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Projekt-ID: 1753

Trauergruppe für Betroffene nach dem Tod suchtkranker Menschen

Kontaktperson: Karlheinz Six
eingereicht am: 01.10.2018
Budget: € 3.300,-
Finanzierungsfrist: 01.02.2019
Finanzierungsschwelle: € 1.650
Land/Region: Österreich/Kärnten
Art: Sonstige
Themenkreis: Soziales Engagement

Allgemein

Projektadresse

Mariannengass 4
9020 Klagenfurt

https://goo.gl/maps/Lp1EPWJpzT42
  • Start Projektumsetzung: 01.01.2019
  • Ende Projektumsetzung: 31.12.2019

Projektbeschreibung kurz

Das Projekt ist eine Kooperation zwischen sixvisions – Karlheinz Six und der Österreichischen Plattform „Verwaiste Eltern“. Beide bieten in Kärnten sowohl im Einzel- als auch im Gruppensetting Trauerbegleitung an. Die Finanzierung dieses Projektes wird organisiert vom Verein zur Finanzierung sozialer Projekte – socialfunding.
Mit diesem Projekt der Begleitung von Trauernden nach Tod suchtkranker Menschen möchten die Kooperationspartner ein neues Themenfeld eröffnen. Wir möchten Angehörigen in dieser speziellen Trauersituation die Möglichkeit bieten sich auszutauschen. Dadurch sollen Menschen aus der sozialen Isolation herausgeführt werden.
Die Umstände des Todes bewirken mit hoher Wahrscheinlichkeit einen erschwerten Trauerprozess. Wird das nicht ernst genommen, kann der Trauernde selbst ein Suchtverhalten entwickeln bzw. suizidal werden. Trauerbegleitung versteht sich daher als sucht- und suizidpräventive Maßnahme.
Gleichzeitig verbindet sich mit der Crowdfunding-Campagne die Idee, dass Familien und Freunde suchtkranker Menschen nicht an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, sondern gesellschaftliche Unterstützung erhalten.


Nachweis Projektabschluss

Aufgrund der Verschwiegenheitsverpflichtung kann der Nachweis nur durch Vorlage der Rechnungen erfolgen, in denen alle personenbezogenen Daten der betreuten Personen geschwärzt wurden. Außerdem kann eine Statistik über Dauer und Häufigkeit der Betreuungen sowie über die Anzahl der betreuten Personen vorgelegt werden.

Details

Das Projekt

 

Das Problem 1: Die Lebenssituation vieler Angehöriger von suchtkranken Menschen

Die Lebenssituation Angehöriger gestaltet sich sehr individuell; und doch gibt es einige typische Merkmale, die sehr häufig vorkommen:
Ein zentrales Gefühl ist die Scham: Angehörige schämen sich, dass es in ihrer Familie einen Suchtkranken gibt. Von der Umgebung denkt man, sie hätte kein Verständnis, dafür viele Vorurteile und würde verurteilend über die ganze Familie denken. Menschen schämen sich aber auch, weil mit Suchterkrankungen häufig illegale Aktivitäten, sozial unangepasstes Verhalten und finanzielle Schwierigkeiten einhergehen. Die Scham fördert das Schweigen, Schweigen vergrößert die Belastung. Zusätzlich fühlen sich Angehörige allein gelassen.
Dieses Gefühl bleibt bestehen, selbst wenn sie in ein Helfernetz eingebunden sind. „Niemand hilft mir weiter“, geistert dann durch die Köpfe. Ein weiteres Gefühl verstärkt sich dadurch, nämlich das der Ohnmacht, die zur resignativen Verzweiflung oder zur Überreaktion führt.
Angehörige werden sehr schnell co-abhängig: Sie wollen den Suchtkranken retten und machen daher ihr eigenes Wohlergehen von der Heilung des Kranken abhängig. Im Eifer der Rettung werden Suchtmittel entzogen und Privaträume durchsucht. Diesen Rettungsversuchen entzieht sich der Suchtkranke aber durch Lügen und Täuschung, was beim Co-Abhängigen wieder zum Vertrauensverlust und zur verstärkten Kontrolle führt. „Nur wenn ich kontrolliere, kann ich helfen“, meint der vermeintliche Retter. Ein verhängnisvoller Kreislauf, denn je mehr Kontrolle ausgeübt wird, desto mehr entzieht sich der Suchtkranke dieser Kontrolle und wird die Vertrauensbasis zerstört.
Diese vielen Rettungsversuche, die Angehörige unternehmen, werden vom Gefühl der Schuld genährt. Angehörige – besonders Eltern und Ehepartner – geben sich die Schuld für die Suchterkrankung. Und am Liebsten würden sie alles wieder ungeschehen machen. „Ich möchte ein guter Vater, eine gute Mutter, ein guter Ehepartner sein!“ Das schlechte Gewissen treibt so noch mehr in die Co-Abhängigkeit.
Je mehr solche Rettungsversuche scheitern, desto verzweifelter werden Angehörige. In manchen Situationen kann dieses Scheitern auch zur Resignation führen. Man lässt den anderen, wie er will; lebt nebeneinander her; stumpft innerlich ab; hat seinen eigenen Lebensträume aufgegeben; hat die Lebensfreude verloren. „Es ist alles hoffnungslos geworden!“


