Projekt-ID: 2429

Rückholung verschleppter Frauen aus dem Ausland

eingereicht am: 04.07.2022
Budget: € 5.500,-
Finanzierungsfrist: 15.08.2022
Finanzierungsschwelle: € 3.250
Land/Region: Österreich/Wien
Art: Sonstige
Themenkreis: Gleichberechtigung & Frauenrechte

Allgemein

Projektteaser

Der Verein Orient Express arbeitet seit vielen Jahren aktiv gegen Zwangsheirat und Verschleppung. Wir brauchen aktuell dringend Geld, um betroffene Frauen und Mädchen nach Österreich zurückzubringen.

Projektadresse

Schönngasse 15-17/Top 2
1020 Wien

Wien
  • Start Projektumsetzung: 01.07.2022
  • Ende Projektumsetzung: 31.01.2023

Projektbeschreibung

Orient Express ist ein Frauenverein in Wien, der eine Beratungsstelle, zwei Schutzeinrichtungen für Mädchen und junge Frauen, ein Lernzentrum und eine bundesweite Koordinationsstelle gegen Verschleppung und Zwangsheirat betreibt. Als Frauenorganisation steht für uns im Fokus, den Handlungsspielraum von Frauen auf privater und gesellschaftlicher Ebene zu erweitern.

Die Koordinationsstelle ist für Verschleppungsfälle von Österreich in das Ausland in Zusammenhang mit Zwangsheirat, Zurücklassung von Ehefrauen im Ausland als „Bestrafungsaktion“ oder von Jugendlichen als Disziplinierungsmaßnahme zuständig.

Betroffene Personen im Ausland, die sich an Hilfseinrichtungen wenden, riskieren, dass sie noch mehr kontrolliert und misshandelt werden. Die Koordinationsstelle wird mit der ersten Kontaktaufnahme tätig. Die betroffenen Personen werden unter Einhaltung von mehreren Sicherheitsaspekten in Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteur*innen nach Österreich zurückgebracht.

Allerdings stellt die Finanzierung der Rückholung von betroffenen Mädchen und Frauen aus verschiedenen Ländern eine große Herausforderung dar. Wir benötigen dringend Geld, um unsere Klientinnen zu unterstützen.

Mit dem Budget des Crowdfundings können wir für vier Frauen, die sich aktuell im Ausland befinden, die Ausstellung von persönlichen Dokumenten im Ausland, die Flucht aus der Wohnung und die Rückreise nach Österreich finanzieren.

Helfen Sie mit einer Spende, die Frauen nach Österreich zurückzuholen!


Nachweis Projektabschluss

Gesamtabrechnung, Rechnungskopien zu den Ausgaben, die mit den über Respekt.net lukrierten Mitteln bestritten wurden, Online-Abschlussbericht. 

Zum Projektabschluss wird ein Bericht mit der Anzahl der Rückholungen und der unterstützten Personen verfasst. Jede Rückholung ist ein Statement, dass Menschrechte über allem stehen. Die rückgeholten Personen werden in Österreich sicher untergebracht. Um die Frauen und Mädchen nicht zusätzlich in Gefahr zu bringen, wird über die erfolgreichen Rückholungen anonymisiert und ohne Zusammenhang zu den Familien berichtet. 

Details

In den letzen Jahren sind die Zahlen der Verschleppungen aus Österreich in verschiedene Herkunftsländer stetig gestiegen. Oftmals werden die Betroffenen getäuscht: Sie gehen davon aus, ein Familienmitglied zu besuchen oder auf Urlaub zu fahren. Häufig stellen sie erst im Ausland fest, dass sie nicht mehr nach Österreich zurückkehren können. In vielen Fällen werden die Reisedokumente durch Täter*innen abgenommen. Sie werden an der Rückreise nach Österreich gehindert.

