 10 % des Zielbudgets)
    € 1.495,-
  • Abgabedatum Abschlussbericht
    29.07.2019
  • Projektrisiken

    Keine

  • Budgetplanung

    Mittelverwendung Finanzierungsschwelle:


    Flug Frau Hermann nach Rwanda und Übernachtungskosten



    Mittelverwendung Finanzierungsziel:


    Flüge für zwei Personen zur Konferenz in die USA + Tagungsgebühr + Übernachtungskosten

Dateien

Links & Downloads

Galerie

video

News

Michael Mullan

hat am 20.05.2019 geschrieben

Bericht Rwanda April 2019 Natascha Hermann MA.

Ziel

Aufbauend auf Michael Mullans mehrwöchiger Ausbildung in anthroposophischer Heilpädagogik am Ubumwe Community Centre (UCC) in Gisenyi/Ruanda im April 2018 schloss sich im April diesen Jahres ein Forschungsprojekt in seinem Auftrag an.

Das primäre Ziel des Aufenthalts war es, bei Mitarbeitern am UCC den Bedarf bezüglich Fortbildungsmöglichkeiten in der Waldorfpädagogik bzw. anthroposophischen Heilpädagogik zu ermitteln und Rahmenbedingungen hierfür zu klären. Dazu so...

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Michael Mullan

hat am 24.01.2019 geschrieben

Introduction Iideo Projekt Ubumwe Center

Kurze Beschreibung der Organisation in Rwanda , die mit unserem Fortbildungsprojekt unterstützt wird

video

Meinungen

Abschlussbericht

Abschlussbericht allgemein

 

Das Projekt wurde in 2 Etappen durchgeführt. In der ersten Etappe hat Frau Natascha Hermann MA. Das Ubumwe Center in Gisenyi besucht und 5 Tage lang mit Mitarbeitern eine Bedarfserhebung und den weiteren Verlauf des Projektes in Fortbildung besprochen und organisiert.

In der 2. Etappe hat Frau Hermann die Mitarbeiter des Ubumwe Centers bei der Erstellung einer Präsentation unterstützt. Die Einrichtung Ubumwe Center wurde beim Internationalen Kongress in Camphill New York präsentiert, eingeladen von Professor Dan McKanan von der Harvard Universität. Diese Einladung wurde während der Heilpädagogischen Tagung in Dornach/ Schweiz im Jahre 2018 ausgesprochen. Der Besuch in Dornach war ein Teil des ersten Projektes und hatte das Ziel internationale Unterstützung für das Umbumwe Center zu aktivieren. Der Besuch auf der Konferenz in New York verfolgte dasselbe Ziel. Zwei Mitarbeiter des Ubumwe Centers unterstützt durch Frau Hermann nahmen daran teil. Es wurde mit großem Interesse zur Kenntnis genommen und vielerlei Hilfen und Unterstützungen angebahnt. Es folgt der Bericht über beide Aufenthalte. Bedarfserhebung am Ubumwe Community Centre in Gisenyi/Ruanda zur Fortbildung in anthroposophischer Heilpädagogik. Besuch vom 15. bis 20. April 2019

