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Projekt-ID: 1567

Outdoor-Training für sozial und emotional benachteiligte Kinder und Jugendliche

Initiator/In: Martin Albrecht
eingereicht am: 08.11.2017
Budget: € 2.970,-
Finanzierungsfrist: 08.03.2018
Land/Region: Österreich/Niederösterreich
Art: Sonstige
Themenkreis: Bildung & Ausbildung

Allgemein

  • Start Projektumsetzung: 09.04.2018
  • Ende Projektumsetzung: 31.05.2018

Projektbeschreibung kurz

Ziel des Outdoor-Trainings ist die Förderung sozialer und emotionaler Kompetenz für Kinder und Jugendliche aus benachteiligten sozio-ökonomischen Verhältnissen. Die TeilnehmerInnen am Projekt sind SchülerInnen der Landessonderschule Hinterbrühl. Das Outdoor-Training ist stark erlebnis- und selbsterfahrungsorientiert. Im Rahmen verschiedener Übungen und Aufgabenstellungen in der Natur erfahren die Kinder und Jugendlichen unmittelbare Handlungs- und Selbstwirksamkeit und werden sich ihrer persönlichen Ressourcen und potentiellen Lernfelder bewusst. Ziele sind die Erweiterung des persönlichen Rollen- und Handlungsspielraums, ein besseres Verständnis für sich selbst und andere, ein besseres Umgehen mit sich selbst und anderen, sowie eine Verbesserung von Selbstkontrolle und Selbstwert. Die Entwicklung der persönlichen Ressourcen und Kompetenzen ist gerade für sozial und emotional benachteiligte Kinder eine lebensentscheidende Entwicklungsaufgabe. Es geht für sie darum, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden, mit all den damit verbundenen privaten und beruflichen Implikationen, letztlich um ein gelingendes Leben.


Nachweis Projektabschluss

Details

Ausgangssituation/Hintergründe/Zielgruppe

Bei den SchülerInnen der Landessonderschule Hinterbrühl handelt es sich um Kinder und Jugendliche, die entweder im SBZ (Sozialpädagogischen Betreuungszentrum Hinterbrühl) auf Anordnung des Jugendamts oder des Landes NÖ fremduntergebracht sind, oder um solche, die einen stationären Aufenthalt auf der KJPP (Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie des Landesklinikum Baden/Mödling) verbringen.

Viele der Kinder und Jugendlichen stammen aus prekären Familienverhältnissen und haben in ihrem unmittelbaren sozialen Umfeld Erfahrungen machen müssen, die sich auf ihre seelische Entwicklung nachteilig, teils traumatisierend ausgewirkt haben. Neben möglichen konstitutionellen Risikofaktoren wie z.B. Emotionalität und/oder Temperament des Kindes sind es v.a. die angesprochenen Sozialisations- bzw. Umweltbedingungen, die bei den Kindern und Jugendlichen in wechselseitiger Verstärkung zur Entwicklung eines fehlangepassten Sozialverhaltens führen, zu dem sowohl externalisierende als auch internalisierende Störungsmuster gehören.

Spiel und Spiel (1987) beschreiben die Symptomatik der Zielgruppe aus psychiatrischer Sicht wie folgt:

- Verhaltensstörungen, zentriert um die Symptome überschwenglichen Bindungsbedürfnisses bei gleichzeitiger Aggression gegen die geliebte Person

- Unkontrolliertheit, Unfähigkeit, sich sozial einzuordnen, keinerlei Stabilität, ständiges Hin- und Herschwanken der Impulse

- Anpassungsstörungen, vor allem in Form von Aggression, Vagieren, Vandalismus, instabile Leistungshaltung, kriminelle Handlungen

- Charakterstörungen mit unvorhersehbaren Affektausbrüchen, Verzweiflungs- und Panikreaktionen, paranoiden Zügen oder/und narzisstisch hedonistischer Lebensweise, bei weitgehender Unfähigkeit, die Realität zu prüfen

 Ziel sowohl der psychiatrischen und psychotherapeutischen Betreuung an der KJPP bzw. der sozialpädagogischen und/oder sozialtherapeutischen Begleitung am SBZ ist es letztlich, die Kinder und Jugendlichen in der Bewältigung ihrer Probleme und Krisen zu unterstützen, ihre Fähigkeiten und Stärken zu entdecken, um Rückstände und Fehlentwicklungen auszugleichen, und sie so schließlich zu einem möglichst eigenständigen, selbstbestimmten Leben zu führen, mit dem übergeordneten Ziel einer weitestmöglichen (Re-) Integration der Kinder und Jugendlichen in ein entsprechendes soziales Umfeld, in ihre Familien und in die Gesellschaft.

