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Projekt-ID: 1820

Gemeinsam wachsen - Patenschaften für Kinder psychisch erkrankter Eltern

Kontaktperson: Heidemarie Eher
eingereicht am: 25.02.2019
Budget: € 7.392,-
Finanzierungsfrist: 25.08.2019
Finanzierungsschwelle: € 4.200
Land/Region: Österreich/Salzburg
Art: Sonstige
Themenkreis: Soziales Engagement

Allgemein

Projektteaser

Kinder, deren Eltern psychisch krank sind, brauchen Unterstützung, sonst entwickeln sie selbst oft eine psychische Erkrankung. Daher stellen wir den Kindern ehrenamtliche Patinnen und Paten als stabile, verlässliche Bezugspersonen zur Seite.

Projektadresse

Lessingstraße 6
5020 Salzburg

Das Projekt läuft in der Stadt Salzburg sowie im Tennengau und Flachgau.
  • Start Projektumsetzung: 01.09.2019
  • Ende Projektumsetzung: 28.02.2020

Projektbeschreibung

Psychische Erkrankungen sind in unserer Gesellschaft noch immer tabuisiert, Betroffene empfinden Schuld und Scham und geraten häufig in soziale Isolation. Viele psychisch erkrankte Eltern sind AlleinerzieherInnen, der Alltag ist für sie kaum zu bewältigen. So übernehmen Kinder, die mit einem psychisch erkrankten Elternteil aufwachsen, früh viel Verantwortung: für den Haushalt, für den erkrankten Elternteil, für jüngere Geschwister. Dadurch bleibt wenig Raum dafür, Kind zu sein, eigene Interessen zu entwickeln und ihnen nachzugehen. Hinzu kommt, dass psychisch erkrankte Menschen selbst oft negative Bindungserfahrungen gemacht haben, was es ihnen erschwert, für ihre eigenen Kinder ein „sicherer Hafen“ zu sein.

Um nun den Kindern im Sinne einer „Insel“ einen Raum zu geben, wo es einmal nur um sie geht, wo sie wieder Kind sein dürfen und eine stabile Beziehung zu einem gesunden Erwachsenen aufbauen können, stellen wir den Familien in unserem Patenschaftsprojekt langfristig ehrenamtliche Patinnen und Paten zur Seite. Einen Halbtag pro Woche verbringen die Patinnen und Paten mit ihrem Schützling – und wirken so als stabile Vertrauens- und Bezugsperson gegen Isolation und Überforderung.


Nachweis Projektabschluss

Gesamtabrechnung, Rechnungskopien zu den Ausgaben, die mit den über Respekt.net lukrierten Mitteln bestritten wurden, Fotodokumentation (eingeschränkt aufgrund des Datenschutzes), Online-Abschlussbericht, Info über neue Patenschaften, Stimmen von Paten und Familien / Erfahrungsberichte.

Details

1. Einleitung

 

Familien, in welchen ein Elternteil psychisch erkrankt ist, sind mehrfach belastet. Die familiären und außerfamiliären Aufgaben und Pflichten, die der psychisch erkrankte Elternteil erfüllt hat, müssen auf die anderen Familienmitglieder aufgeteilt werden. Dies führt zu einer Überlastung des gesunden Elternteils und zur sogenannten „Parentifizierung“ der Kinder, wenn auch sie Aufgaben übernehmen, die eigentlich den Erwachsenen zuzuordnen sind, und wenn sie auch auf emotionaler Ebene immer wieder in die Elternrolle schlüpfen.

Hinzu kommen weitere Belastungsfaktoren wie Ängste, Schuld- und Schamgefühle, mangelnde Kommunikation, Tabuisierung und Stigmatisierung bis hin zu Isolierung und Ausgrenzung der betroffenen Familien. Es treten gehäuft Arbeitsplatzverlust, Verschuldung, fehlende soziale Unterstützung sowie Trennungen und Scheidungen in betroffenen Familien auf, sodass insgesamt in den meisten Fällen von einem Multiproblemumfeld ausgegangen werden kann.