Die bundesweite Koordinationsstelle gegen Verschleppung und Zwangsheirat ist seit 2017 tätig und unterstützt Mädchen und junge Frauen bei der Rückreise nach Österreich. Die Betroffenen sind meistens in Österreich auf die Welt gekommen, sind in Österreich sozialisiert, besuchen eine Schule oder sind erwerbstätig. Durch die Unterstützung seitens der Koordinationsstelle bei der Rückholung können Betroffene ihr selbstbestimmtes Leben trotz des Familienwillens weiterführen. Die Koordinationsstelle verfügt nicht über die notwendigen finanziellen Ressourcen, um die Kosten, die bei der Rückholung entstehen, decken zu können. 

Ziel des Crowdfundings ist es, im Ausland befindliche Klientinnen finanziell zu unterstützen, um  persönliche Dokumente (Reisepass, Ausweis etc..) zu beantragen, die Kosten, die bei Amtswegen entstehen, zu decken,  Fahrtkosten im Rahmen von Amtswegen oder auch bei der Flucht aus der Wohnung sowie Flugtickets nach Österreich zu finanzieren.

Budget

  • Gesamtbudget
    € 5.000,-
  • - Eigenmittel
    € 0,-
  • Finanzierungsziel
    € 5.000,-
  • + Abwicklungsgebühr
    € 500,-
  • Zielbudget
    € 5.500,-
  • Finanzierungsschwelle
    € 3.250,-
  • Respekt.net-Teilbetrag 1 (wird bei erfolgreicher Finanzierung überwiesen)
    € 4.500,-
  • Respekt.net-Teilbetrag 2 (wird nach Erhalt des vollständigen Projektabschlussberichtes überwiesen; mind. 10 % des Zielbudgets)
    € 500,-
  • Abgabedatum Abschlussbericht
    14.02.2023
  • Projektrisiken

    Die Rückholungen können aus bürokratischen Gründen verzögert erfolgen.

  • Budgetplanung

    Kosten für die Ausstellung von personal Dokumeten im Ausland, Fahrtkosten im Ausland, Unterbringungskosten im Ausland (Fallweise), Reise,-Flugkosten nach Österreich.

    Es können nicht vorhersehbare Kosten entstehen, die zu diesem Zeitpunkt nicht angegeben werden können, da diese Fallspezifisch sind. 

Dateien

Links & Downloads

News

ORIENT EXPRESS...

hat am 02.01.2023 geschrieben

DANKE!

Wir haben unser Projekt erfolgreich abgeschlossen. Im Zuge der Umsetzung konnten wir fünf Personen bei der Rückreise unterstützen.

Diesen Erfolg feiern wir gemeinsam mit Unterstützer*innen und Spender*innen. 

Wir wünschen allen einen wundervollen Start ins neue Jahr!

Das Team der Koordinationsstelle

ORIENT EXPRESS...

hat am 28.07.2022 geschrieben

Erfolgsupdate

Wir bedanken uns herzlich bei allen Spender:innen, die zum Erfolg des Projektes beigetragen haben. 

Durch die hohe Spendenbereitschaft, konnten viele Spenden gesammelt werden, deshalb konnten wir auch den Rahmen des Projektes erweitern. 

Nochmals herzlichen Dank!

 

Meinungen

Abschlussbericht

Abschlussbericht allgemein

Die Koordinationsstelle ist die bundesweite Anlaufstelle für Personen, die  gegen den Willen durch Familienangehörige im Ausland festgehalten und an der Rückreise nach Österreich gehindert werden. Es handelt sich hierbei um Mädchen und Frauen, die von Zwangsheirat bedroht oder betroffen sind oder die, vor allem von den  Ehepartnern im Herkunftsland zurück gelassen werden. Die betroffenen Personen, die verschleppt werden, sind in Österreich geboren, aufgewachsen oder niedergelassen. Diese Personen haben bis zur Verschleppung ins Ausland ihren Lebensmittelpunkt in Österreich gehabt. Sie werden meistens unter Vortäuschung gefälschter Tatsachen zum Herkunftsland der Eltern oder des Ehepartners gelockt. Oftmals treten diese Personen die Reise freiwillig an und stellen im Ausland fest, dass es sich nicht um den versprochenen Urlaub handelt. Bei der Ankunft werden seitens der Täter*innen die Reisedokumente und das Handy abgenommen. Infolgedessen erfahren sie Gewalt und werden im Herkunftsland bei Familiengehörigen zurückgelassen. Diese Vorgehensweise dient als eine Disziplinierungsmaßnahme der Jugendlichen. In vielen Fällen ist der Zweck dieser Reise eine von den Eltern geplante Verheiratung im Ausland.