Einen wesentlichen Beitrag zu diesem Bemühen leistet auch die Landessonderschule (LSS) Hinterbrühl, an der die Kinder und Jugendlichen für die Dauer ihrer Fremdunterbringung unterrichtet werden. Der Schwerpunkt der Förderung für SchülerInnen der Sozialkompetenz (SOKO)-Klassen an der LSS Hinterbrühl liegt im Bereich der sozialen Kompetenz.

Intention des Outdoor-Trainings

Intention des geplanten Outdoor-Trainings ist es, die Landessonderschule Hinterbrühl in ihrem Bemühen um Förderung der sozialen und emotionalen Kompetenz der SchülerInnen zu unterstützen. Das Outdoor-Training stellt neben den (sozial)pädagogischen und therapeutischen Maßnahmen eine ergänzende Intervention dar, die eine Auseinandersetzung der Kinder und Jugendlichen mit ihrer sozialen und emotionalen Disposition über eine handlungs- und erlebnisorientierte Schiene eröffnen soll.

Das Trainingsziel orientiert sich an der Zieldefinition und -ausrichtung der SOKO-Klassen: Unter sozialer Kompetenz verstehen wir den kontrollierten Umgang mit eigenen Emotionen unter Einbeziehung der Sichtweise und Gefühle anderer an der Situation beteiligten Personen (Schulung der Empathie und des Perspektivenwechsels). Gelingender Umgang mit eigenen Gefühlen zeichnet sich durch eine situationsangemessene, souveräne Steuerung von Emotionen in unterschiedlichen Alltagssituationen aus. Förderziel ist, durch vielfältige Übungen im geschützten Rahmen der Kleingruppe und durch Visualisierung von Handlungsoptionen den bewussten Umgang mit Emotionen zu entwickeln, was zu differenzierten und sozial kooperativen Verhaltensweisen führen soll. Ein wesentlicher Aspekt dabei ist das Erlernen von Frustrationstoleranz und Kooperationsbereitschaft als Grundlage sozialer Kompetenz.

Gesellschaftliche Relevanz des Projekts

Die Prognosen für den weiteren Lebensverlauf dieser Kinder und Jugendlichen sind i.d.R. eher ungünstig. Es kann demnach bei dieser Zielgruppe nicht genug an Unterstützung und Förderung geleistet werden, um mögliche weitere Entwicklungsverläufe in Richtung Dissozialität, Delinquenz, Suchtverhalten, etc. einzudämmen.

In diesem Sinne ist das geplante Outdoor-Projekt zur Förderung sozialer und emotionaler Kompetenz ein Baustein (– einer von vielen weiteren, die es bräuchte), der möglicherweise einen Beitrag dazu leisten kann, dass dem einen oder anderen teilnehmenden Kind oder Jugendlichen eine der angesprochenen Karrieren erspart bleibt.

Im Idealfall - als Wunschvision - können die Kinder und Jugendlichen mit den im Outdoor-Training gemachten Erfahrungen auf Ressourcen zurückgreifen, die sie darin unterstützen, die individuelle Entwicklungsaufgabe „soziale Kompetenz“ befriedigend zu bewältigen – mit weitreichenden Konsequenzen für ihr persönliches und berufliches und damit auch gesellschaftliches Leben: Sie schaffen den Schulabschluss, bewältigen Lehrstellensuche und bewähren sich innerhalb der Berufsausbildung. Sie haben Erfolg mit dem Aufbau von PartnerInnenbeziehungen und mit all den Rollen, die unsere Gesellschaft für ihre Mitglieder bereithält und ihnen abverlangt.

Organisatorische und zeitliche Rahmenbedingungen

Konkret soll im Rahmen eines mehrwöchigen Outdoor-Projekts eine der Sozialkompetenzklassen, die SOKO 7, begleitet werden. Die SchülerInnen dieser Klasse sind zwischen 12 und 14 Jahre alt. Nachdem die SchülerInnenzahl in den SOKO-Klassen fluktuiert, ist von der derzeitigen Klassengröße auszugehen, wonach vermutlich 6 Kinder am Projekt teilnehmen werden.

Das Projekt ist für das Frühjahr 2018 vorgesehen (April - Mai), es soll über 5 - 6 Wochen laufen, mit je einem Trainingsvormittag pro Woche, mit 3 - 4 Stunden Trainingszeit pro Vormittag.

Als voraussichtlicher Trainingsort ist Sittendorf im Wienerwald angedacht.

Das Projekt wird von 2 Trainern geleitet; die Arbeit erfolgt nach dualem Prinzip, was eine Funktionsaufteilung mit klarer Letztverantwortung für die physische und psychische Sicherheit der TeilnehmerInnen ermöglicht.

