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Projekt-ID: 741

SteuernZahlen.at - Unsere Steuern

Initiator/In: Respekt.net
eingereicht am: 16.06.2014
Budget: € 30.755,-
Finanzierungsfrist: 10.04.2015
Land/Region: Österreich/Wien
Art: Studie
Themenkreis: Demokratie & Bürgerrechte

Allgemein

Projektadresse

Alserstraße 21
1080 Wien

Sitz von Respekt.net. Projekt findet online statt. www.steuernzahlen.at
  • Start Projektumsetzung: 02.04.2015
  • Ende Projektumsetzung: 30.09.2015

Projektbeschreibung kurz

Der nächste Schritt zur Steuertransparenz heißt "Unsere Steuern". Damit soll eine Gesamtsteuerstatistik auf Basis der anonymen Steuerdaten von "Meine Steuern" entstehen.

"Meine Steuern", der erste Teil der Crowd-Plattform SteuernZahlen.at, konnte bereits erfolgreich ausfinanziert und umgesetzt werden. Er steht seit dem 17. Juni 2014 allen InteressentInnen kostenlos zur Verfügung. Jeder Steuerpflichtige kann nun mit vertretbarem Aufwand seine gesamte Steuer- und Abgabenleistung ermitteln.

Im geplanten neuen Bereich „Unsere Steuern“ soll nun auf Basis der anonymen Steuerdaten tausender Steuerpflichtiger eine Gesamtsteuerstatistik erstellt werden. Dazu soll entweder ein Forschungs- oder ein Universitätsinstitut gewonnen werden, das die Daten plausibilisiert und mit den Daten der integrierten Lohn- und Einkommenssteuerstatistik hochrechnet. Damit entsteht erstmals in Österreich eine integrierte Gesamtsteuerstatistik nach Erwerbstätigengruppen. Das ist ein Meilenstein in Sachen Transparenz und eine wesentliche Grundlage für eine sachlich fundierte Steuerdiskussion.

Die Steuerdiskussion bestimmt über unsere Lebenschancen und die unserer Kinder. Es handelt sich um eine Grundfrage der Staatsführung.

Eine gute Staatsführung sorgt für eine ausreichende Besteuerung, um die Ausgaben des Staates zu finanzieren. Ein Staat der dauerhaft zu wenig Steuern eintreibt, wird durch Fiskalkrisen in seiner Weiterentwicklung gefährdet. Das betrifft uns alle!

Das Finanzministerium erhebt wesentliche Daten nicht, um eine umfassende Steuerstatistik überhaupt erstellen zu können. Als Bürgerinnen und Bürger sollten wir immer hellhörig werden, wenn es zu Grundfragen der Staatsführung keine ausreichende Datenbasis und keine aussagekräftigen Statistiken gibt.

 

Durch die Plattform www.steuernzahlen.at soll eine ehrliche, respektvolle und sachliche Diskussion ermöglicht werden.

Mit Ihrer Investition für "Unsere Steuern" helfen Sie dabei mit und tragen so zu Steuertransparenz und zur Verbesserung der öffentlichen Diskussion zum Thema Steuernzahlen bei.

 

 

 


Nachweis Projektabschluss

1.) Launch der Funktion "Unsere Steuern" auf der Plattform www.steuernzahlen.at
2.) Abschlussbericht, Abrechnung und Rechnungskopien direkt beim Projekt auf www.respekt.net

Details

Wie kam es zur Idee der Website?

Bei der Frage danach, warum es nahezu unmöglich erscheint, ein gerechtes Steuersystem zu entwickeln, ist der Verein Respekt.net auf die fehlende Steuertransparenz, als Grundproblem gestoßen. Es beginnt bei den einzelnen Steuerzahlenden. Keiner weiß darüber Bescheid wie viel Steuern er oder sie insgesamt zahlt. Die Lohn- oder Einkommenssteuer ist noch bekannt, aber die vermögensbezogenen Steuern (KESt, Immo-ESt oder Grundsteuer) schon nicht mehr. Bei den zahlreichen Konsumsteuern (Alkohol-, Bier-, Tabak-, Mineralöl-, motorbezogene Versicherungs-, normale Versicherungs- und Feuerschutz- sowie Mehrwertsteuer, Energie-, Gebrauchs-, Flug-, Fremdverkehrs- und Lustbarkeitsabgabe, GIS-Beitrag, Abwasser-, Wasser-, Müllentsorgungsgebühren etc.) fehlt Herrn und Frau Steuerzahler aber jedes Gespür.