Kinder psychisch erkrankter Eltern weisen ein stark erhöhtes Risiko auf, selbst im weiteren Lebensverlauf psychisch krank zu werden. Verschiedene Studien gehen von einem 3- bis 7-fach erhöhten Risiko aus, in Einzelfällen kann das Risiko auf das 40-fache anwachsen, wenn beispielsweise beide Elternteile an einer Suchterkrankung leiden. Eltern-Kind-Beziehung und Eltern-Kind-Interaktion können durch die elterliche Erkrankung im gesamten Entwicklungsverlauf der Kinder beeinträchtigt sein – mit zum Teil massiven Auswirkungen auf deren kognitive, motorische, soziale und emotionale Entwicklung. Die Risikofaktoren sind dabei mittlerweile gut erforscht, und gleichzeitig können auch, basierend auf der Resilienzforschung, protektive Faktoren benannt werden, die sich positiv auf die Entwicklung der Kinder auswirken.

Als wesentliche protektive Faktoren gelten beispielsweise ein gutes soziales Netz der Familie sowie eine stabile Bezugsperson des Kindes außerhalb der Familie. Mit dieser Bezugs- und Vertrauensperson können positive Interaktions- und Bindungsmuster etabliert werden, die Kinder erfahren Stabilität und Struktur, welche in der eigenen Familie aufgrund der psychischen Erkrankung des Elternteils sehr häufig verloren gehen oder von Beginn an kaum vorhanden waren. Neben diesem sehr wichtigen Aspekt der Gesunderhaltung der Kinder von psychisch erkrankten Eltern darf aber auch der Blick für das Familiensystem als Ganzes nicht vernachlässigt werden. Hilfe von außerhalb kommt für diese Familien zumeist nur von professionellen Helfern, die sich jeweils auf ihr Fachgebiet und ihre spezifischen Aufgaben konzentrieren, wodurch der nicht unwesentliche Aspekte der Alltagsunterstützung etwas in den Hintergrund gedrängt wird. Patenschaften sind daher sowohl für die Entlastung des gesamten Familiensystems als auch für die gesellschaftliche Inklusion der betroffenen Familien ein wichtiges Angebot.

 

2. Zielsetzungen des Projektes

 

Im vorliegenden Projekt geht es darum, Patenschaften für insbesondere durch psychische Erkrankungen eines Elternteils belastete Familien zu etablieren, die

 

- im Sinne von Keupp (2011) den Ermöglichungsraum für ein gesundes Aufwachsen und einen positiven Entwicklungsverlauf der Kinder erweitern und ergänzen.

- zur Entlastung der Familiensysteme durch Beziehungsangebote, praktische Unterstützung im Alltag und Unterstützung bei der Kindererziehung beitragen.

 

Die wesentlichen Zielsetzungen dieses Angebotes sind daher, zu einer spürbaren Stärkung und Entlastung der Familien beizutragen und so insbesondere die Qualität des familiären Alltags entscheidend zu verbessern. Gleichzeitig soll zu mehr Chancengleichheit für die betroffenen Kinder beigetragen werden, die zumeist einen schwierigeren Start mit einem höheren Risiko für Entwicklungsverzögerungen haben, und in weiterer Folge statistisch signifikant häufiger eine niedrigere Schulbildung, geringere (psychische und physische) Gesundheit und geringere Lebenszufriedenheit aufweisen (vgl. zB. Ergebnisse der BELLA Studie: Ravens-Sieberer/Wille/Bettge/Erhart 2007).

 

Angeboten werden sollen Kinderpatenschaften sowie Familienpatenschaften, wobei sich der konkrete Inhalt der Patenschaft in der Praxis nach dem individuellen Bedarf der Familien richtet und daher sowohl aufgabenorientiert als auch beziehungsorientiert ausgerichtet sein kann. Inhalte klassischer Kinderpatenschaften sind die Betreuung von Kindern in der Freizeit bis hin zu Übernachtungen der Kinder bei den Paten. Bei Familienpatenschaften geht es insbesondere um praktische Unterstützung mit Babys und Kleinkindern und allgemein im Haushalt, um Hilfe bei Behördengängen und insbesondere um das „Da-Sein“ für psychisch erkrankte bzw. sehr belastete Mütter, die wenig oder keine Unterstützung durch ihre Herkunftsfamilie haben (s. dazu Pkt. 3 unten).