ZielAufbauend auf Michael Mullans mehrwöchiger Ausbildung in anthroposophischer Heilpädagogik am Ubumwe Community Centre (UCC) in Gisenyi/Ruanda im April 2018 schloss sich im April dieses Jahres ein Forschungsprojekt in seinem Auftrag an. Das primäre Ziel des Aufenthalts war es, bei Mitarbeitern am UCC den Bedarf bezüglich Fortbildungsmöglichkeiten in der Waldorfpädagogik bzw. anthroposophischen Heilpädagogik zu ermitteln und Rahmenbedingungen hierfür zu klären. Dazu sollten alle Teilnehmer an der von Michael Mullan gehaltenen Ausbildung am UCC befragt werden, insbesondere rückblickend auf das ein Jahr zurückliegende Training, die Bedeutung des Gelernten im Arbeitsalltag und Wünsche hinsichtlich einer weiteren Fortbildung. Weiters sollte der Aufenthalt dazu dienen, gemeinsam mit Zacharie Dusingizimana und Viateur Uwambajimana eine Präsentation für den einstündigen Workshop im Rahmen der International Communal Studies Association (ICSA) Konferenz im Juli 2019 vorzubereiten.EinführungDer folgende Bericht beruht auf Gesprächen mit den beiden Gründern des UCC, Zacharie Dusingizimana und Frederick Ndabaramiye, Justin Nshimiyimana in seiner Rolle als Schulleiter, Viateur Uwambajimana als Projektmanager und Koordinator der Point Foundation sowie sechs der elf Lehrer (Elie Sebajomba, Donatille Mahirue, Zawadi Uwittonze, Prudencienne Rugira, Benjamin Mirigaro, Rukundo Prosper), die an der Ausbildung im Vorjahr teilgenommen haben. Die anderen fünf Lehrer waren aufgrund der Ferien nicht anwesend. Im Vorfeld bestand Kontakt zu Victor Mwai Wahome von Waldorf Kenia, Jennifer Maslow als Geber der Point Foundation sowie Sharon Gallagher vom Gallagher Trust. House of Children SchoolEin Bereich des UCC ist die „House of Children“- Schule, die eine Vorschule (entspricht unserem Kindergarten für 2-6jährige) und die Grundschule umfasst. Bis zur sechsten Klasse wird die Schule zweizügig geführt. Insgesamt sind zurzeit 800 Schüler am UCC in Ausbildung, 174 davon mit Behinderungen, für die die Point Foundation die Schulgebühren übernimmt. Die Schulkosten sind für private Schulen mit 55.000 Ruandische Franken (=54,4 €) pro Semester vergleichsweise niedrig. Die Schule hat sich der Inklusion verschrieben. Das bezieht sich in erster Linie auf den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit bzw. ohne Behinderungen sowie auch auf die Leistbarkeit der Schulkosten. Alle Kinder der Schule lernen Gebärdensprache.

Die durchschnittliche Klassengröße liegt bei 50 Schülern pro Klasse. In der Vorschule sind zwei Lehrer angestellt. Ab der ersten Klasse gibt es nur einen Lehrer. Ausnahme sind Klassen mit mehr als 50 Schülern, wo ein zweiter Lehrer hinzugezogen wird. Auch die Übergangsklasse stellt eine Sonderform dar, mit einem Lehrer und zwei Assistenten bei 30 Schülern mit Behinderungen. Hier sind neu hinzugekommene Schüler unterschiedlichen Alters für maximal ein Schuljahr, bevor in einer gemeinsamen Lehrerkonferenz die Entscheidung getroffen wird, welchem Programm vom UCC die jeweiligen Schüler zugeordnet werden.

Ausbildung und Lehrerfahrung

Die UCC-Lehrer kommen von unterschiedlichen Lehrerausbildungen – teilweise aus der Demokratischen Republik Kongos, teilweise aus Ruanda. Es gibt Unterschiede hinsichtlich der Ausbildungsdauer, die zwischen sechs Monaten bis zu drei Jahren variiert. Die sechs interviewten Lehrer, die bereits am ersten Waldorf-Seminar im April 2018 teilgenommen haben, haben zwischen zwei und sieben Jahren Lehrerfahrung, alle davon zumindest zwei Jahre am UCC. Sie sind zum Teil Klassenlehrer, zum Teil sind sie spezialisiert auf einzelne Fächer wie Kinyarwanda, Englisch oder ICT. Ein Lehrer ist inzwischen als Pfleger in einem der vier Wohnhäuser für Menschen mit Behinderung tätig. Seit September 2014 werden an der University of Rwanda/ College of Education Bachelor- und Masterstudiengänge in Sonderpädagogik und Inklusion angeboten. Am UCC hat kein Lehrer eine spezielle Aus- oder Weiterbildung in Heil- oder Sonderpädagogik bzw. Inklusion.