Haben die Hüter des Steuergelds Interesse an Transparenz?

Nach ausgiebigen Recherchen beim Finanzministerium, bei den Kammern und bei Steuerberatern wurde schnell ersichtlich, dass es heute in Österreich kein Hilfsmittel gibt, um seine Gesamtsteuerlast als Steuerzahler mit vertretbarem Aufwand zu ermitteln. Die traurige Wahrheit ist, dass der einzelne Steuerzahler bei seinem Wunsch nach Transparenz von der Politik alleine gelassen wird.

Noch viel schlimmer ist aber, dass die Politik und die dafür zuständige Einrichtung BMF auch selbst gar nicht wissen wie viel die österreichischen Steuerzahler jeweils zahlen, denn es wird in Österreich keine integrierte Gesamtsteuerstatistik zu den Erwerbstätigengruppen (Arbeitnehmer, Unternehmer, Beamte, Selbständige sowie Land- und Forstwirte) erstellt. Es gibt nur eine integrierte Lohn- und Einkommenssteuerstatistik. Damit fehlen die vermögensbezogenen Steuern und sämtliche Konsumsteuern in dieser Statistik. Ohne das Wissen von wem wie viel Steuern eingehoben werden und wer die größte Steuerlast in Österreich trägt, ist eine nüchterne Debatte über eine gerechte Steuerreform unmöglich.

Was ist das Ziel der Transparenz-Plattform?

Das mit "Meine Steuern" bereits realisierte Ziel von SteuernZahlen.at war es, die eigenen Steuerleistungen (aus direkten und indirekten Steuern) für jeden erfahrbar zu machen. Dafür steht eine anonyme Datenerfassung bereit, die mit Rechenregeln im Hintergrund unterlegt ist. Am Ende führt die Dateneingabe zu einer Abschätzung der Gesamtsteuerleistung. Für die Bewertung der eigenen Steuern dienen auf der Online-Plattform Vergleiche zum Durchschnittswert von Frau und Herrn Österreicher. Zudem gibt es auch eine Darstellung, welche öffentlichen Leistungen (z.B. Kindergarten- oder Schulplätze) man mit seiner Steuerleistung abdecken würde.

Nun soll in einem weiteren Schritt durch den Teil "Unsere Steuern" eine Gesamtstatistik erstellt werden, aus der ersichtlich wird, wie groß die Steuerlast für bestimmte Steuerzahlergruppen ausfällt.

Folgende Erwerbstätigengruppen werden ausgewertet:

  • Arbeitnehmer
  • Unternehmer
  • Beamte
  • Freiberuflich Selbständige
  • Land- und Forstwirte

Innerhalb der Erwerbstätigengruppen sollen jeweils die Dezile (10%-Gruppen) ausgewertet und im Vergleich dargestellt werden. Auch zwischen den Erwerbstätigengruppen sollen Auswertungen erstellt und präsentiert werden.

Zudem sollen auch Auswertungen nach den Geschlechtern und Altersgruppen sowie nach Bundesländern erstellt werden.

Es soll einen grafisch aufbereiteten Auswertungsteil auf der Website sowie Auswertungstabellen geben. Die Daten stehen im Sinne von Creative Commens der Allgemeinheit zur Verfügung.

Im Gegensatz zu bestehenden Datensätzen der Steuerstatistik umfasst die Sammlung von SteuernZahlen.at dann im Bereich "Unsere Steuern" Daten zu den Einkommens-, Vermögens- und Konsumsteuern. Damit wird erstmals (!) eine österreichische Gesamtsteuerstatistik ermöglicht.