 

3. Inhalte der Patenschaft / Aufgaben der PatInnen

 

In Verbindung mit diesen Zielsetzungen werden im Folgenden auch die Aufgaben der Paten benannt. Zu erwähnen ist dabei, dass sich jede Patenschaft an den individuellen Bedürfnissen und Möglichkeiten der Familien und der Paten zu orientieren hat und somit auch die Inhalte einer Patenschaft sehr unterschiedlich sein können. Für jede Patenschaft gilt aber, dass die Aufgaben aller an der Patenschaft beteiligten Personen sowie weitere Details der Patenschaft in einer schriftlichen Vereinbarung zwischen Paten, Familien und Verein JoJo – Kindheit im Schatten festgelegt werden.

 

Aufgaben der Paten können sein (vgl. auch Perzlmaier/Sonnenberg 2013):

 

- Beziehungsaufbau und längerfristige Bezugsperson für das/die Kind/-er (von Beaufsichtigung im Zuhause der Familien über Aktivitäten außerhalb der Wohnumgebung bis hin zur vorübergehenden Pflegschaft des Kindes/der Kinder durch die Paten im Falle eines Krankenhausaufenthaltes von Mutter/Vater)

- Förderung der Entwicklung des Kindes

- Entlastung der Eltern/Familie im Alltag

- Gesprächspartner und Vertrauensperson

- Begleitung zu Terminen

- (sozialräumliche) Integration

 

Herder (2011: 16 f.) fasst in diesem Kontext die große Bedeutung von Patenschaften für Kinder psychisch erkrankter Menschen wie folgt zusammen:

„Patenschaft ist eine kindgerechte Wahrnehmung und Anerkennung der Lebenssituation von Kindern als Angehörige psychisch erkrankter Eltern. Die Patenschaft ist am Wohlergehen des Kindes orientiert, sie kann die Bereiche ergänzen oder ersetzen, die der Elternteil aus gesundheitlichen Gründen nicht jederzeit ausfüllen kann. Sie steht nicht in Konkurrenz zu den elterlichen Aufgaben, sondern erfüllt mögliche, darüber hinaus gehende Bedürfnisse des Kindes. Sie kann Kind und Eltern in der Familiensituation stabilisieren und entlasten. Das Kind erhält die Chance, mit einem vertrauten Menschen seinen eigenen Bedarfen nachzugehen und sie zu erfüllen.“

Darüber hinaus darf nicht übersehen werden, dass auch die Eltern, gerade wenn sie erst kürzlich in die Elternrolle geschlüpft sind, ein hohes Bedürfnis nach Sicherheit und vertrauensvoller Beziehung haben. Beides kann gerade bei psychisch erkrankten Eltern die eigene Herkunftsfamilie sehr häufig nicht oder nicht in ausreichendem und konfliktfreiem Maße bieten, sodass bei diesen „jungen“ Familien der Fokus einer Patenschaft auf der ganzen Familie liegt und hier eine starke stützende, stärkende und entlastende Wirkung entfalten kann. Im vorliegenden Projekt wird daher unterschieden zwischen Kinderpatenschaften, die primär der Stärkung von Kindern psychisch erkrankter Eltern dienen, und Familienpatenschaften, in welchen insbesondere der Beziehung zwischen Paten und (psychisch erkrankten) Eltern / Müttern eine grundlegende Bedeutung zukommt.