Die beiden Klassenlehrer nehmen am Projekt als Prozessbeobachter teil, unterstützen als unmittelbare Bezugspersonen für die SchülerInnen in kritischen Situationen, beteiligen sich an der gemeinsamen Prozessreflexion mit den Trainern, und reflektieren gemeinsam mit den Trainern Möglichkeiten bzw. Rahmenbedingungen des Transfers der im Training gemachten Erfahrungen in den Lebensalltag der TeilnehmerInnen.

Zum Ansatz der Integrativen Outdoor-Aktivitäten ®

Die Arbeit im Outdoor-Training folgt dem Ansatz der Integrativen Outdoor-Aktivitäten® (IOA®). Das Konzept geht von der Überlegung aus, dass sich Menschen durch Handeln entwickeln. Durch Handeln angestoßene Entwicklung findet auf allen Ebenen der Persönlichkeit statt: körperlich, emotional, kognitiv und sozial. Vereinfacht ausgedrückt kann man handlungsorientiertes („erfahrungsbasiertes“) Lernen als „learning by doing“ verstehen, wobei der bewussten (gezielten) Reflexion des Erlebten besondere Bedeutung zukommt.

Im Rahmen zielgerichteter Aufgabenstellungen erfahren die Kinder und Jugendlichen durch ihr jeweiliges Agieren und Reagieren unmittelbare Handlungs- und Selbstwirksamkeit. Dieser Ansatz unterscheidet sich damit grundlegend von bspw. rein kognitiv oder kognitiv-behavioral angelegten Konzepten, da die reale Situation, das Handlungsmoment und die Person als Ganzes in den Blick genommen werden.

Der Natur als Erfahrungs- und (Er-)Lebensraum kommt im IOA®-Konzept eine hohe Bedeutung zu. Der Prozess der Naturerfahrung (bzw. die Erfahrung der je persönlichen Beziehung zur "Natur") ermöglicht letztlich Selbsterfahrung ("Wie ich den Baum sehe, sagt mehr über mich aus, als über den Baum.")

Sowohl der räumliche Kontextwechsel (vertrautes Klassenzimmer - Wald und Wiese) als auch der veränderte Handlungskontext zeigen persönliches situationsspezifisches Sozialverhalten in einem anderen, ungewohnten Bezugsrahmen, was die Auseinandersetzung mit den eigenen Themen erleichtert.

Das Konzept der Integrativen Outdoor-Aktivitäten® basiert auf systemisch-konstruktivistischen Grundannahmen. Demnach konstruieren Menschen ihre je eigene subjektive Realität (- auch ihre soziale). Das wiederum bedeutet, dass Menschen nicht steuerbar sind - sie entscheiden selbst und autonom, wie sie mit Impulsen aus ihrer Umwelt umgehen, ob und wie sie welche Reize wahrnehmen, bedeuten und verarbeiten. Somit geht es nicht darum, Personen (oder Gruppen) in eine bestimmte Richtung zu bringen, sondern einen Raum für Entwicklung zu öffnen.

Im IOA®-Konzept wird davon Abstand genommen, Verhaltensmodelle bzw. "richtiges" Verhalten vorzugeben - hingegen werden die TeilnehmerInnen darin unterstützt, die für sie - und ihr soziales Umfeld - passenden "Lösungen" für ihre "Probleme" zu entwickeln.

 Im Rahmen des Trainings ist es möglich, die subjektiven Theorien, Rollen und Verhaltensmuster der TeilnehmerInnen sichtbar und bewusst werden zu lassen, sowie verschiedene Gelegenheiten zu schaffen, die es den TeilnehmerInnen ermöglichen, neue Handlungsmöglichkeiten zu erproben und gegebenenfalls den eigenen Handlungsspielraum zu erweitern.

Öffentlichkeit und Crowdfunding-Kampagne

Das Projekt wird kommuniziert über Homepage und Facebook-Seite der LSS Hinterbrühl, eine private im Aufbau befindliche Webseite, sowie über private und berufliche Netzwerke

Budget

  • Gesamtbudget
    € 2.700,-
  • - Eigenmittel
    € 0,-
  • Finanzierungsziel
    € 2.700,-
  • + Abwicklungsgebühr
    € 270,-
  • Zielbudget
    € 2.970,-
  • Finanzierungsschwelle
    € 0,-
  • Budgetplanung

    Mittelverwendung Finanzierungsziel:

    - Konzeption,
    - Organisation,
    - Vorbereitung (u.a. temporäre Hochseilaufbauten),
    - Durchführung (5 Trainingsvormittage à 3 Stunden),
    - Reflexion
    - und Dokumentation des Outdoor-Trainings

    Das Outdoor-Projekt sieht den Einsatz von 2 TrainerInnen vor.


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