Das Problem 2: Folgen für den Trauerprozess

Stirbt ein suchtkranker Mensch inmitten dieser turbulenten Zeit der Gefühle, bildet das die Grundlage für eine erschwerte und später für eine komplizierte Trauer. (Über die Unterschiede der Trauerformen siehe hier) Diese Formen der Trauer können in weiterer Folge an Körper, Geist und Seele krank machen. Zudem können Angehörige zunehmend sozial isoliert werden und ihren Glauben an eine gute Welt verlieren.
In einem solchen Trauerprozess stehen besonders die Schuldgefühle im Vordergrund: Alle Rettungsversuche sind nun endgültig gescheitert. „Ich bin ein Versager!“ Diese Denkweise bildet den ersten Schritt zur Suizidalität. Trauerbegleitung ist daher Suizidprävention.
Die erschwerte Trauer kann auch zu destruktiven Handlungen führen. Hier ist es naheliegend, dass auch Angehörige einer Sucht verfallen, mit der sie den Trauerschmerz betäuben können. Besonders co-abhängige Personen haben oft die gleichen Sehnsüchte und traumatischen Erlebnisse wie der suchtkranke Angehörige. Trauerbegleitung ist daher Suchtprävention.
Trauerbegleitung – besonders in einer Gruppe – ist der erste Schritt, das Unaussprechliche in Worte zu fassen und das Schweigen zu brechen. Dabei hilft vor allem die Erfahrung, dass man mit diesem Schicksal nicht allein ist. Man trifft auf Menschen, die nicht deshalb helfen können, weil sie „Sucht- oder Trauerexperten“ sind, sondern weil sie „Experten des Lebens“ sind. Trauerbegleitung bringt das Schweigen zur Sprache und führt Menschen aus der sozialen Isolation.
Die Trauerbegleitung nach dem Tod eines suchtkranken Menschen greift Themen auf, die auch schon vor dem Tod präsent waren: Die Co-Abhängigkeit kann durchaus als extreme Krise, ja sogar als Trauma aufgefasst werden. Dies gilt es schon vor dem Tod zu bearbeiten. Zentrales Thema ist dabei das Loslassen vom suchtkranken Menschen, ein Thema, das nach dem Tod erst recht auf der Tagesordnung steht. Trauerbegleitung unterstützt das Loslassen, um mit dem Verstorbenen in eine neue Art von Beziehung eintreten zu können (Traueraufhagen siehe hier)
In diesem Prozess können neben Scham und Schuld aber auch noch heftige Wut und Aggressionen gegen die verstorbene Person auftauchen. „So viel habe ich investiert, und das ist jetzt der Dank dafür.“ Trauerbegleitung begleitet alle Emotionen der Betroffenen, egal wie heftig sie auch sind.


Die Lösung 1: Wer soll unterstützt werden?