 

Bedeutung der WaldorfpädagogikIn der Waldorfpädagogik sehen alle Befragten Vorteile – auf gesellschaftlicher wie individueller Ebene. Aufgrund der fortschreitenden Entwicklung und Einflüsse von externen bzw. westlichen Kulturen haben sich die Menschen Ruandas verändert: Soziale Qualitäten gehen oft verloren in der zunehmenden Schnelllebigkeit des Alltags. Aufgrund äußerer Einflüsse ist Ruandas Gesellschaft heute viel individualistischer geprägt als in den Jahren und Jahrzehnten zuvor.

Da jedoch das gemeinschaftliche Schaffen Afrika bzw. auch der ruandischen Kultur an sich eigen ist, ergibt sich durch die Waldorfpädagogik eine neue Chance, den Wert der Gemeinschaft wieder zu beleben bzw. aufrecht zu erhalten. Eine Person beschrieb die Waldorfpädagogik als eine Möglichkeit der Aussöhnung, als eine Chance wieder gegenseitigen Respekt in der Gesellschaft zu etablieren, der durch den Genozid vor 25 Jahren zerstört worden war.

Auf der mehr individuellen Ebene wird das Potenzial der Waldorfpädagogik insbesondere in der ganzheitlichen Herangehensweise gesehen, die Herz, Hand und Kopf bzw. Kunst, mit Wissen(schaft) und einer religiösen Zugangsweise verbindet.

Zacharie und Viateur schätzen am Zugang zur anthroposophischen Heilpädagogik auch, damit Teil einer internationalen Bewegung zu sein, die zum einen ihnen selbst neue Lernmöglichkeiten eröffnet. Zum anderen hat Zacharie auch das Potenzial angesprochen, mit dem anthroposophischen Ansatz das ruandische Schulsystem insofern ein Stück weit beeinflussen zu können, als das Bildungsministerium auch das UCC betreut bzw. kontrolliert und somit der Einblick in die anthroposophischen Ansätze UCC-externen Personen zugängig werden könnte.

Zacharie betonte, dass er im Zuge der letzten Jahre (von Victor Mwai Wahomes Besuch im Jahr 2016 bis zu Michael Mullans Training im Jahr 2018) die Vorteile der anthroposophischen Heilpädagogik bzw. Waldorfpädagogik erkennen konnte, da auf die Klassifizierung der Schüler basierend auf Alter oder intellektueller Leistungen verzichtet wird. Er würde am UCC gerne Waldorfpädagogik bzw. anthroposophische Heilpädagogik für „ihren Zweck adaptieren“ und in den Kontext des UCC einbringen. Er beschreibt, dass die Lehrer auf weitere Fortbildungsmöglichkeiten warten und die neue Methodologie gerne annehmen.

Umsetzung der im Seminar 2018 vermittelten Kenntnisse und Fähigkeiten

Der Schulleiter berichtete von der veränderten Haltung gegenüber den Schülern aufgrund der Ausbildung in Waldorfpädagogik, indem man den Lehrstoff auf den Erfahrungen der Kinder aufbaut. Den Gedanken der Waldorfpädagogik, dass der eigentliche Lehrplan das Kind selbst sei, sieht er mit dem Konzept eines kompetenzbasierten staatlichen Lehrplans, der in Ruanda 2014 eingeführt wurde, durchaus kompatibel. Außerdem gilt in Ruanda für Kinder mit Behinderungen ein persönlicher Syllabus, das „Individual Education Programme“ (IEP). Die individuelle Betrachtung des einzelnen Kindes lenkt den Fokus auf den Schüler und dessen Bedürfnisse. Hierin ergeben sich aus Sicht des Schulleiters Möglichkeiten, sich vom Kind leiten zu lassen. Die Schüler sind hiermit nicht länger in der Rolle des passiven Empfängers, wie es im ruandischen Schulsystem längere Zeit üblich war bzw. in Abhängigkeit der jeweiligen Lehrkraft auch heute noch vorzufinden ist.