Budget

  • Gesamtbudget
    € 28.000,-
  • - Eigenmittel
    € 0,-
  • Finanzierungsziel
    € 28.000,-
  • + Abwicklungsgebühr
    € 2.755,-
  • Zielbudget
    € 30.755,-
  • Finanzierungsschwelle
    € 0,-
  • Respekt.net-Teilbetrag A (wird bei erfolgreicher Finanzierung überwiesen)
    € 22.000,-
  • Respekt.net-Teilbetrag B (wird nach Erhalt des Zwischenberichtes überwiesen)
    € 0,-
  • Abgabedatum Zwischenbericht
    30.10.2014
  • Respekt.net-Teilbetrag C (wird nach Erhalt des vollständigen Projektabschlussberichtes überwiesen; mind. 10 % des Zielbudgets)
    € 6.000,-
  • Abgabedatum Abschlussbericht
    17.06.2015
  • Projektrisiken
  • Budgetplanung
    20.000 Euro: Wissenschaftliche Begleitung (Validierung der Daten, Erstellung der Hochrechnung, Erstellung der Auswertungen und Tabellenanhänge) durch ein Forschungs- oder Universitätsinstitut
    8.000 Euro: Aufbereitung der Daten für eine grafische Umsetzung, Erstellung der Grafiken und Befüllung der Website mit den Auswertungen und Tabellenteilen inkl. Benutzerführung

Dateien

News

Meinungen

Abschlussbericht

Abschlussbericht allgemein

Hintergrund

Auf Basis der auf steuernzahlen.at erfassten, anonymen Steuerdaten tausender Steuerpflichtiger sollte eine Gesamtsteuerstatistik erstellt werden. Ziel war es, ein Forschungs- oder ein Universitätsinstitut zu gewinnen, das die Daten plausibilisiert und mit den Daten der integrierten Lohn- und Einkommenssteuerstatistik hochrechnet. Erstmals in Österreich könnte so eine integrierte Gesamtsteuerstatistik nach Erwerbstätigengruppen vorgelegt werden. Ein Meilenstein in Sachen Transparenz und eine wesentliche Grundlage für eine sachlich fundierte Steuerdiskussion.

Crowdfunding-Phase:

Die benötigten finanziellen Mittel sollten über die Crowdfunding-Plattform Respekt.net generiert werden. Im Juni 2014 wurde eine große Crowdfunding-Kampagne gestartet, die schnell auf großes Interesse stieß. 63 SpenderInnen machten es möglich, dass mit der Umsetzung begonnen werden konnte.

Ein herzliches Dankeschön richten wir an alle Spender und Spenderinnen sowie anderweitige Unterstützer und Unterstützerinnen des Projekts!

Die Umsetzung

Nach der erfolgreichen Finanzierung wurde für die Erstellung der Studie das Forschungsinstitut Economics of Inequality der Wirtschaftsuniversität Wien gewonnen. Im Sommer 2015 begann die Auswertung.

Ziel dieser Studie war die Erstellung einer integrierten Steuer- und Abgabenstatistik der österreichischen Privathaushalte im Jahr 2010. Dabei wurden Daten der Vermögenserhebung der OeNB (HFCS) mit der Konsumerhebung der Statistik Austria, sowie der Online-Erhebung steuernzahlen.at verknüpft, um ein Gesamtbild über die Abgabenlast an unterschiedlichen Stellen der Verteilung zeichnen zu können.

Sowohl Steuern und Abgaben auf Einkommen und Vermögen, als auch auf Konsum wurden modelliert und ihre Belastungswirkung auf Personen- und Haushaltsebene ausgewertet.