Eine weitere Zielgruppe der Koordinationsstelle sind Frauen (mit oder ohne Kindern), die in Österreich meistens Gewalt seitens Ehepartner erleben und dem Partner noch eine Chance geben. Die Versöhnung endet oft mit einer Abnahme der Reiseunterlagen und folglich einer Zurücklassung im Ausland.

Unsere Klientinnen werden mittellos im Ausland zurückgelassen und müssen in dieser Zeit leider oft sehr viel Gewalt erleben.

Die Meldung dieser Fälle an die Koordinationsstelle erfolgt durch Lehrer*innen, Sozialarbeiter*innen, Sozialpädagog*innen, Arbeitgeber*innen oder auch Freund*innen der betroffenen Personen. Die Koordinationsstelle wird mit der ersten Meldung tätig. Sie versucht die Klientin zu lokalisieren und vorsichtig und angemessen zu beraten, um die Rückreisemöglichkeiten möglichst präzise ausarbeiten zu können.

Unsere Aufgabe liegt darin, den Kontakt zur betroffene(n) Person(en) herzustellen und aufrechtzuerhalten, eine sichere Rückkehr nach Österreich zu planen, am Flughafen zu empfangen und sie in einer sicheren Unterkunft unterzubringen. Die Rückholung von bedrohten und betroffenen Personen erfolgt durch eine sehr genau bestimmte Vorgehensweise und Kooperation mit dem Außenministerium und weiteren fallrelevanten Akteur*innen.

In vielen Fällen ist eine rasche Unterstützung unsererseits notwendig, um eine bevorstehende Zwangsverheiratung zu verhindern.

Angesichts der Dringlichkeit einer Handlung und Hilfeleistung in der Krisenarbeit, gestaltet sich die Suche nach finanziellen Mitteln äußerst herausfordernd und fast nicht möglich. Für die Rückholung der Klientinnen ist dringend eine Finanzierung der Rückreisekosten notwendig. Die Klientinnen befinden sich in einer sehr prekären Situation, da sie im Ausland von Hilfsangeboten abgeschnitten sind und insbesondere auf die finanzielle Hilfe für die Rückreise angewiesen sind.

Mit diesen Mitteln können wir für fünf Klientinnen die Flucht oder Evakuierung aus der Wohnung, sichere Unterkunft im Ausland bis zur Vorbereitung von Reiseunterlagen seitens österreichischer Vertretungen, Ausstellung von Reiseunterlagen und Flugbuchungen nach Österreich finanzieren.

Die Mittel des Crowdfundings wurden zu 100% für die Rückholung dieser Klientinnen verwendet.

Unterstützen Sie unsere Arbeit weiterhin und spenden Sie für das Folgeprojekt!

Downloads

Welchen gesellschaftspolitischen Zweck hat das projekt erfüllt?


Jede Rückholung stellt ein Statement gegenüber patriarchale Strukturen dar. Es zeigt, dass der Wille und der Zusammenhalt der betroffenen Person stärker sind als diese Strukturen. In weiterer Folge werden andere bedrohte und betroffene Personen durch die erfolgreichen Rückholungen ermutigt, sich gegen Gewalt zu wehren und sich für ihre Freiheit einzusetzen. Jeder Mensch soll in der Lage sein allein den Lebensmittelpunkt zu bestimmen ohne dass er zur Heirat, Sex und zu einem bestimmten Lebensstil gezwungen wird und im Ausland gegen den Willen kontrolliert und festgehalten wird.  