Aufgrund der Ausbildung im Jahr 2018 haben vor allem die Lehrer beschrieben, einen persönlichen Entwicklungsprozess durchgemacht zu haben. Ein Lehrer beobachtete die größte Veränderung an sich selbst („This is a new Elie“). Zuvor achteten sie im Umgang mit den behinderten Kindern in erster Linie auf deren Sicherheit, während der Unterricht auf die nicht behinderten Schüler fokussiert wurde. Bedingt durch die Ausbildung hat sich diese Sichtweise gewandelt. Sich auf die Kinder mit Behinderungen zu konzentrieren, ermöglichte eine vertrauensvolle Beziehung mit diesen zu etablieren. Die Lehrer nahmen wahr, dass dies dem Verhältnis zum Rest der Klasse keinen Abbruch tat sondern im Gegenteil das Erleben der Gemeinschaft stärkte.

Kinder mit einer geringen Aufmerksamkeitsdauer vermögen die Lehrer nun durch z.B. erfundene Spiele, künstlerische Tätigkeiten bzw. rhythmische Elemente wie z.B. Rezitieren oder Klatschen von Sequenzen besser einzubeziehen. Ebenso sind sie mutiger geworden, die Kinder immer wieder im Freispiel am Spielpatz einfach sein zu lassen und sich Zeit für Beobachtungen zu nehmen, um die Vorlieben und Schwächen des Kindes genau kennenzulernen und die Familie so bestmöglich unterstützen zu können.

Die Lehrer schätzten sehr das vermittelte Wissen, beispielsweise in Bezug auf die 12 Sinne, was bei der genauen Kinderbeobachtung hilfreich erlebt wird. Künstlerische Anregungen vom letzten Training (z.B. das Durchpausen eines Blattes mit Wachsmalkreiden) wenden die Lehrer gerne an und betrachten als eine Möglichkeit, das Kind zu befähigen und in seinem Können zu stärken.

Die eigene Gedankenkontrolle und das Ausblenden von persönlich belastenden Ereignissen, bevor man den Unterricht beginnt, sind von der Mehrheit der Lehrer praktizierte Techniken, die sie vor einem Jahr kennengelernt haben. Eine positive Einstellung ins Klassenzimmer mitzubringen und seine eigenen Emotionen auszugleichen, wird von Seiten der Lehrer seit der Ausbildung ebenso bewusst umgesetzt bzw. angestrebt.

 

 

Bedarf und Wünsche hinsichtlich weiterer AusbildungDie Lehrer sind sich bewusst, dass sie weitere Fertigkeiten und Techniken lernen möchten, die ihnen im Arbeitsalltag als Lehrer hilfreich sind und die Kinder mit Behinderung fördern, insbesondere im künstlerischen Bereich (z.B. Nass in Nass-Techniken, Handarbeiten). Die Möglichkeiten der Bewegung (z.B. Eurythmie, Spielturnen, Sport) oder Musik wurden nicht näher angesprochen. Die Praxisnähe und unmittelbare Umsetzbarkeit der Lerninhalte sind von großer Relevanz. 

Alle Lehrer hegen den Wunsch, ihr Wissen, das sie im Zuge der anthroposophischen Aus- und Fortbildung erworben haben bzw. erwerben möchten, mit Kollegen am UCC aber genauso mit Lehrerkollegen anderer Schulen zu teilen. Da sie die Vorzüge der Waldorfpädagogik auch beinahe alle auf gesamtgesellschaftlicher Ebene beschrieben haben, sehen sie sich ein Stück weit verantwortlich, diesen pädagogischen Ansatz in Ruanda weiterzuverbreiten.