 

4. Zielgruppen

 

a. Folgende Familien kommen für eine Unterstützung durch Paten in Frage:

 

- Familien, in welchen ein Elternteil eine diagnostizierte psychische Erkrankung aufweist

- Familien, in welchen ein Elternteil psychisch sehr belastet ist, wobei keine psychiatrische Diagnose vorliegen muss

 

Darüber hinaus können je nach vorhandenen Ressourcen aus präventiver Sicht auch folgende Familien Unterstützung erhalten:

 

- Alleinerziehende, die aufgrund der Gesamtsituation stark gefordert sind und die über wenig Unterstützung aus dem familiären und außerfamiliären Bereich verfügen

- Sehr junge Eltern, die Schwierigkeiten mit der Einfindung in die Elternrolle haben und über wenig Unterstützung verfügen

 

b. Als Paten kommen in Frage:

 

Frauen, Männer, Lebensgemeinschaften, eheliche Gemeinschaften sowie Familien mit einer stabilen Lebenssituation, die

- über eine hohe Belastbarkeit und hohe soziale Kompetenz verfügen

- an einer längerfristigen Patenschaft für belastete Familien interessiert sind

- mindestens 4 Stunden pro Woche für die Patenschaft aufbringen können und wollen

 

Perzlmaier/Sonnenberg (2013: 146) nennen darüber hinaus folgende Kernkompetenzen von Paten:

 

- Zeit haben und Zeit geben

- Geduld und Ausdauer

- Stabilität und Abgrenzungsvermögen

- Empathie und wertschätzende Haltung

- Durchhaltevermögen und Frustrationstoleranz

- Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit

- Reflexionsfähigkeit und Lernbereitschaft

- Humor und Leichtigkeit

 

Diese Kernkompetenzen sowie die Wünsche, Vorstellungen und Möglichkeiten der Paten werden im Rahmen mehrerer Gespräche mit den Paten u.a. durch Reflexionsfragen ermittelt. Ein entsprechender Fragebogen sowie ein Gesprächsleitfaden wurden vom Verein JoJo – Kindheit im Schatten entwickelt.

 

Darüber hinaus müssen Paten folgende Unterlagen vorweisen, um als Paten anerkannt zu werden:

 

- Vorlage einer Gesundheitsbescheinigung

- Polizeiliches Führungszeugnis / Strafregisterbescheinigung Kinder- und Jugendfürsorge

- „Absolvierung“ der vom Verein angebotenen Schulung(en) und Gesprächstermine

- Fragebogen / Lebenslauf

 

5. Gewinnung von Familien und Paten

 

a. Gewinnung der Familien:

 

Was den Zugang zum Projekt „Gemeinsam wachsen“ betrifft, so besteht die Möglichkeit der Inanspruchnahme einer Patenschaft für alle Familien, die aktuell oder früher Leistungen des Vereines JoJo – Kindheit im Schatten in Anspruch nehmen oder genommen haben. Die Vorteile dieses Zugangs sind:

 

- Die Familien und ihre Situation sind bereits bekannt.

- Es besteht bereits ein Vertrauensverhältnis zwischen dem Verein bzw. den jeweils zuständigen MitarbeiterInnen und den Familien.

- Das Matching zwischen Familien und Paten wird dadurch erleichtert.

 

Darüber hinaus kann der Zugang aber auch durch Selbstrecherche / Selbstmeldung erfolgen, da das Projekt auch in verschiedenen Medien vorgestellt wird.

 

Drittens kommen verschiedene Netzwerkpartner als Zuweiser in Frage, wie

 

- Familien-/Elternberatungsstellen

- PädagogInnen

- PsychologInnen, PsychotherapeutInnen

- Jugendämter

- Kliniken

- ÄrztInnen

- …

 

Eine Begleitung von Familien ausschließlich im vorliegenden Patenschaftsprojekt wird nicht angestrebt. Es muss immer auch eine psychologische Begleitung im Rahmen der Kernangebote von JoJo stattfinden.

 

b. Gewinnung der Paten:

 

Für die Gewinnung der Paten ist zum einen Öffentlichkeitsarbeit nötig, die sich ganz konkret an die Zielgruppen richtet. Hier werden entsprechende Materialien (Flyer, Plakate, ..) erstellt, weiters sollen potenzielle Paten durch Berichterstattung in den Medien (Print, Online, Radio, Fernsehen) aufmerksam gemacht werden.

Darüber hinaus bestehen Wege der Gewinnung von Paten über Freiwilligenagenturen (z.B. der Caritas Salzburg) sowie über persönliche Kontakte und Netzwerkpartner.

