Projekt-ID: 2309

24h-Betreuer*innen ziehen vor Gericht

eingereicht am: 01.12.2021
Budget: € 24.108,-
Finanzierungsfrist: 31.08.2022
Finanzierungsschwelle: € 12.000
Land/Region: Österreich
Art: Sonstige
Themenkreis: Soziales Engagement

Allgemein

Projektteaser

Wir fordern ein Ende der Scheinselbständigkeit für 24h-Personenbetreuer*innen und ziehen vor Gericht. Gute Pflege und Betreuung braucht gute Arbeitsbedingungen!
  • Start Projektumsetzung: 15.10.2021
  • Ende Projektumsetzung: 15.10.2022

Projektbeschreibung

Wir arbeiten als selbstständige Ein-Personen-Unternehmer*innen, obwohl wir weder Ort, Zeit noch Inhalt der Arbeit selbstständig wählen können. Wir haben keinerlei arbeitsrechtlichen Schutz.  Als Selbstständige stehen uns keinerlei Pausen untertags oder Ruhezeiten in der Nacht zu, für uns gibt es keinen bezahlten Krankenstand oder Urlaub. Wir müssen tatsächlich 24h am Tag, sieben Tage die Woche, zwei bis vier Wochen am Stück für unsere Klient*innen da sein und das für zwei bis drei Euro pro Stunde!

Aber weil die Scheinselbstständigkeit unsere Arbeit billig macht, schauen alle weg und unsere Stimmen blieben bislang ungehört.

Wir sind die  IG24, der Verband zur Förderung der Interessen der 24-Stunden-Betreuer*innen in Österreich, und nehmen diese menschenverachtende Situation nicht länger hin.

Gute Pflege und Betreuung braucht gute Arbeitsbedingungen!

Wie schon unsere Kolleg:innen aus Deutschland und der Schweiz vor uns: Wir ziehen vor Gericht!

Unterstütze uns, damit ein Gerichtsprozess Schluss macht mit der Scheinselbstständigkeit!

Gerechtigkeit für die 24H Betreuer:innen! 

#WEGmitderSCHEINSELBSTSTÄNDIGKEIT


Nachweis Projektabschluss

Gesamtabrechnung, Rechnungskopien zu den Ausgaben, die mit den über Respekt.net lukrierten Mitteln bestritten wurden, Fotodokumentation, Online-Abschlussbericht.

Details

Die derzeitige Situation

Formal arbeiten 24h-Personenbetreuer*innen fast ausschließlich als selbstständige Unternehmer*innen, deren Klient*innen von Vermittlungsagenturen vermittelt werden. Eine selbstständige Tätigkeit zeichnet sich durch die fehlende persönliche Abhängigkeit des Erwerbstätigen aus. Ein*e Unternehmer*in ist nicht weisungsgebunden und kann frei über Arbeitszeit, Arbeitsort und Arbeitsabläufe bestimmen. Sie/er führt einen eigenen Betrieb und ist nicht in eine fremde betriebliche Organisation eingebunden.

All das trifft auf Personenbetreuer*innen nicht zu. Sie sind von der Vermittlungsagentur persönlich und wirtschaftlich abhängig, kontrollunterworfen und verfügen über keine eigenen Betriebsmittel. Häufig sehen die sogenannten Vermittlungsverträge auch Konkurrenzklauseln und Wettbewerbsverbote vor, die typischer Inhalt von Dienstverträgen sind.

Zwischen den Personenbetreuer*innen und den Vermittlungsagenturen besteht somit rechtlich in Wahrheit ein Dienstverhältnis. Durch die konstruierte Scheinselbständigkeit umgehen die Vermittlungsagenturen ihre Pflichten als Arbeitgeber und verlieren die Personenbetreuer*innen den ihnen zustehenden arbeitsrechtlichen Schutz.

Was Betreuer*innen berichten

“Mit dem Essen hat alles begonnen, sonst hätte ich alles aushalten können, jede Demütigung. Aber ich durfte nichts [vom Haushalt] essen. Gestern Abend habe ich ein Stück Brot gestohlen. Mir ist schwindlig, ich muss die Wände festhalten, wenn ich gehe [weil ich schon so schwach bin].

Ich habe die Vermittlungsagentur kontaktiert. Sie sagten, dass sie mir nicht glauben und haben am Telefon nicht mehr geantwortet.”

Rodica, 24-Stunden-Betreuerin

„Die Vermittlungsagenturen diktieren normalerweise unsere Arbeitsbedingungen – unser Honorar und die Zahlungen unserer Sozialabgaben, wo und wann wir arbeiten, was unsere Aufgaben sind, wie lange die Turnusse dauern, wie wir und wann wir anreisen und wer für die Anreise zahlt usw. Wir haben sehr wenig bis gar keinen Einfluss auf diese Dinge.” 

Eine 24h-Betreuerin aus Rumänien

Und noch ein Fall:

Adriana ist jetzt 63 Jahre alt und arbeitet seit 10 Jahren in der 24-Stunden-Betreuung in Österreich. Während dieser 10 Jahre hat sie monatliche Sozialversicherungsbeiträge gezahlt. 

Da die 24h-Betreuer:innen so wenig verdienen, waren ihre Sozialversicherungsbeiträge leider auch immer sehr niedrig. Für die 10 Jahre Arbeit erhält Adriana in Österreich eine Pension von 105 €/Monat. 

Adriana kämpft nun mit Altersarmut.

Budget

  • Gesamtbudget
    € 22.246,-
  • - Eigenmittel
    € 0,-
  • Finanzierungsziel
    € 22.246,-
  • + Abwicklungsgebühr
    € 1.862,-
  • Zielbudget
    € 24.108,-
  • Finanzierungsschwelle
    € 12.000,-
  • Respekt.net-Teilbetrag 1 (wird bei erfolgreicher Finanzierung überwiesen)
    € 20.021,-
  • Respekt.net-Teilbetrag 2 (wird nach Erhalt des vollständigen Projektabschlussberichtes überwiesen; mind. 10 % des Zielbudgets)
    € 2.225,-
  • Abgabedatum Abschlussbericht
    29.10.2022
  • Projektrisiken

    Falls wir den Prozess verlieren, müssen wir unser sowie die Kosten der gegnerischen Partei tragen.

    Unsere Kanzlei arbeitet honorarfrei und würde nur im Erfolgsfall remuneriert werden.

    Falls wir nicht genug Geld sammeln um die Prozesskosten zu decken, dann würden wir das gesammelte Geld für den weiteren Aufbau unseres Vereins nutzen.

  • Budgetplanung

    22 246 EUR (brutto) werden für die rechtliche Arbeit (Kanzlei Specht & Partner) benötigt: Ausarbeiten des Schriftsatzes, Mandantenbetreuung, Rechtsrecherche (Judikatur, wissenschaftliche Unterlagen), Austausch mit Expert*innen

    Falls wir gewinnen nutzen wir das gesammelte Geld für den weiteren Aufbau unseres Vereines. Es gibt noch viel zu tun, damit 24h-Betreuer*innen sozial und rechtlich abgesichert sind.

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