Vorbemerkung zum INEQ-Bericht

Im Jahr 2013 wurde vom Verein respekt.net eine Online-Erhebung erarbeitet, die es zum Ziel hatte eine integrierte Steuer- und Abgabenstatistik für die österreichische Bevölkerung zu erstellen. Der Umfang dieser Befragung war dabei weitreichend und umfasste neben Einkommens- und Vermögenskategorien auch detaillierte Angaben zu Konsumausgaben (etwa Bier-, Wein- und Zigarettenkonsum, Treibstoff- und Energieverbrauch u.v.m.). Die Notwendigkeit für eine solche Initiative ergibt sich aus der für die Zwecke einer umfassenden Analyse der gesamten Abgabenbelastung privater Haushalte mangelhaften Datenverfügbarkeit in Österreich. Administrative Informationen zur Steuerlast von Österreicherinnen und Österreichern sind in der Regel nur für Einkommen (mit der Einschränkung auf Löhne, Pensionen und selbstständige bzw. unternehmerische Einkommen, die vom direkt progressiven Einkommensteuertarif erfasst werden) und hier nur auf Individualebene verfügbar. Somit lässt sich die Einkommensverteilung und die damit einhergehende personelle Verteilung der Steuerlast lediglich isoliert für diesen Bereich analysieren. Ausschlaggebend für steuerpolitische Analysen und Maßnahmen ist jedoch vor allem die Gesamtbelastung durch Steuern entlang der Einkommens- und Vermögensverteilung, die mit der Ausnahme von Guger (1987), Czerny u. a. (1996), Guger (2009) und Rocha-Akis u. a. (2016) bisher nur ungenügend erfasst wurden.
Das Aufsetzen von Erhebungen ist grundsätzlich ein komplexes Unterfangen und bedarf meiner Vielzahl an Vorbereitungs- und Nachbereitungsschritten (siehe hierzu analog die Methodendokumentation des HFCS, Albacete u. a., 2012). Diese Schwierigkeiten manifestieren sich ebenfalls für die erste Welle des steuernzahlen.at-Datensatzes, der als umfassende Quelle für eine integrierte Abgabenstatistik konzipiert wurde. Im Methodenbericht (Verein Respekt.net, 2015) zeigen sich, trotz beachtlicher Samplegröße, diverse Unzulänglichkeiten die eine unmittelbare Analyse erschweren. Dies sind im Speziellen die fehlende Repräsentativität über die Gesamtbevölkerung sowie für Subpopulationen, teilweise zu niedrige Fallzahlen für einzelne soziale Gruppen sowie eine gewisse Zahl an Datenfehlern. Letztere ergeben sich vor allem durch das eigenständige Ausfüllen der Interviewbögen (Webmaske) durch die Befragten, ohne Unterstützung durch eine/n InterviewerIn. Nach Korrektur/Ausscheidung der Datenfehler, kann die Repräsentativität theoretisch durch Poststratifizierungsmaßnahmen, also durch das Anpassen des Gewichtes einzelner Beobachtungen, erreicht werden. Eine Analyse der von respekt.net übermittelten Datenbasis zeigt jedoch, dass eine solche Umgewichtung nur schwierig zu erreichen ist. Dies ergibt sich vor allem durch die niedrigen Fallzahlen im unteren Bereich der Einkommensverteilung sowie der sehr selektiven Beobachtungen in Bezug auf soziale Stellung und Geschlecht. Eine repräsentative Abbildung der gesamten Steuer- und Abgabenbelastung der österreichischen Haushalte ist somit unter alleiniger Verwendung der ersten Welle von steuernzahlen.at nicht möglich. Während der vorhandene Datensatz eine Anzahl von Schwächen aufweist, zeigt sich jedoch, dass die Erfassung im obersten Einkommensbereich sehr zufriedenstellend ist.
Speziell diese Gruppe an EinkommensbezieherInnen ist in anderen Surveys in der Regel schlecht erfasst, da hier überdurchschnittlich hohe Raten von Antwortverweigerung auftreten. Aus dieser Ausgangslage—schlechte Erfassung im unteren Einkommensbereich einerseits und überproportionale Abdeckung der Top-Einkommen andererseits—resultiert auch die empirische Strategie dieser Studie. Hierbei wird eine Verknüpfung bestehender (und in der wissenschaftlichen & öffentlichen Diskussion auch akzeptierten) Datenquellen, nämlich der Vermögenserhebung der OeNB und der Konsumerhebung der Statistik Austria, angestrebt. Dies soll zu einem synthetischen Datenbestand führen, der es erlaubt, die notwendigen Auswertungen für eine integrierte Gesamtabgabenstatistik durchzuführen. Zusätzlich werden die steuernzahlen.at-Daten verwendet, um die schlechte Erfassung am oberen Einkommensrand dieser zwei Datensätze zu verbessern.
Die beiden zentralen Erhebungen für dieses Projekt sind der Household Finance and Consumption Survey 2010 (HFCS) der Oesterreichischen Nationalbank und die Konsumerhebung 2009/2010 der Statistik Austria. Während der HFCS die Einkommens- und Vermögenssituation der privaten Haushalte repräsentativ abbildet, ist die Konsumerhebung die wichtigste Quelle für die Konsumstruktur und -ausgaben der Haushalte in Österreich. Die Imputation von Konsumvariablen im Zieldatensatz HFCS erfolgt auf Basis der Berechnung von Engelkurven (Banks u. a., 1997). Dabei werden die Konsumausgaben für bestimmte Güter durch das Einkommensniveau eines Haushaltes erklärt. Zusätzlich können weitere sozioökonomische Variablen in die Schätzung mit einbezogen werden, die die Konsumausgaben für bestimmte Haushaltstypen modellieren. Solche Erklärungsfaktoren sind unter anderem die Haushaltsstruktur, Alter, Bildungsniveau und oftmals auch regionale Faktoren (Fachinger, 2001). Mit Hilfe dieser Faktoren werden Engelkurven für die vorhandenen Ausgabenkategorien geschätzt und die damit verbunden Konsumausgaben im HFCS imputiert. Dafür wird das zuvor für die Konsumerhebung geschätzte Modell auf den HFCS übertragen und für die jeweiligen Haushalte die Konsumausgaben in Abhängigkeit der zuvor spezifizierten sozioökonomischen Charakteristika abgeleitet.
Hierzu werden in einem ersten Schritt die HFCS Daten aufbereitet und um Schätzungen für Sozialversicherungsabgaben und Einkommensteuern erweitert. Basierend auf diesem Datenmaterial werden die verfügbaren Haushaltseinkommen berechnet und zur Imputation der Konsumausgaben mittels Konsumerhebung verwendet. Zuletzt wird die vorhandene Datenbasis mit den steuernzahlen.at-Daten kombiniert um partiell untererfasste Gruppen speziell am oberen Rand der Einkommensverteilung besser abbilden zu können. Auf eine wesentliche Einschränkung sei hier explizit verwiesen. Unsere Datengrundlagen beziehen sich auf die Jahre 2009/10 bzw. das Jahr 2013, aus diesem Grund berücksichtigen wir in der vorliegenden Studie nicht Änderungen der steuerlichen Regelungen durch die Steuerreform 2015/16. Im Zuge dieser Reform wurde die Besteuerung der Erwerbseinkommen für den überwiegenden Teil der Einkommensbeziehenden deutlich gesenkt, die Kapitalertragssteuer und Mehrwertsteuersätze auf bestimmte Güter geringfügig erhöht.
Die Auswirkungen dieser Maßnahmen auf die Verteilung der Gesamtabgabenlast werden in einer Neuauflage dieser Untersuchung zu analysieren sein.