Es wurde eine eigene Webseite für das Patenschaftsprojekt eingerichtet unter www.gemeinsam-wachsen.at, die interessierten Paten und Familien bereits im Vorfeld ermöglichen soll, sich umfassend zu informieren und festzustellen, ob das Projekt für sie wirklich passend ist.

 

6. Auswahl von Familien und Paten

 

a. Auswahl der Familien:

 

Das Erstgespräch mit den Familien bzw. mit den Eltern findet je nach Art des Zugangs zum Projekt mit der bisher zuständigen JoJo-Mitarbeiterin und der Projektkoordinatorin, bei Zuweisung durch Netzwerkpartner beispielsweise auch mit der dort zuständigen BetreuerIn oder bei Selbstmeldung alleine durch die Koordinatorin statt. Die Koordinatorin macht sich zunächst ein Bild von der Familiensituation. Darüber hinaus werden sowohl Belastungsfaktoren als auch Ressourcen der Familien mittels Fragebogen/Gesprächsleitfaden erhoben. Wesentlich ist außerdem eine erste Besprechung der Vorstellungen von der Patenschaft bzw. der Aufgaben für die Paten aus Sicht der Eltern. Die Koordinatorin wiederum stellt das Projekt in seinen Grundzügen vor.

 

Als Mittel für die Beurteilung, ob Familien für das Projekt gut geeignet sind, wird neben dem persönlichen Gespräch und der darauf folgenden subjektiven Einschätzung auf Basis des Fragebogens die Orientierungsskala als Hilfestellung zur Ermittlung passender Familien von Perzlmaier/Sonnenberg (2013: 69) eingesetzt.

 

Familien in akuten Krisensituationen können nicht in das Patenschaftsprojekt aufgenommen werden, erst nach gut erfolgter Bewältigung der Akutsituation kann der Beginn einer Patenschaft angedacht werden.

 

Als weitere Ausschlusskriterien nennen Perzlmaier/Sonnenberg (2013: 166 f.) fehlende Freiwilligkeit, fehlenden Auftrag und Bedarf sowie schwierige Familienbiografien mit Traumata in der Vergangenheit oder Multiproblemlagen, die die Paten überfordern. Eine Entscheidung über die Aufnahme in das Patenschaftsprojekt muss gerade in diesem letzten Fall aber immer auch einbeziehen, ob eine professionelle Begleitung der Familie parallel zur Patenschaft stattfindet bzw. stattfinden kann (z.B. durch JoJo-Projekt „Willkommen im Leben“).

 

Je nach Zugang zum Projekt (und damit je nachdem, wie gut die Familien dem Verein bereits bekannt sind) erfolgen weitere Gespräche zur Abklärung der Aufnahme und zum besseren Kennenlernen. Darüber hinaus gibt es auch für die Familien die Möglichkeit, sich im Rahmen regelmäßig stattfindender Treffen im Vereinsbüro mit anderen Familien auszutauschen.

 

b. Auswahl der Paten:

 

Bei den Paten ist wichtig, dass sie die oben genannten Kriterien erfüllen. Je nachdem, wie intensiv eine Patenschaft nach Vorstellung der Paten sein soll, gestaltet sich auch das Auswahlverfahren in unterschiedlicher Intensität. Kann es bei Kinderpatenschaften beispielsweise auch dazu kommen, dass ein Kind bei seinem Paten übernachtet, muss das Auswahlverfahren sehr intensiv sein und die Paten sowie deren näheres Umfeld müssen der Koordinatorin bereits sehr gut bekannt sein.

