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Projekt-ID: 1728

JA Bildung - Erwachsenenbildung in der Justizanstalt Klagenfurt

Initiator/In: Orte des Respekts 2018
eingereicht am:
Budget: -
Finanzierungsfrist:
Land/Region: Österreich
Art: Sonstige
Themenkreis: Weitere Themen

Allgemein

Projektadresse

Purtscherstraße 2
9020 Klagenfurt
  • Start Projektumsetzung: 09.08.2018
  • Ende Projektumsetzung: 24.08.2018

Projektbeschreibung

JA Bildung - Erwachsenenbildung in der Justizanstalt Klagenfurt

 

Mit dem Projekt „JA-Bildung“ stärken wir die Persönlichkeit der Insassen der Justizanstalt Klagenfurt und bauen mit ihnen individuelle Brücken für das Leben danach. Nur Wegsperren und Bestrafen sind keine adäquaten Mittel, denn alle diese Menschen kommen nach einiger Zeit wieder in ihre Familien und in die Gesellschaft zurück. Daher muss die Möglichkeit zur Veränderung gegeben werden, wenn sich nicht alles wiederholen soll Durch respektvolle Begegnungen in der Bildungsarbeit fördern wir den respektvollen Umgang untereinander. Der Strafvollzug hat sich dadurch spürbar verändert.

 

Die Zeit der Haft ist "tote Zeit" und es besteht bei vielen Inhaftierten das Bedürfnis, diese Zeit zu nützen um zu lernen, wie sie mit sich selbst und ihren Emotionen besser umgehen und aus der Gewaltspirale aussteigen können.

Kompetente Lehrende von "Draußen" definieren die InsassInnen nicht über ihre Straftat sondern zeigen ihnen über den Weg der Bildung und der Kreativität Wege zu einem erfüllteren Leben.

Offen und interessiert, wertschätzend und voneinander lernend arbeitender hier wie mit all den Teilnehmern bei unseren Veranstaltungen. Hier hat Machtgefälle, Belehrung aber auch Kumpelhaftigkeit keinen Platz. Respektvoller Umgang miteinander ist selbstverständlich und wird - entgegen vielen Vorurteilen- auch von unseren Studenten eingehalten.

 

Da europaweit 65 % der Inhaftierten Menschen sind, die nur Pflichtschulabschluss haben, ist der Faktor Bildung definitiv ein wichtiger. Besonders in der Jugendabteilung wird das offenkundig, wenn man die immer häufiger auffallenden Lese- und Rechtschreibschwächen in Betracht zieht. Hier erkenn en wir auch deutlich mangelnde Sozialisierung, die in Gruppenarbeit gefördert und trainiert wird.

 

Frauen haben große Probleme mit Körperwahrnehmung und Abgrenzung, oft auf Grund sexuellen Missbrauchs. Ihr Mittel sich zu schützen und zu wehren ist auch oft nur noch Gewalt; ein scheinbarer Ausweg führt in den Drogenkonsum. Mit verschiedenen Entspannungsmethoden und kreativer Arbeit versuchen wir alternative Möglichkeiten zu zeigen.

 

Das Zertifikat einer öffentlich anerkannten Bildungsinstitution in Händen zu halten ist für manche InsassInnen ein erstmaliges und bedeutendes Erlebnis. Entsprechend würdigend gestalten wir auch die Übergaben der Teilnehmerbestätigungen an unsere StudentInnen.

 

Unsere Bemühungen gehen dahin, Angebote auch außerhalb der Justizanstalt für Entlassene durchführen zu können, damit Weiterbildung, die in der Haftzeit begonnen wurde, auch zu Ende geführt werden kann.

 

Durchführung

 

In Kursen, Seminaren und Workshops arbeiten Künstler, ErwachsenenbildnInnen

Offen, interessiert, Pädagogen und Psychologen mit den InsassInnen in Gruppen von 6 bis über 30 TeilnehmerInnen. Die Arbeitszeit beträgt zwei - drei Stunden pro Woche, je nach Kurs erstreckt sich die Kursdauer über 8 - 12 Wochen.

In Frühjahr und Herbst bieten wir geblockte Veranstaltungen zu spezifischen Themen wie Menschenwürde, Werte, Demokratieverständnis an und laden dazu Sachverständige aus dem In-und Ausland zu Vorträgen und Diskussionen ein.