 

Der Bericht (Zusammenfassung)

Der Verein Respekt.net und das „Economics of Inequality Research Institute“ der WU Wien ermöglichen eine noch nie dagewesene integrierte Analyse der Gesamteinkommen und –abgaben. Die Studie „Integrierte Steuer- und Abgabenstatistik der privaten Haushalte in Österreich“ verbindet bestehende Befragungsdaten (die Vermögenserhebung der Österreichischen Nationalbank und die Konsumerhebung der Statistik Austria) mit den Daten von steuernzahlen.at des Vereins Respekt.net.

Eine seriöse Steuerpolitik muss auf Fakten basieren, nicht auf Klischees. Eine faktenbasierte Debatte kann es nur geben, wenn die relevanten Daten öffentlich transparent gemacht werden.  Da es jedoch in Österreich eine Informations-Lücke seitens des Finanzministeriums gibt, musste die Zivilgesellschaft in die Bresche springen, um zu zeigen, dass eine umfassende Steuer- und Abgabenstatistik möglich ist. Erstmals werden auch die Einkommen der obersten zehn Prozent aussagekräftig abgebildet.

Das oberste Prozent der Personen und Haushalte unterscheidet sich in nahezu allen Einkommenskategorien vom Trend der restlichen 99 Prozent, in denen meist mäßig und linear wachsende Einkommen beobachtet werden können. Die Einkommen des Top-Prozents sind in der Regel doppelt so hoch wie die im Perzentil darunter und stehen somit im Widerspruch zu der sonst relativ egalitären Einkommensverteilung in Österreich

Beim Blick auf die Abgabenlast der Haushalte wird klar: Die Konsumausgaben und Sozialversicherungsbeiträge reduzieren das progressive Element der Einkommensteuer deutlich. Wir können daher im mittleren Einkommensbereich, also vom 30. bis 80. Perzentil, annähernd von einer Flat Tax sprechen. Auch hier fällt das oberste Prozent der Haushalte aus der Reihe, allerdings durch eine fallende Abgabenquote.