Für beinahe alle Lehrer ist eine akkreditierte Fortbildung bedeutsam und besteht der Wunsch, an einer heilpädagogischen Waldorfschule im Ausland hospitieren zu können. Als mögliche Ausbildungszeiten nennen alle Befragten die Ferienzeiten. Aktuell wären konkret zwei bis drei Wochen in den langen Ferien zwischen Anfang November 2019 bis 6.Jänner 2020 denkbar bzw. zwei Wochen beginnend mit 7.April 2020. Mit dem Jahr 2020 werden die langen Ferien auf den Zeitraum Juli bis August verlegt und wären somit in diesen Monaten zwei bis drei Wochen an Fortbildung denkbar.

Aus Sicht des Managements soll sich die Fortbildung an die Teilnehmer der Ausbildung vom Jahr 2018 richten, um auf der gemeinsam geschaffenen Basis aufbauen zu können statt von vorne zu beginnen.

Da die Räumlichkeiten des UCC in den Ferien größtenteils leer stehen, können diese inklusive der Ausstattung (Tafel, Beamer) genutzt werden.

 

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Welchen gesellschaftspolitischen Zweck hat das projekt erfüllt?

Projekt Bugesera als Vorläufer zu Camphill

Zacharie, einer der Gründer des UCC, und Viateur von der Point Foundation haben im Distrikt Bugesera einen Vorläufer einer Camphill Einrichtung geplant. Der Distrikt Bugesera liegt in der Ostprovinz Ruandas und gilt als eine der ärmsten ländlichen Gebiete Ruandas aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit und fehlender Einkommens- und Verdienstmöglichkeiten für die lokale Bevölkerung. Land bzw. Immobilien sind hier vergleichsweise günstiger zu erwerben. Aktuell liegt Bugesera etwa 75 Autominuten von der Hauptstadt Kigali entfernt. Bedingt durch den Bau eines internationalen Flughafens in Bugesera und dem Ausbau der Infrastruktur wird Bugesera in naher Zukunft in 45 Fahrminuten von der Hauptstadt aus erreichbar sein.

Finanziert von einer Privat Person wurde in Bugesera ein ehemaliges Pub renoviert und zum Mwogo Technical and Vocational Education Training (TVET)-Zentrum umfunktioniert, das am 3.Februar 2019 eröffnet wurde. Das Mwogo-Entwicklungsprogramm arbeitet in Zusammenarbeit mit dem UCC, das die Expertise und Erfahrung im Rahmen der Berufsausbildung einbringt.

Der ursprüngliche Gedanke, im Bugesera-Zentrum ein ähnliches Programm wie im UCC zu implementieren, ging aufgrund der unterschiedlichen örtlichen Gegebenheiten nicht auf. Viateur und Zacharie haben ihr Vorhaben im Kontext der dem Land Ruanda eigenen Programme der Zusammenarbeit in der Nachbarschaft aufgestellt und dadurch verankert. Das Programm „Ubudehe“ soll die Beteiligung der Bürger an der Planung und Umsetzung von Projekten zur Armutsbekämpfung auf kommunaler Ebene fördern. Es hat sich als wirksames Instrument zur Förderung der Einbindung der Bevölkerung in die politischen Entscheidungsprozesse und zur Stärkung von Transparenz, Rechenschaftspflicht und Bürgernähe im öffentlichen Dienst erwiesen. Das Programm „Ubudehe“ fördert so die Entwicklung auf lokaler Ebene in Ruanda, wofür Ruanda im Jahr 2008 mit dem „Public Service Award“ der Vereinten Nationen ausgezeichnet wurde.