 

Allgemein nennen Perzlmaier/Sonnenberg (2013: 154) folgende Schritte im Auswahlverfahren, denen auch bei diesem Projekt prinzipiell gefolgt wird:

 

1. Erstkontakt am Telefon

2. Informationsveranstaltung

3. Fragebogen

4. Erstgespräch

5. Einholen von Referenzen

6. Teilnahme an Veranstaltungen

7. Hausbesuch

8. Gründe, die gegen die Patenschaft sprechen

9. Entscheidung

 

Die Informationsveranstaltung (Infoabend) soll für alle Interessenten offen sein, die nach dem Erstkontakt am Telefon nach wie vor Paten werden wollen. Hier werden die wesentlichen Eckpunkte des Projektes erörtert und es besteht die Möglichkeit eines ersten persönlichen Kennenlernens. Besteht weiterhin Interesse, wird ein Fragebogen ausgehändigt, der persönliche Daten, Motive für die Patenschaft, bisherige ehrenamtliche Erfahrungen, spezielle Vorkenntnisse und Interessen abfragt (vgl. Perzlmaier/Sonnenberg 2013: 155). Anschließend findet ein Erstgespräch statt, das nach einem Gesprächsleitfaden abläuft. Als nächsten Schritt werden nach Einholung des Einverständnisses Referenzen über den potenziellen Paten bei anderen Freiwilligenorganisationen o.ä. eingeholt.

 

Einen wesentlichen Teil der Auswahl der Paten stellen auch Veranstaltungen wie regelmäßige Treffen (monatlich) zum Austausch mit anderen Paten, wobei im Rahmen dieser Treffen auch Einzelvorträge zu wichtigen Themen, die sich aus den Patenschaften ergeben, stattfinden können.

 

Abschließend ist ein Hausbesuch bei den Paten vor allem dann angezeigt, wenn es sich um eine Kinderpatenschaft handelt und auch die Möglichkeit besteht, dass sich das oder die Kinder beim Paten zuhause aufhalten oder sogar dort übernachten.

 

Im Anschluss daran wird die Entscheidung von den potenziellen Paten sowie von der Koordinatorin getroffen und es folgt ein entsprechendes Gespräch. Für die Eignung bzw. den negativen Fall, die Nicht-Eignung, nennen Perzlmaier/Sonnenberg (2013: 161) folgende Punkte:

 

- Die Paten haben selbst einen Kinderwunsch und wollen „Eltern sein“, vergessen dabei aber, dass die Kinder bereits Eltern haben und treten zu diesen in Konkurrenz

- Die Paten wollen Kinder und Familien verändern, indem sie eigene Werte missionarisch übertragen

- Die Paten sind sehr instabil, isoliert und emotional bedürftig, sie verstehen das Patenamt als Mittel gegen Einsamkeit

- Die Paten sind selbst psychisch erkrankt, drogen- bzw. suchtabhängig oder vorbestraft

- Die Paten sind einer Sekte zugehörig

- Die Paten können keine Verlässlichkeit bieten, durch zu hohe berufliche Belastung, kranke Angehörige o.ä.

- Die Paten sind selbst sehr belastet, z.B. durch eine anstehende Scheidung, Arbeitslosigkeit, Schulden, …

- Die Paten weigern sich, Formalien wie das erweiterte polizeiliche Führungszeugnis, Datenschutzerklärung etc. einzureichen

- Die Paten kooperieren nicht mit der Koordinatorin.

 

Für die Paten besteht darüber hinaus die Möglichkeit, sich jederzeit Einzelgespräche mit der Koordinatorin zu vereinbaren sowie – bei schwierigen Verläufen der Patenschaft – Supervision in Anspruch zu nehmen.

 

Für die Familien, die über JoJo selbst zugewiesen wurden, erfolgt weiterhin eine Begleitung durch den/die jeweilige PsychologIn.

 

7. Matching & Koordination

 

Der Erfolg von Patenschaften ist wesentlich davon abhängig, ob Familien und Paten zueinander passen. Perzlmaier/Sonnenberg (2013: 171) nennen folgende Kriterien für ein erfolgreiches Matching:

 

- Sympathie zwischen Pate und Familie

- Übereinstimmung von Motivation und Bedarf

- Wohnortnähe

- Alterskonstellation

- Milieukonstellation: Hier zeigen Studien, dass Milieuunterschiede ein Kriterium für erfolgreiche Patenschaften sind!

 

Perzlmaier/Sonnenberg (2013) weisen außerdem darauf hin, dass die Koordinatorin dem Vermittlungsdruck, der sich notwendig einstellt – unabhängig davon, wodurch dieser zustande kommt – unbedingt widerstehen sollte.