Unsere Klientinnen sind ein Teil der österreichischen Gesellschaft. Jede Spende signalisiert ein „NEIN zu Gewalt“. Dieses Statement ist für unsere Klientinnen sehr wichtig. Die Rückholungen ermöglichen unsere Klientinnen als ein Teil der Gesellschaft zu bleiben und gewaltfrei und ein selbstbestimmtes Leben anzufangen.  

Wie waren Reaktionen anderer zu diesem Projekt?

Wir als Koordinationsstelle gegen Verschleppung und Zwangsheirat sind eine bundesweite Anlaufstelle sowohl für betroffene Personen als auch deren Unterstützer*innen. Dieser Umstand führt dazu, dass uns Fälle bundesweit aus anderen Organisationen gemeldet werden. Die Koordinationsstelle ist nicht nur in Österreich, sondern auch in mehreren europäischen Ländern ein Best Practice Projekt. Die Kooperation ist national und international gegeben. Unsere Kooperationspartner*innen haben dieses Crowdfunding- Projekt mitverfolgt, weil die Koordinationsstelle in diesem Bereich eine Vorreiterrolle spielt.  Der Erfolg des Projektes wurde mit sehr anerkennendem Feedback mitgeteilt.

Wofür wurde das gespendete Geld konkret ausgegeben?

Das gespendete Geld wurde zur Gänze für unsere Klientinnen ausgegeben. Damit wurde die Flucht oder Evakuierung aus der Wohnung, sichere Unterkunft im Ausland bis zur Vorbereitung von Reiseunterlagen seitens österreichischer Vertretungen, Ausstellung von Reiseunterlagen, sicheres Handy und Flugbuchungen nach Österreich finanziert. 


 - Klientin 1 wurde von ihrem Ehemann im Ausland zurückgelassen. Sie hat dringend Geld für die Ausstellung eines Reisepasses gebraucht. Zusätzlich musste in diesem Land auch noch für den unrechtmäßigem Aufenthalt (overstay) täglich 9 Euro zahlen, da ihr Visum für das Land nach Rückkehr des Mannes abgelaufen war und sie keine Reisedokumente mehr besaß. Wir konnten unserer Klientin zwei Mal für die angeführten Kosten insgesamt 2.350 Euro überweisen. 


Klientin 2 konnte von ihren Verwandten Geld für Flugticket ausborgen, jedoch haben ihr für den Flug für sich und der Kinder 200 Euro gefehlt. Sie hat aus den Spendengeldern insgesamt 203,90 Euro bekommen und den Rückflug nach Österreich damit buchen. 


Klientin 3 war mit ihren Eltern im Herkunftsland der Eltern im Urlaub. Sie wurde nach ihrer Ankunft in der Wohnung des Onkels festgehalten. Eine Zwangsverheiratung stand bevor.  Wir konnten mit örtlichen Kooperationspartnerinnen zusammenarbeiten und die Klientin aus der Wohnung evakuieren und nach Österreich rückholen. Die Evakuierung aus der Wohnung und Flug nach Österreich inkl. Spesen in Höhe von 435,80 Euro aus dem Projekt finanziert. Zusätzlich wurde für die Klientin ein neues Handy inkl. neue Sim - Karte in Höhe von 180 Euro aus Projektmitteln angeschafft.  


-    Klientin 4 wurde mit ihrem Sohn von der Familie des Ehemannes festgehalten. Sie konnte nach dem Urlaub nicht mehr nach Österreich zurückkehren.  Sie wurde in Zusammenarbeit mit einer anderen NGO im Ausland evakuiert und konnte in Sicherheit gebracht werden. Wir konnten die Evakuierung und den Flug der Frau mit ihrem minderjährigen Sohn in Höhe von 311 Euro aus diesem Projekt finanzieren. 


-    Klientin 5  wurde mit ihren zwei Kindern im Ausland zurückgelassen. Der Ehepartner hat die noch gültigen Reisepässe mit der Aufenthaltskarte abgenommen und ist nach Österreich gereist. Wir haben aus dem Projekt für die Klientin und ihre Kinder die Flüge nach Österreich in Höhe von 1.547,10 Euro finanzieren können. 

Wie werden Sie die Mildtätigkeit des Projektes nachweisen?

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