Im Kontext des „Ubudehe“-Programms hat die Nachbarschaft des Mwogo TVET-Zentrums in einem von lokalen Führern unterstützten Prozess gemeinsam die Familien, die aufgrund der größten Bedürftigkeit vorrangig davon profitieren sollten , ausgewählt und als Schwerpunkte für die angebotene Berufsausbildung Schneiderei und Friseur bzw. Kosmetikerin definiert. Die von der Gemeinschaft gewünschten Schwerpunkte der Berufsausbildung für die nächsten Jahre sind die Installations- und Gebäudetechnik, Elektrotechnik sowie die Führerscheinprüfung (theoretische nicht jedoch die praktische Führerscheinprüfung). Die Berufsausbildung gilt als eine der nationalen Prioritäten Ruandas und ist in den größeren Kontext der „National Strategy of Transformation“ eingebettet.

Die Finanzierung ist für ein Jahr gesichert. Zurzeit durchlaufen 45 Jugendliche, acht davon mit Behinderungen, die sechsmonatige akkreditierte Berufsausbildung. Das Ziel für die kommenden Monate wäre, umliegendes Land für landwirtschaftliche Zwecke erwerben zu können und mit der ökologischen Landwirtschaft zu beginnen. Die Ernte möchten Zacharie und Viateur in einem Shop in Kigali verkaufen, da biologische Produkte aktuell noch nicht in Rwanda zu erwerben sind, sie jedoch eine Nachfrage und Marktlücke hierfür sehen.

Ein mittelfristiges Ziel im Rahmen des Camphill-Vorläufer-Projekts in Bugesera ist der Bau von vier bis sechs Wohnhäusern für etwa 20 Personen. Auch hier soll eine traditionelle Form der Zusammenarbeit in der unmittelbaren Nachbarschaft unterstützend genutzt werden: „Umuganda“, was verpflichtende, öffentliche Gemeinschaftsarbeit bedeutet und jeden letzten Samstagvormittag im Monat stattfindet. Der soziale Zusammenhalt soll gestärkt werden, indem sich die Gemeinschaft um Verbesserung des unmittelbaren Lebensraums zum Wohlergehen aller bemüht. In diesem Fall sollen Wohnhäuser in der künftigen Camphill-Einrichtung für Menschen mit Behinderungen bzw. Waisenkinder errichtet werden. Nur etwa 10% aller Menschen mit Behinderungen erhalten vom Staat eine Förderung bzw. Dienstleistung, weshalb der Zivilbevölkerung eine besondere Rolle im Bemühen um Menschen mit Behinderungen zukommt.

Viateur stammt aus dem Distrikt Bugesera, wuchs hier auf und ein Teil seiner Familie lebt noch dort, wodurch Viateurs besondere Nähe und Verbundenheit zu diesem Projekt spürbar ist. Viatuer und Zacharie hegen die Vision, das Mwogo TVET-Zentrum allmählich und stetig wachsend in eine Camphill-Einrichtung weiterzuentwickeln.

 

Wie waren Reaktionen anderer zu diesem Projekt?

ICSA-Konferenz

Inklusion und Diversität sind die übergeordneten Themen der diesjährigen Intentional Communities Studies Associations (ICSA)-Konferenz. Bezogen auf die Camphill-Bewegung ist zu beobachten, dass Absonderung im Anfangs- bzw. Aufbaustudium einen Schutz bietet, um sich ganz auf sich selbst fokussieren zu können. Ist dieser Prozess weitgehend abgeschlossen und hat – in diesem Fall die Camphill-Gemeinschaft bereits Form angenommen – öffnet sie sich üblicherweise nach außen, was Inklusion von neuem ermöglicht. Diversität im weitesten Sinn ist ein weiterer gelebter Grundsatz in Camphill: Hier wird gerne ein Vergleich von der Landwirtschaft/Permakultur verwendet – je vielfältiger die Gemeinschaft ist, desto stabiler und resistenter steht sie im Leben.