Die Studie betont außerdem, dass die hohe Steuerbelastung auf Arbeitseinkommen für eine breite Bevölkerungsschicht spürbar ist. Die im internationalen Vergleich hohe und progressive Einkommenssteuer ist für einen Großteil der Haushalte relevant. Lediglich die obersten 5% profitieren von endbesteuerte Kapitalerträge, welche nicht progressiv, sondern über die Kapitalertragssteuer (KESt) mit 27,5% proportional besteuert werden.

Der ausführliche Bericht kann sowohl hier, als auch unter www.steuernZahlen.at, heruntergeladen werden.

Den Abschluss zum Projekt bildete die Pressekonferenz am 18.10.2016 im Presseclub Concordia.

Galerie

Downloads

Welchen gesellschaftspolitischen Zweck hat das projekt erfüllt?

Als Bürgerinnen und Bürger sollten wir immer hellhörig werden, wenn es zu Grundfragen der Staatsführung keine ausreichende Datenbasis und keine aussagekräftigen Statistiken gibt. Respekt.net will das gemeinsam mit allen Bürgerinnen und Bürgern ändern. Auf SteuernZahlen.at konnte jeder völlig anonym im Bereich "Meine Steuern" seinen Steuerbeitrag abschätzen und so mehr Transparenz in die eigene Steuersituation bringen.

Was also das Finanzministerium nicht veröffentlicht, schafften der Verein Respekt.net und die WU Wien im Teamwork: Erstmals gibt es umfangreiche Berechnungen zu den Einkommensquellen, Konsumausgaben und insgesamt gezahlten Abgaben nach Perzentilen der österreichischen Haushalte und Einzelpersonen. Eine neue Datenbasis ermöglicht eine fundierte, faktenbasierte steuerpolitische Diskussion frei von Klischees und Vorurteilen. Die Ergebnisse zeigen: Die Abgabenlast in der mittleren Einkommensschicht gleicht einer Flat Tax. Die hohe Steuerbelastung auf Arbeitseinkommen ist für eine breite Bevölkerungsschicht spürbar. Letztlich bestand der Zweck dieses Projektes, neben der Beschaffung und Analyse der Daten zur Steuerbelastung, auch darin, die öffentliche Diskussion über eine gerechte Steuerverteilung anzuregen. Die zahlreichen Medienberichte zeigen, dass das Thema aktuell und kontrovers bleibt. Wenngleich die Diskussion nach der Medienberichterstattung wieder abgeflaut ist, kann doch festgehalten werden, dass der Nutzen der gesammelten Daten, und vor allem der darauf basierenden, vorliegenden Studie, für die weiteren Jahre bestehen bleibt. Es wird sich zeigen, ob nun der Finanzminister bzw. die Österreichische Bundesregierung der immer wieder versprochenen Transparenz in Steuerangelegenheiten Rechnung trägt und endlich eine Gesamtsteuerstatistik in Auftrag gibt. Die vorliegende Studie bietet jedenfalls eine fundierte Grundlage für eine vertiefende Diskussion.

Wie waren Reaktionen anderer zu diesem Projekt?

Zahlreiche Medienberichte erschienen:

19.10.2016 Wiener Zeitung - Steuerpolitik im "Blindflug"

19.10.2016 Wiener Zeitung - Spitzenverdiener bevorzugt

19.10.2016 Der Standard - Ganz oben sinkt die Abgabenlast wieder

19.10.2016 Der Standard - Flat Tax für Mittelschicht

19.10.2016 Die Presse - Frischer Stoff für den Steuerstreit

19.10.2016 Kleine Zeitung - Die Steuer der Spitzenverdiener

19.10.2016 Tiroler Tageszeitung - Topverdiener im Steuer-Vorteil

21.10.2016 Medianet - Im Blindflug besteuert

22.10.2016 Vorarlberger Nachrichten - "Spitzenverdiener zahlen laut WU weniger Steuern"

Wofür wurde das gespendete Geld konkret ausgegeben?

Grafische Umsetzung, Befüllung der Website mit den Auswertungen und Tabellenteilen inkl. Benutzerführung

6 633,64 €

Forschungskooperationsvertrag zwischen Verein Respekt.net und WU 19 998,00 €
*Personalkosten Verein Respekt.net 1 368,50 €
Summe 28 000,14 €

*Es werden ausschließlich Selbstkosten des Vereins Respekt.net verrechnet.