 

Angebote

 

Malen, Kreative Raumgestaltung, Installation, Chorgesang, Percussiongroup, Bandprojekt

In diesen Kreativkursen versuchen die Lehrenden, das Gefühl zu vermitteln, was Kreativität bringt. Hier findet auch viel soziales Lernen statt: Einander helfen, das, was der andere gemacht hat, zu würdigen, beim gemeinsamen Musizieren aufeinander zu hören, Mut zu einem Auftritt zu fassen und erfahren, dass es Durchhaltevermögen und Lernen braucht um zu einem guten Produkt zu kommen. Hier gilt es auch sich Versagen, Misslingen oder Frustration zu stellen und in den Griff zu bekommen. In kurzen Impulsreferaten und begleitenden Gesprächen werden immer wieder Wissensinhalte dazu vermittelt und diskutiert.

 

 

„Forum- und Interventionstheater“

ist ein Training für viele Bereiche des Lernens und des Lebens wie Kommunikation und Konfliktlösung, Aggressionsabbau, Ich-Stärkung, Wahrnehmungstraining, Stressabbau, Erarbeiten neuer Perspektiven in der Lebensgestaltung und dem Üben von Zivilcourage im geschützten Raum des Theaterspiels.

 

 

Deutsch als Zweitsprache

Über 50% der Insassen sind Nicht- deutscher Muttersprache. Hier haben sie die Möglichkeit, Deutschkenntnisse zu erwerben und/oder zu verbessern. Externe Prüfer des ÖSD kommen auf Anfrage in die Justizanstalt und nehmen zertifizierte Prüfungen ab.

 

 

Peer education“ mit den Jugendlichen und jungen Erwachsenen

Mit Impulsreferaten, Gruppenarbeit und vielen Einzel- und Gruppengesprächen, in denen die Kursleiter ihre eigenen Erfahrungen aus dem Leben und aus ihren Familien einbringen, fassen die Teilnehmer schnell Vertrauen. Erste Ansätze von Biografien können erfasst werden.

Die Themen sind:

Kommunikation, Umgang mit Konflikten und der eigenen Straftat, Gewalt und Drogen, Gruppendynamik, Sexualität, Werte und Glauben.

 

 

Upcycling von "Abfall" zu Schmuck, Nähen

Mit Ideen und handwerklichem Können Neues aus Altem erzeugen, Nähobjekte aus Stoffresten zaubern und reparieren statt wegwerfen sind die Ziele dieser Kurse. Auch hier verstecken sich nicht so offensichtliche Lerninhalte. Geduld haben, eine neue Technik erlernen, genau sein- ohne das geht es nicht.

 

Conclusio

Abwertung und Diskriminierung haben die Menschen in Haft oft genug erfahren. Respekt voreinander und wertschätzender Umgang miteinander sind Basis für die Erwachsenenarbeit speziell in der Justizanstalt und fördern bei den InsassInnen oft ungeahnte Fähigkeiten zu Tage.

Jugendliche und Erwachsene, die den eher bildungsfernen Schichten zuzuzählen sind, können hier erreicht werden, ebenso MigrantInnen und AsylweberInnen, mit denen ein Stück weit Integration ausprobiert werden kann. In Gefängnissen treffen Mengen vieler Ethnien aufeinander. Gemeinsames Tun und Lernen hilft gegen Fremdenfeindlichkeit.

 

Justizanstalt ist verdichtete Gesellschaft. Wir versuchen daraus einen Ort des gegenseitigen Respekts zu machen.


Nachweis Projektabschluss

Details

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Budget

  • Gesamtbudget
    € 0,-
  • - Eigenmittel
    € 0,-
  • Finanzierungsziel
    € 0,-
  • Finanzierungsschwelle
    € 0,-
  • Budgetplanung

Dateien

News

Meinungen

20.08.2018 10:14:25

Ernst Sandriesser

hat am 20.08.2018 geschrieben

In diesem Zusammenhang wird oft kritisiert, dass für die Tätet mehr getan wird als für die Opfer. Dabei wird vergessen, dass viele Täter, vor allem Jugendliche, selber Opfer von häuslicher Gewalt oder Verwahrlosung sind. Jede Maßnahme, die der Stabiliserung der Persönlichkeit dient, ist zu unterstützen und vermeidet künftige Straftaten.

Abschlussbericht

Abschlussbericht allgemein

Welchen gesellschaftspolitischen Zweck hat das projekt erfüllt?

Wie waren Reaktionen anderer zu diesem Projekt?

Wofür wurde das gespendete Geld konkret ausgegeben?

Zugeordnete Themen