 

Sind zwei möglicherweise zueinander passende Seiten gefunden, kommt es zu einem Gespräch mit Familie, Pate und Koordinatorin. Anwesend sein können weiters (auf Wunsch der Familie!) Fachkräfte, die die Familien kennen, oder Freunde/Verwandte der Familie. Für die Paten findet ein Vorbereitungsgespräch statt, in welchem sie über die Familie, den Ablauf des Gespräches, Verhaltenstipps etc. informiert und positiv eingestimmt werden.

 

Beim gemeinsamen Gespräch geht es um ein gegenseitiges Kennenlernen. Eventuell können weitere Treffen stattfinden, bevor eine endgültige Entscheidung über den Beginn einer Patenschaft getroffen wird.

 

Wenn die Patenschaft zustande kommt, werden beide Seiten – Familie und Pate – weiterhin von der Koordinatorin begleitet. Nach anfänglich intensivem telefonischen Austausch (oder per E-mail) wird nach erfolgreicher Etablierung der Patenschaft mindestens einmal monatlich ein telefonischer Kontakt seitens der Koordinatorin hergestellt für den Fall, dass dies nicht von Seiten der Paten oder der Familien erfolgt.

 

Darüber hinaus werden Verträge bzw. schriftliche Vereinbarungen abgeschlossen. Zum einen besteht ein Vertrag zwischen Paten und Verein JoJo – Kindheit im Schatten, zum zweiten eine schriftliche Vereinbarung mit Eltern, Paten und Verein JoJo – Kindheit im Schatten, in welcher die Inhalte der Patenschaft sowie deren Umfang festgehalten werden.

 

8. Beendigung einer Patenschaft

 

Eine Patenschaft kann von beiden Seiten – Paten und Familien – jederzeit beendet werden. Äußert eine Seite dieses Bestreben, so erfolgt ein Gespräch mit der Koordinatorin, um die Gründe für diesen Wunsch zu eruieren und ggf. Veränderungen so herbeiführen zu können, dass die Patenschaft doch noch aufrecht zu erhalten ist (so dies von beiden Seiten prinzipiell angestrebt wird).

 

Seitens des Vereines JoJo – Kindheit im Schatten kann eine Patenschaft nach erfolgten Gesprächen mit beiden Seiten ebenfalls beendet werden, wenn schwerwiegende Gründe gegen eine Aufrechterhaltung der Patenschaft sprechen (wenn beispielsweise ein Kind in einen schweren Loyalitätskonflikt gerät und so durch die Patenschaft mehr belastet wird als es profitieren kann).

 

Ansonsten endet eine Patenschaft auch mit Zeitablauf, wenn beispielsweise in der schriftlichen Vereinbarung ein Endzeitpunkt festgelegt wurde. Prinzipiell wird aber von „lebenslangen“ Patenschaften ausgegangen.

 

9. Evaluation

 

Um den Erfolg und die Wirkungen des Projektes „gemeinsam wachsen“ zu überprüfen, wird das Projekt extern evaluiert. Die Agentur queraum wurde im Rahmen der FGÖ-Richtlinien mit dieser Evaluation beauftragt. Inhaltlich geht es bei der Evaluation um folgende Punkte:

 

1. Es werden die Wirkungen der Patenschaften in Gesprächen mit Familien und Paten erhoben.

2. Es werden laufend (mindestens einmal monatlich) Gespräche (telefonisch oder persönlich) mit Paten und Familien seitens der Koordinatorin geführt, die dokumentiert werden.

3. Es erfolgen regelmäßige Intervisionen zwischen betreuenden PsychologInnen der Familien und der Koordinatorin, die dokumentiert werden.

 

Zusätzlich zu den Wirkungen der Patenschaften auf Familien und Paten werden auch die internen Projektprozesse und –strukturen untersucht und ggf. bereits während der Projektlaufzeit angepasst.