Mit diesem Projekt möchten wir das nähere soziale Umfeld (Verwandte, Freunde, Betreuer ...) ansprechen, die um einen Menschen trauern, der an einer Suchtkrankheit gelitten hat. Entscheidend ist dabei nicht, wie genau der Mensch verstorben ist, an welcher Suchtkrankheit er gelitten hat, ob es sich um legale oder illegale Mittel gehandelt hat oder wie lange der Tod schon her ist.
Außerdem ist nicht entscheidend, ob die Angehörigen selbst an einer Suchtkrankheit leiden. Jedoch sei klar gestellt: Im Zentrum steht die Trauerarbeit, nicht die Therapie von Suchtkrankheiten.
Entscheidend ist lediglich, dass die Angehörigen einen Menschen verloren haben, der suchtkrank war, und das sie nun unter einer erschwerten Trauer leiden.


Die Lösung 2: Wie wollen wir unterstützen?

Wir gehe davon aus, dass die meisten Betroffenen erschwert trauern. Von erschwerter Trauer spricht man v. a. dann, wenn z. B. folgende Punkte zutreffen:

 

  • unerwarteter Tod
  • Konflikte mit dem Verstorbenen
  • mehrere Verluste gleichzeitig (z. B. zustätzlich finanzielle Verluste)
  • fehlende Unterstützung durch andere
  • aberkannte Trauer

 

Wir sehen in einer Trauergruppe eine optimale Unterstützung für Angehörige und FreundInnen. Den Austausch in einer solchen Gruppe empfinden die TeilnehmerInnen als besonders hilfreich. Sie sehen, dass sie mit ihrem Schicksal nicht allein sind. Das allein erleichtert schon viele Trauernde.
Die Gruppe eröffnet einen Raum, in dem Trauer Platz hat und sämtliche Trauerreaktionen ausgesprochen und gelebt werden können. Das ist ein heilsamer Prozess, der Anstoß und Unterstützung ist, die Traueraufgaben zu erfüllen.
Zudem können die TeilnehmerInnen von anderen lernen, wie andere mit bestimmten Situationen umgehen.
Die Erfahrung zeigt, dass Trauernde nach zwei bis drei Jahren Teilnahme an einer solchen Gruppe den Verlust gut in ihr Leben integriert haben.

Nicht jeder ist sofort für eine Gruppe offen. Ist das der Fall, dann möchten wir zunächst Einzelbegleitungen anbieten. Das Ziel einer Gruppenteilnahme soll dabei allerdings nicht aus dem Blick geraten.

 

Warum crowdfunding?

Zuerst sei festgehalten, dass erschwert trauernde Menschen ganz generell oft wenig finanzielle Mittel haben. Im Kontext einer Suchterkrankung kann die finanzielle Situation noch angespannter sein. Aber auch wenn man sich eine solche Beratung nicht leisten kann, soll rasch, unkompliziert und professionell geholfen werden. Daher möchten wir dieses Angebot kostenlos zur Verfügung stellen.

Mit dieser Campagne geht es uns neben der Finanzierung auch um ein gesellschaftspolitisches Anliegen: Eine Crowd signalisiert durch ihre Unterstützung: Menschen in einer solch schwierigen Lebenslage, dass sie es wert sind unterstützt zu werden. Dies ist ein ideelles Zugehen auf diejenigen, die sich als gesellschaftlich isoliert betrachten.

 

Die Projektpartner


Karlheinz Six ist seit mehr als 14 Jahren in der Krisenbegleitung und seit mehreren Jahren auch in der Langzeittrauerbegleitung tätig. Seit mehr als drei Jahren begleitet er im Auftrag der Plattform „Verwaiste Eltern“ eine Trauergruppe für Suizidhinterbliebene. Neben dem Suizid-Thematik hat er sich auf die Begleitung von trauernden Jugendlichen spezialisiert.
Homepages: www.sixvisions.at und www.jugendtrauer.at

Die Österreichische Plattform „Verwaiste Eltern“ bietet seit zehn Jahren Trauernden ein vielfältiges Angebot: Einzelbegleitung, Trauergruppen, gesellige Veranstaltungen, Gottesdienste usw. Das Angebot wird den Trauernden kostenlos oder gegen einen geringen Beitrag zur Verfügung gestellt, da vielen Menschen die finanziellen Mitteln fehlen. Die Plattform ist eine Einrichtung der Katholischen Kirche Kärnten und die meisten Kosten werden durch sie getragen.
Homepages:
www.kath-kirche-kaernten.at/verwaiste-eltern oder
www.kath-kirche-kaernten.at/trauerpastoral