Bei der Konferenz selbst ist eine Vielfalt an Menschen vertreten, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln über ihre Erfahrungen in ihren Communities berichten – sei es Kibbutz, Camphill oder jegliche andere Form an gelebter Gemeinschaft. Es ist weitgehend von westlichen Kulturen der USA und Europa dominiert, weshalb der Workshop über das Rwanda-Projekt mit der Vision einer Weiterentwicklung eines kürzlich begonnen Projekts zur Ausbildung von Menschen mit Behinderungen in einer sehr ländlichen, deprivierten Gemeinschaft Rwandas hin zu einer Camphill-Einrichtung sehr gut besucht ist.

In Mwogo/Bugesera, der östlichen Provinz Rwandas wurde am 3.Februar 2019 das Mwogo Technical and Vocational Education Training (TVET)-Zentrum eröffnet. Das Mwogo-Entwicklungsprogramm arbeitet in Zusammenarbeit mit dem Ubumwe Community Centre (UCC) in Gisenyi, das die Expertise und Erfahrung im Rahmen der Berufsausbildung einbringt.

Die lokale Bevölkerung wählte als Schwerpunkte für die angebotene Berufsausbildung Schneiderei und Friseur bzw. Kosmetikerin aus.

Ein mittelfristiges Ziel im Rahmen des Camphill-Vorläufer-Projekts in Bugesera ist der Bau von vier bis sechs Wohnhäusern für etwa 20 Personen mit Behinderungen und der Erwerb von Land zur biodynamischen Landwirtschaft. Die Produkte sollen in einem Shop in der Hauptstadt Kigali verkauft werden, da es noch keine Bio-Produkte in Rwanda gibt.

In der Diskussion wird gerne konkrete Unterstützung von verschiedensten Seiten angeboten und Ratschläge gegeben:  Beim Aufbau einer (Camphill-) Gemeinschaft profitiert man sehr davon, sich eine andere Gemeinschaft zum „Partner“ zu nehmen – idealerweise eine Gemeinschaft, die bereits den Aufbauprozess abgeschlossen hat. Das ermöglicht die gemeinsame Reflexion über die Herangehensweise, deren Herausforderungen und etwaige Probleme bzw. Barrieren. Die Hertha-Community in Dänemark berichtete von ihrem Aufbauprozess, bei dem sie über fünf Tage hinweg die Vision ihrer Gemeinschaft gemeinsam herausgearbeitet haben und erste Skizzen angefertigt haben, wie sie sich die Gemeinschaftsstruktur vorstellen. In diesem Kontext war auch die baulich-architektonische Gestaltung wesentlich, eine gewisse Ästhetik der Gebäude.

Aus diesen ersten Ansätzen entstand eine Broschüre, mit der sie um Finanzierung angesucht haben. Andere Gemeinschaften empfehlen ein Entwicklungsprogramm zu erstellen, aus dem die einzelnen Aufbauphasen ersichtlich werden. Das erleichtert die schrittweise Finanzierung durch externe Geldgeber. Es wäre auch hilfreich, möglichst zeitnah mit der Camphill-Foundation (Ansprechperson Karen Murphy) in Hinblick auf die Finanzierung in Kontakt zu treten.

Während ein langsamer, stetiger Wachstumsprozess der (Camphill-) Einrichtung sinnvoll erscheint, muss jedoch der Wert der entstehenden Camphill-Gemeinschaft von Anfang an in der Einrichtung spürbar sein. Wichtig ist es, zumindest eine Camphill-Familie mit einer anthroposophischen Lebens- und Wertehaltung von Beginn an dabei zu haben, die diesen Gedanken weitertragen kann. An dieser Stelle wäre die Zusammenarbeit mit der Camphill-Academy ratsam, die junge Menschen mit Camphill-Erfahrung und dem Willen zur Veränderung sowie den nötigen Tatendrang vermitteln können (Ansprechperson Elizabeth J. Sanders).

 

Wofür wurde das gespendete Geld konkret ausgegeben?

Das Geld wurde ausschließlich verwendet um Reise Kosten der Projekt Teilnehmer zu bezahlen. Die Arbeiten wurden alle ehrenamtlich ausgeführt.

Siehe Kostenaufstellung.

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