 

Literatur: 

Herder, Katrin (2011): Auch Kinder sind Angehörige – Was können Paten-projekte für sie tun? In: Görres, Birgit/Pirsig, Thomas (Hg.): Wahlverwandtschaft. Engagiert in Patenprojekten. Bonn: Dachverband für Gemeindepsychiatrie. 

Keupp, Heiner (2011): Wie der Balanceakt Familie gelingen kann – Familiäre Verwirklichungschancen und ihre Förderung. Vortrag auf dem Fachtag „Kompetent Familien stärken“ des Netzwerkes Familienpaten Bayern am 15.11.2011: www.netzwerkfamilienpaten.bayern.de 

Perzlmaier, Chrstiane/Sonnenberg, Birgit (2013): Patenschaften praxisnah – Herausforderungen und Umsetzung von Kinder- und Familienpatenschaften. Weinheim und Basel: Beltz Juventa.

Ravens-Sieberer, U./Wille, N./Bettge, S./Erhart, M. (2007): Psychische Gesund-heit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Ergebnisse aus der BELLA-Studie im Kinder- und Jugendgesundheitssurvey (KiGGS). In: Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 5/6 2007, S. 871 – 878.

Budget

  • Gesamtbudget
    € 8.300,-
  • - Eigenmittel
    € 1.700,-
  • Finanzierungsziel
    € 6.600,-
  • + Abwicklungsgebühr
    € 792,-
  • Zielbudget
    € 7.392,-
  • Finanzierungsschwelle
    € 4.200,-
  • Respekt.net-Teilbetrag A (wird bei erfolgreicher Finanzierung überwiesen)
    € 1.993,-
  • Respekt.net-Teilbetrag B (wird nach Erhalt des Zwischenberichtes überwiesen)
    € 2.742,-
  • Abgabedatum Zwischenbericht
    31.12.2019
  • Respekt.net-Teilbetrag C (wird nach Erhalt des vollständigen Projektabschlussberichtes überwiesen; mind. 10 % des Zielbudgets)
    € 526,-
  • Abgabedatum Abschlussbericht
    13.03.2020
  • Projektrisiken
    Das einzige Projektrisiko ist, dass wir innerhalb der Projektlaufzeit nicht die gewünschte Anzahl an Patenschaften begleiten können, weil es zB Abbrüche gibt oder wir zu wenige neue Patenschaften starten können. Angesichts der hohen Nachfrage und der Langfristigkeit der Patenschaften scheint dieses Risiko allerdings nicht allzu hoch.
  • Budgetplanung
    Mittelverwendung Finanzierungsschwelle:
    (EUR 4.200,-)

    Personalkosten: EUR 3.640,-
    Honorarkosten: EUR 202,-
    Patenversicherungen: EUR 228,-
    Fahrtkosten: EUR 50,-
    Ausgaben für Paten- und Familientreffen: EUR 80,-


    Mittelverwendung Finanzierungsziel:
    (EUR 8.300,-)

    Personalkosten: EUR 7.280,-
    Honorarkosten: EUR 405,-
    Patenversicherungen: EUR 455,-
    Fahrtkosten: EUR 80,-
    Ausgaben für Paten- und Familientreffen: EUR 80,-

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News

JOJO - Kindheit im...

hat am 20.09.2019 geschrieben

In Umsetzung!

Wir freuen uns sehr über die gelungene Finanzierung für unser Patenschaftsprojekt "Gemeinsam wachsen" für Kinder psychisch erkrankter Eltern und sind gleich in die Umsetzung gegangen. Aktuell bahnen wir für zwei Jungs im Volksschulalter eine Patenschaft an. Haltet uns die Daumen, dass es bei den Matchings (Kennenlerntreffen) zwischen Eltern, Kindern und Pat*innen klappt!

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Bitte geben Sie die Anzahl an Stunden bei den einzelnen Aufgaben ein, die Sie spenden.

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Noch benötigt: 4 Std.
Wer selbst Pate oder Patin für ein Kind werden möchte, muss erwachsen sein, sich selbst in stabilen Lebensverhältnissen befinden, gerne Zeit mit Kindern verbringen und etwa 4 Stunden pro Woche Zeit haben (Raum Salzburg Stadt, Flachgau, Tennengau).

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