Der Verein socialfunding organisiert für die Projektpartner die Crowdfunding-Campagne. Er selbst lukriert keinen Gewinn aus diesem Projekt.
Homepage: www.socialfunding.at

Budget

  • Gesamtbudget
    € 3.000,-
  • - Eigenmittel
    € 0,-
  • Finanzierungsziel
    € 3.000,-
  • + Abwicklungsgebühr
    € 300,-
  • Zielbudget
    € 3.300,-
  • Finanzierungsschwelle
    € 1.650,-
  • Respekt.net-Teilbetrag A (wird bei erfolgreicher Finanzierung überwiesen)
    € 0,-
  • Respekt.net-Teilbetrag B (wird nach Erhalt des Zwischenberichtes überwiesen)
    € 0,-
  • Abgabedatum Zwischenbericht
  • Respekt.net-Teilbetrag C (wird nach Erhalt des vollständigen Projektabschlussberichtes überwiesen; mind. 10 % des Zielbudgets)
    € 0,-
  • Abgabedatum Abschlussbericht
    14.01.2020
  • Projektrisiken
    Es bestehen keine Projektrisiken.
  • Budgetplanung
    Die Mittel werden einerseits für Honorarkosten für psychologische Begleitung (2.400 Euro) und andererseits für Verwaltungs- und Werbekosten (600 Euro) aufgewendet. Unter die Bewerbungs- und Verwaltungskosten fallen v. a. Druckkosten für Info-Flyer und Online-Werbung auf z. B. Facebook und/oder Instagram. Das Angebot soll dauerhaft angeboten werden. Wir rechnen gerade zu Beginn mit einem erhöhten Werbekosten. In der Folgezeit sollen diese Kosten reduziert werden.

    Wird das Finanzierungsziel nicht erreicht, aber die Finanzierungsschwelle werden beide Ausgabeposten anteilsmäßig gekürzt.

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Galerie

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News

Verein zur...

hat am 07.11.2018 geschrieben

Beitrag im Gemeinderat Klagenfurt

‼️ Trauergruppe für Betroffene nach dem Tod suchtkranker Menschen ‼️

 

Am 23. 10. wurde unser Projekt im Klagenfurter Gemeinderat von Sandra Wassermann, Gemeinderats- und Nationalratsabgeordnete der FPÖ und Pfarrgemeinderätin der Pfarre Annabichl, erwähnt.

Herzlichen Dank

 

 

Verein zur...

hat am 04.11.2018 geschrieben

Karlheinz Six - Trauerbegleiter

Fernsehinterview zu unserem neuen Projekt mit Alexandra Praster vom ersten österreichischen Privatsender kult1.

Verein zur...

hat am 02.11.2018 geschrieben

Trauer als Chance

Interview in moments Kärntnerin vom November 2018

Verein zur...

hat am 01.11.2018 geschrieben

Neue Hilfe bei Trauer um Suchtkranke

Beitrag über unser Angebot in der Kleinen Zeitung vom 1. 11. 2018

Verein zur...

hat am 22.10.2018 geschrieben

Wofür wir die Spenden konkret nutzen!

Unser Anliegen ist es, unser Angebot den Betroffenen kostenlos zur Verfügung zu stellen. Viele Trauernde haben aus unterschiedlichen Gründen finanzielle Schwierigkeiten. Und Geld sollte kein Grund dafür sein, dass jemand keine Trauerbegleitung erhält.

mehr

Verein zur...

hat am 20.10.2018 geschrieben

Über die Verharmlosung von Cannabis

Interessantes Interview mit dem Vorstand der Suchtpsychiatrie der Universitätsklinik Linz Kurosch Yazdi über die Gefahres des Kiffens. Meine Frage dazu: Sind wir bald soweit, dass Menschen auch an den Folgen von Cannabis sterben?

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